Schon am Morgen des 30. März hatte ich die Träger vorausgeschickt, um dann selbst der Karawane nachzufolgen. Herr Thienemann blieb auf Misahöhe zurück, um, sobald er wieder hergestellt sei, nach dem Agu zurückzukehren. Mit Dr. Gruner, welcher noch vor seiner Abreise sehr viel Amtsgeschäfte zu erledigen hatte, wollte ich in Agome-Palime wieder zusammentreffen. In Kussundu, einem Dörfchen vor Palime, holte ich meine Träger-Karawane wieder ein und zog nun mit derselben nach Palime, wo ich noch verschiedene Einkäufe machte, während ich auf Dr. Gruner wartete, der etwa eine Stunde später eintraf. Das ganze Gebiet um Agome-Palime herum würde sich zur Anlage von Baumwoll-Versuchsplantagen eignen. Vor allen Dingen würden von hier aus die Transportkosten nach der Küste nicht so bedeutend sein. Ich habe zwar die Überzeugung, daß wahrscheinlich die Umgebung der Leglebi-Dörfer noch geeigneter zu den Versuchen sein würde, da dort auch der Boden besser zu sein scheint, doch hätte man beim Transporte von dort nach der Küste pro 30 Kilo einen Tageslohn mehr für die Träger in Verrechnung zu bringen.

Die Reise des Herrn Dr. Gruner nach Amedjovhe war für die Eingeborenen sehr überraschend gewesen. Durch Folove und Kpalave marschierten wir hindurch und bogen dann von der Straße nach Ho ab. Erst durch fruchtbares Gelände marschierend, dann über einen steinigen Hügelrücken steigend, gelangten wir, nachdem wir noch das Dörfchen Ahudju passiert, gegen 4½ Uhr nachmittags nach Wuamme. Hier beschlossen wir über Nacht zu bleiben. Ich gab nun sofort den noch ungeschulten Kpime-Leuten Instruktionen im Aufstellen des Zeltes. Bald stand alles in bester Ordnung; meine Lasten wurden, wie gewöhnlich, in meinem Zelte untergebracht. Dr. Gruner hatte für sich und seine Soldaten einige Häuser in der Nähe erstanden. Nachdem wir unser Abendessen eingenommen hatten, saßen wir beide Europäer noch gemütlich plaudernd bis 1 Uhr vor meinem Zelte.

Dr. Gruner hatte mich gebeten, das Signal zum Sammeln am Morgen zu geben. Ich rief daher die Leute um 5½ Uhr am folgenden Morgen zusammen, und nachdem die Lasten fertig gepackt waren, schickten wir die Träger unter Leitung eines Soldaten voraus. Dr. Gruner und ich folgten mit den Soldaten bald nach. Wir hatten zunächst ein hügeliges Land vor uns, das bald in eine prachtvolle, fruchtbare Ebene abfiel, auf die ich hier ganz besonders aufmerksam machen möchte. Diese Ebene ist gut bewässert und würde bei Anlagen von Baumwoll-, Tabak- und Sisalplantagen sicher einer näheren Beachtung wert sein. Besonders gutes Gelände durchzogen wir, nachdem wir Moendu passiert hatten. Auch vor Khonuta sahen wir wieder ganze Strecken, welche sich vorzüglich für bessere Kulturen eignen würden. In Khonuta warteten unsere Träger auf uns. Wir schickten das Gros derselben aber weiter nach Aflime und behielten nur wenige Lasten zurück, welche wir nötig hatten, da wir hier eine kleine Frühstückspause machen wollten.

Auch das Gebiet zwischen Khonuta und dem Fuße des Amedjovhe-Gebirges bei den Kpedje-Dörfern scheint recht fruchtbar und einer Beachtung wohl wert. In dem Dorfe Aflime gab es viele Kokospalmen, an deren Früchten sich unsere Träger ergötzten. Auch Dr. Gruner und ich ließen uns einige Nüsse öffnen, um die erfrischende „Milch“ derselben zu trinken. Um 11 Uhr brachen wir wieder auf. Der Marsch auf das Gebirge war recht anstrengend für die Leute, da der Weg sehr steil war, wir mußten auch von den Pferden herunter, um sie hinauf führen zu lassen. Oben angelangt, traten wir in einen großen Wald, der sich über den ganzen Höhenrücken erstreckte. Nach etwas ¾stündigem Marsche, welcher auch fast ausschließlich durch ein an falschen Kickxien sehr reiches Waldgebiet führte, in dem die Eingeborenen leider bereits anfingen, größere Strecken zur Anlage von Bananenpflanzungen niederzubrennen, gelangten wir an den Fuß der kleinen Bergkuppe, auf der 770 m über dem Meeresspiegel die Missionsstation Amedjovhe erbaut ist. Von dem Missionar, welcher die Station leitete, wurden wir äußerst liebenswürdig empfangen.

Da ich nicht Zeit genug hatte, mich länger hier aufzuhalten und daher bereits am nächsten Morgen die Reise nach der Küste, welche ich auf Dr. Gruners Wunsch durch die Landschaft Agotime zurückzulegen beabsichtigte, antreten wollte, so unternahm ich noch unter der Führung unseres liebenswürdigen Wirtes am Nachmittage einen kleinen Spaziergang zur Besichtigung der Station. Landwirtschaftliches war weniger zu sehen. Vor allen Dingen war Kaffee angepflanzt, der sehr gut zu gedeihen schien und reichlich Früchte angesetzt hatte. Es waren zwei Arten hier in Kultur, die erstere, der Liberia-Kaffee, stand zwar gut, doch erschien an den meisten Beeren kurz vor ihrer Reife ein Pilz, der dieselben dann in Kürze zerstörte und vollständig schwarz färbte. Anders war es mit der zweiten Art; dieselbe ging als Coffea arabica, schien mir aber von dieser verschieden zu sein; über und über waren die Bäumchen mit Blüten und Früchten schwer beladen. Auch schien die Frucht sehr gut zu sein, und das daraus hergestellte Getränk hatte einen sehr guten Geschmack und ein vorzügliches Aroma. Inwieweit sich die Kultur dieser Kaffeevarietät im großen lohnen würde, läßt sich nicht sagen, da meines Wissens nie Proben dieses Kaffees zur Begutachtung nach Europa geschickt worden sind. Da die klimatischen und geologischen Verhältnisse des Amedjovhe-Gebirges denen des Agome-Gebirges vollständig gleichen, so kann wohl mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß diese Kaffeespezies auch dort sehr gut gedeihen werde. Mit großem Erfolge wurde hier auch Rinderzucht getrieben; vor allem gediehen die Kühe ausgezeichnet. Die Pferde, welche auch vorzüglich heranwuchsen, zeichneten sich durch guten, kräftigen Körperbau aus, wurden aber häufig von einer eigentümlichen Krankheit befallen, die nach den Schilderungen unseres Wirtes der Pferdekrankheit von Südost-Afrika ähnlich zu sein scheint. Auch die Schafe sahen gesund aus, gehörten aber einer kleineren Art an, die sich wohl bei Vergrößerung der Zucht weniger empfehlen würde.

Gern wäre ich noch am nächsten Tage in Amedjovhe verblieben, um die Wälder der Umgebung näher kennen zu lernen, doch bei derartigen Reisen muß man mit Eventualitäten rechnen, die einem unterwegs manchmal ziemliche Zeit rauben können; deshalb zog ich es vor, bei meiner ursprünglichen Absicht zu bleiben und wirklich abzuziehen. Dem von mir erhaltenen Befehle gemäß, erschienen meine Träger auch um 6 Uhr morgens am 1. April aus dem nahe gelegenen Eingeborenen-Dorfe, in dem sie während der Nacht untergebracht worden waren. Ich schickte die Karawane voraus und folgte dann um 6½ Uhr selbst zu Pferde nach. Der Abschied von Dr. Gruner, dem ich den glatten Verlauf meiner ganzen Togo-Reise zu verdanken hatte, wurde mir ordentlich schwer. In Salame, dem ersten kleinen Dorfe am Fuße des Gebirges, holte ich meine Leute ein und marschierte nun mit ihnen nach Aflime, wo ich noch einige Stämme des Ficus Vogelii anzapfte. Darauf ging es in schnellem Marsche bis Moëndu, wo ich meinen Leuten zwei Stunden Zeit gab, Essen zu kochen. Kaum hier angekommen, wurden wir von einem Eilboten des Herrn Dr. Gruner eingeholt, der mir noch einen Abschiedsgruß in Form eines Paketes Cigarren überbrachte, die mir besonders willkommen waren, da ich vor einigen Tagen die letzte der meinigen aufgeraucht hatte. Von Moëndu um Mittag abmarschierend, zogen wir fast direkt nach Süden, auf einem auf der Sprigadeschen Karte von Süd-Togo nicht aufgezeichneten Wege, der direkt nach Klave führt. Der Weg war nicht in besonders gutem Zustande, doch immerhin gut genug, daß man ihn zu Pferde zurücklegen konnte. Dicht hinter Moëndu überschritten wir zum ersten Male den Todjië-Bach, welchen wir noch häufig sehen sollten. Die Vegetation des ersten Teiles zu beiden Seiten des Weges bestand aus Buschwald, der eine große Menge Ölpalmen beherbergte. In diesem Buschwalde war auch Ficus Vogelii ziemlich verbreitet. Nachdem wir etwa eine Stunde marschiert waren, trafen wir auf einen Trupp eingeborener Jäger, welche soeben drei Pinselohr-Schweine geschossen hatten. Ich verabredete mit den Leuten, daß ich ihnen in Klave einen Teil eines Schweines abkaufen werde, falls sie sich beeilen würden, eines der Tiere dorthin zu bringen. Nachdem wir aus dem Buschwalde herausgetreten waren, kamen wir in eine steinige Baumsteppe, welche für mich, als Botaniker, manches Interessante geboten, wenn ich die Zeit gehabt hätte, mich dort aufzuhalten. In Klave ließ ich nun eine kurze Rast machen, bis die Eingeborenen mit dem erlegten Schweine erschienen, von dem ich für mich und meine Träger eine Hälfte erstand. Von Klave bis Shia war nur eine gute Marschstunde über ein Baumsteppengebiet, ähnlich dem zwischen Moëndu und Klave, aber weniger steinig. Ich ließ in Shia gar nicht rasten, da ich nicht wußte, wie lange wir noch bis Nyive zu marschieren haben würden, wo ich das Nachtlager machen wollte. Auch hinter Shia setzte sich anfangs die Steppe weiter fort, doch bald wurde das Land wieder fruchtbarer, als wir uns dem Todjië wieder näherten; denselben hatten wir vor Nyive noch zweimal zu überschreiten. Zu unserem nicht geringen Erstaunen mündete unser Fußweg plötzlich in einen wundervoll reingehaltenen breiten Weg, der uns über einen kleinen Hügel direkt auf Nyive zu führte. Unterdessen hatte sich der Himmel bedenklich verdunkelt, so daß ich meine Leute zu möglichster Eile antrieb, da ich jeden Augenblick einen heftigen Gewitterregen erwartete. In Nyive angekommen, ließ ich sofort das Zelt unter einem wundervollen Milletiabaum aufschlagen und die Lasten, da der Regen eben begann, hineinbringen. Dieser Gewitterregen muß eine Wohlthat für die Umgebung gewesen sein, denn zwischen Klave und Nyive begannen die nach dem ersten Regen aufgesprossenen Kräuter bereits wieder zu welken. Der Regen dauerte bis gegen 5 Uhr am nächsten Morgen in mehr oder minder leichten Schauern an.

Als ich am 2. April sah, daß sich der Himmel klärte, ließ ich die Leute wieder antreten, und weiter ging es, ohne auf den Wunsch des Häuptlings zu hören, der mich bat, doch noch zu verweilen, da er mir ein Geschenk schicken wolle. Da wir den Weg von Nyive nach Atikpui nicht kannten, bat ich den Häuptling um einen Führer dorthin. Ohne lange dadurch aufgehalten zu werden, erhielt ich einen jungen Mann, der uns führen konnte. Infolge des Regens war das Gras in den Steppen noch vollständig naß, so daß ich, als ich vom Pferde abstieg, um einige interessante Pflanzen zu sammeln, total durchnäßt wurde. Die Steppe wechselte hier mit kleinen Buschpartien, zwischen deren nassen Büschen wir uns manchmal derartig hindurchwinden mußten, daß bereits einige der Lasten ganz durchnäßt schienen; doch bald war dieser Schaden wieder geheilt, als die Sonne höher stieg und alles abtrocknete. In Atikpui hatte ich mich eine halbe Stunde aufzuhalten, da ich mir einen neuen Führer bis Nyitoe suchen mußte. Da von den umherstehenden Leuten keiner einwilligte, mußte ich erst den Häuptling rufen lassen, der mir dann sofort den gewünschten Mann stellte. Ein großer Teil der Strecke, welche wir nun vor uns hatten, besonders nach Nyitoe zu, dürfte zu den fruchtbarsten Teilen der Landschaft Agotime gehören, soweit ich sie kennen gelernt habe. Anfangs hatten wir wieder eine sterilere Baumsteppe vor uns, doch nachdem wir den Todjië abermals überschritten hatten, wurde das Terrain recht interessant. Hier dürften sich große Strecken für Baumwoll- und vielleicht auch für Tabakbau eignen. Besonders gut schien das Gebiet zwischen dem Todjië und dem Kedjo. Ich möchte hier jedoch, um Mißverständnisse zu vermeiden, darauf aufmerksam machen, daß ich, wenn ich von gutem fruchtbaren Gebiete schreibe, nur die Togo-Verhältnisse im Auge habe, da es sich hier nur um die eventuelle landwirtschaftliche Entwickelung dieser Kolonie handelt. In einem von der Natur so reich beschenkten Lande, wie dasjenige am Kamerun-Gebirge, würden natürlich selbst die für Togo fruchtbar geltenden Orte als geringwertig angesehen werden. Ich möchte daher besonders davor warnen, etwa die wirtschaftlichen Verhältnisse des Gebietes am Kamerun-Gebirge auf Togo zu übertragen, denn dies müßte notwendigerweise zu einem Fiasko führen, schon da, abgesehen von der sehr verschiedenen Beschaffenheit des Bodens, die meteorologischen Verhältnisse ganz andere sind.

Kurz vor unserm Einzuge in Nyitoe überschritten wir noch den Kedjo, der sich hier mit dem Todjië vereinigt. Wie fast alle Dörfer im südlichen Togo, hat auch Nyitoe seinen Fetischplatz, bevor man in die Stadt kommt. Eine besonders wichtige Rolle scheint an solchen Plätzen eine Jatrophaart zu spielen, welche man stets als Umrandung dieser Fetischplätze angepflanzt sieht. Die Form der Plätze ist sehr verschieden, ebenso die Lage derselben. Überall werden sie sehr reinlich gehalten. In Nyitoe sah ich zum ersten Male die für Agotime charakteristischen merkwürdigen Thorhäuser, welche, größer als die anderen Häuser erbaut, den Eingang zum Marktplatze bilden. Auch ein Eisenschmied war dicht neben unserm Lager auf dem Marktplatze in voller Thätigkeit und bewies trotz seiner recht primitiven Instrumente eine große Geschicklichkeit. Gegen 12 Uhr von Nyitoe aufbrechend, marschierten wir durch Sukpe, ein Dorf, das ebenso groß wie Nyitoe und von diesem nur durch einen schmalen Buschwaldstreifen getrennt ist. Allenthalben, wo ich mich hier in Agotime zu Pferde sehen ließ, liefen die Frauen und Kinder davon, als ob der Gottseibeiuns käme, und wurden erst wieder beruhigt und zutraulicher, wenn sie sahen, daß auch meine Leute sich an das Pferd heranwagten. Interessant war übrigens, daß in den sämtlichen Buschwäldern, welche wir südlich vom Amedjovhe-Gebirge durchzogen, keine Spur der falschen Kickxia zu finden war. Es scheint, daß ihre Südgrenze etwa die Gegend am Fuße des Amedjovhe-Gebirges ist. Landolphien waren hin und wieder zu sehen, doch selten in stärkeren Exemplaren. Ficus Vogelii ist allenthalben in den Dörfern von Süd-Togo wie Mittel-Togo als Schattenbaum auf Marktplätzen angepflanzt. Von Sukpe nach Apegame ging der Weg über ziemlich trockene Savannengebiete, die mehr oder minder spärlich mit kurzen Bäumen bedeckt waren, an einem kleinen Farmdorfe vorbei, für welches uns die dort wohnenden Leute den Namen Kpadjakho angaben. In der Steppe gab es sehr viele Borassuspalmen, deren Früchte von den Eingeborenen hin und wieder genossen werden. Die Kinder saugen gern die süßliche, fleischige Pulpa aus, welche die Nüsse, deren stets drei zusammensitzen, umschließen. Als wir kurz hinter Apegame eben den Todjië wieder überschritten hatten, wurden wir inmitten der Steppe von einem sehr starken Regen überrascht, der uns bald vollständig durchnäßte. Da wir bereits eine ziemliche Strecke von den letzten Häusern entfernt waren, war es unnütz, erst wieder umzukehren; ich ließ deshalb trotz des Regens, der übrigens bald vorübergezogen war, den Marsch fortsetzen. Die Savanne vor Bottoe war ziemlich steriler Natur und dürfte daher weniger für europäische Plantagenanlagen geeignet sein, würde aber doch zur Bepflanzung mit Manihot Glaziovii zu empfehlen sein. Etwa eine halbe Stunde vor Bottoe erreichten wir die unter Leitung eines eingeborenen Negers stehende Außenstation der Bremer Mission. In Bottoc kamen wir gegen 4 Uhr am Nachmittage an. Trotz des schlechten Rufes, welchen die Eingeborenen dieser Ortschaft haben, wurden wir daselbst sehr freundlich aufgenommen. Der Häuptling brachte mir ein Geschenk von drei Hühnern und etwas Mais. Ich hatte während der letzten Zeit vorzugsweise von Eiern gelebt, welche wir allenthalben in den Dörfern für Tabak reichlich kaufen konnten, da ich gegen Konserven und das ewige Hühnerfleisch eine furchtbare Abneigung bekommen hatte. Am Morgen des 3. April brachen wir um 6 Uhr wieder auf. Der Häuptling des Dorfes hatte mir bereitwilligst einen Führer bis Batome bestellt, von wo aus ich dann einen neuen Führer bis Assahun zu nehmen gedachte. Über eine sterile Savanne, welche sich wohl nur zur Bepflanzung mit Manihot Glaziovii eignen dürfte, führte der Weg. Die infolge der ersten Regen hervorgesprossene Vegetation fing schon wieder an bedenklich zu vertrocknen. In einem kleinen Farmdorfe, welches wir passierten, beklagten sich die Eingeborenen über die ausbleibenden Regen. Das Wasser hatten sie von ziemlicher Distanz herbeizuschaffen, da die sämtlichen Quellen und sonstigen Wasserplätze in der Umgebung ausgetrocknet waren. Etwa eine halbe Stunde vor Batome marschierten wir durch das Dorf Seva. In Batome machte sich der Wassermangel erst recht bemerkbar, wir hatten hier viel Geld für das von den Eingeborenen herbeigeschaffte Wasser zu zahlen.

Von einigen Weibern kaufte ich hier eine Anzahl Finger- und Armringe, ebenso gelang es mir, einige Exemplare ovaler Messingringe zu erstehen, welche am Fuße über dem Spanne getragen werden. Die Fingerringe und ein Teil der Armringe waren aus Nickel verfertigt. Nach Angabe der Eingeborenen waren sie in Assahun hergestellt. Es ist wohl nicht unwahrscheinlich, daß ein Teil der nach Togo importierten Fünfpfennigstücke zu derartigen Arbeiten verwendet wird. Um 12 Uhr ließ ich wieder aufbrechen, diesmal ohne Führer. Es war in der trockenen Steppe drückend heiß, dazu schien der Weg immer unkenntlicher zu werden. An einigen verlassenen Farmdörfern zogen wir vorbei, bis allmählich die Gegend einen interessanteren Charakter annahm. Hin und wieder zeigten sich kleine Buschwäldchen, die immer häufiger zu werden schienen, und dazwischen lagen die Farmen der Eingeborenen. In Agorome floh die ganze Bevölkerung, als sie des Weißen auf dem Pferde ansichtig wurde, nur mit Mühe konnte ich einige Leute bewegen, zurückzukehren, um mir den Weg zu zeigen. Nach etwa einer weiteren Stunde gelangten wir nach Seve, wo ich für die Nacht geblieben wäre, wenn nicht die Einwohner behauptet hätten, weder genügend Wasser noch Nahrung zu haben. Es blieb uns also nichts übrig, als den Marsch bis Assahun fortzusetzen. Etwa 20 Minuten vor Assahun kamen wir wieder auf die breite Lome-Misahöhe-Straße und trafen dann mit Einbruch der Dunkelheit in Assahun ein. Ich ließ sofort das Zelt aufschlagen, um für die Nacht hier rasten zu können, meine Leute fanden Unterkommen in den Häusern der Eingeborenen.

Gegen 5½ Uhr rief am 4. April meine Signalpfeife unsere Schar wieder zusammen. Da ich die Absicht hatte, bloß bis Badja zu marschieren, ließ ich heute nicht so zur Eile antreiben. In Kewe ließ ich am Logirhause eine halbe Stunde Rast machen und dann direkt nach Badja vorgehen, wo wir schon um 10 Uhr unter Ficus- und Affenbrotbäumen das Zelt aufstellen konnten. Es schien hier ein großer Palavertag zu sein, denn in der Nähe meines Zeltes wurde eine lange Gerichtsverhandlung vom Häuptlinge abgehalten. Ich wurde zwar aufgefordert, auch daran teilzunehmen, schlug diese Einladung aber ab, da ich mich nicht in die Angelegenheiten der Leute mischen wollte. Gegen Abend mußte ich den Häuptling rufen lassen, um ihn aufzufordern, für einen Polizeisoldaten, dessen Träger entlaufen war, einen neuen Träger zu stellen. Wie sich herausstellte, hatte eigentlich der Soldat selbst Schuld an der Sache, und deshalb waren die Badja-Leute gegen ihn aufgebracht, doch gelang es mir, den Streit zur Zufriedenheit beider Parteien beizulegen, so daß sich der Häuptling verpflichtete, in aller Frühe am nächsten Tage den gewünschten Träger bis Palime zu stellen. Unsern Aufenthalt am Nachmittage in Badja benutzte ich dazu, die Steppen botanisch zu untersuchen, wobei es mir gelang, einige recht interessante Funde zu machen. Am Abend begann ein sehr starker Regen, welcher die ganze Nacht hindurch nicht endete und unsern Aufbruch am nächsten Morgen bis 7 Uhr verzögerte. Kaum waren wir auf dem Wege wieder in der Steppe, als der Regen mit erneuter Heftigkeit wiederum begann. Doch wollte ich mich dadurch nicht mehr in unserm Fortkommen behindern lassen und ließ nun unter diesen nicht gerade sehr angenehmen Zuständen den Marsch fortsetzen. Waren wir und die Lasten doch bereits vollständig durchnäßt, so konnte etwas Regen mehr oder minder weiter keinen bedeutenden Schaden anrichten. Die Wege waren allerdings infolge ihrer lehmigen Beschaffenheit so schlüpfrig, daß mehrere Male Träger mit ihren Lasten stürzten. Ebenso hatte ich mit meinem Pferde gut aufzupassen, denn auch das Tier konnte nicht sicher treten. Nachdem wir Noeppe passiert, trafen wir gegen 11 Uhr vollständig durchnäßt in Akeppe ein. Zu unserm Glück hatte der Regen nachgelassen, so daß wir in den nichts weniger als regendichten Rasthütten daselbst verbleiben konnten. Am Nachmittage klärte sich zu unserer Freude der Himmel auf, ja, die Sonne trat sogar hervor und gab uns somit Gelegenheit, einen Teil der Lasten zu trocknen. Leider gesellte sich eine neue Plage wieder zu uns, nämlich die Ameisen, die nun nach dem Regen unsern Lagerplatz zu Hunderten umschwärmten und, wo sie nur Gelegenheit fanden, ihre Wut an den nackten Füßen der Träger ausließen. Auch ich machte am Abend, nachdem ich mir die hohen Stiefel abgezogen hatte, wiederholt ihre Bekanntschaft.