3. Landolphia comorensis K. Sch. aus Ostafrika, von der höchst wahrscheinlich die von verschiedenen Autoren als mit ihr identisch betrachtete, keinen Kautschuk liefernde Pflanze spezifisch verschieden ist.

4. Landolphia Klainei Pierre aus dem Flußgebiete des Congo.

5. [Landolphia owariensis Pal. de Beauv.] mit einer weiten Verbreitung über den westlichen Teil Afrikas und im Sudan. Mit dieser Art ist L. Klainei häufig verwechselt worden.

6. Landolphia Kirkii Th. Dyer aus dem südöstlichen Afrika.

Von diesen hier aufgezählten Arten ist der von Landolphia Klainei gewonnene Kautschuk der beste und wohl überhaupt der beste aus Afrika bisher bekannt gewordene. Von ihr wird auch das als „Kassai rouge“ in den Handel kommende Produkt gewonnen. Im Congostaate hat aus diesem Grunde die Regierung auch da, wo sie Landolphia-Anpflanzungen begonnen hat, hauptsächlich diese Art heranziehen lassen. Es sind meines Wissens Resultate derartiger Anpflanzungen noch nicht bekannt, da dieselben alle viel zu jung sind, um einen Ertrag liefern zu können. Es wird auch noch eine lange Reihe von Jahren vergehen, ehe man mit dem Abernten der Lianen beginnen kann, ohne sogleich einen empfindlichen Schaden herbeizuführen. Ich bin persönlich der Ansicht, daß eine Liane etwa 15 Jahre alt sein müßte, ehe ihr Hauptstamm anzapfungsfähig ist. Bei dem immensen Längenwachstum, welches diese tropischen Lianen besitzen, ist es nicht zu verwundern, daß die Pflanze zu gleicher Zeit ein stärkeres Dickenwachstum nicht aufweisen kann.

In Kamerun hat Herr Günther auf der Soppo-Plantage vor einigen Jahren eine Landolphia-Anpflanzung begonnen, welche, als ich sie zum letzten Male zu sehen Gelegenheit hatte, recht gesund aussah, doch hatten die etwa 2½jährigen Stämme noch nicht 1 cm im Durchmesser erreicht; einige derselben hatten dabei allerdings bereits eine Länge von 5 m aufzuweisen. Die Kultur der Lianen wäre keineswegs zu verwerfen, wenn man aus irgend welchen Gründen gezwungen ist, Waldpartien in den Plantagengebieten stehen zu lassen, in denen bereits Kautschuklianen vorhanden sind. Da wäre durch jährliches Nachpflanzen die Möglichkeit vorhanden, mit der Zeit eine regelrechte Landolphia-Schonung zu erziehen, welche dann eine gute Nebeneinnahmequelle für die Plantage bilden würde. Ebenso ist es keineswegs zu übersehen, daß sich Landolphien auch an den Schattenbäumen in den Kakaoplantagen anpflanzen ließen. Da man, wenn die Pflänzchen erst einmal die Höhe von einem Fuß erreicht haben, gar keine Arbeit mit ihnen hat, und die Anpflanzungen somit fast gar nichts kosten würden, so ließe sich eventuell auch diese Art von Kautschuk-Nebenkultur empfehlen. Die Früchte der am Kamerun-Gebirge einen guten Kautschuk liefernden Liane, welche fälschlich wiederholt als Landolphia florida bezeichnet worden ist, sind auf den Märkten der Baquiri unter dem Namen „Maniongo“ in den Monaten Dezember, Januar und Februar mit Leichtigkeit in Mengen zu erstehen; Schwierigkeiten im Beschaffen der Samen lägen also nicht vor. Leider enthalten die Blätter und die jüngeren Teile der Landolphien keinen brauchbaren Kautschuk, sonst ließe sich ja eventuell in ähnlicher Weise, wie der Wurzelkautschuk im Congo- und Angola-Gebiete hergestellt wird, aus ihnen das Produkt gewinnen, und dann würde allerdings eine Landolphiaplantage ein äußerst empfehlenswertes Unternehmen sein. Ich habe während meiner Expedition gerade dieser Frage der Möglichkeit des Ausziehens von Kautschuk aus den jüngeren Teilen der Kautschukpflanzen ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet und habe dabei immer mehr die Überzeugung gewonnen, daß bei Landolphien und Kickxien dieses unmöglich sei. Die Kautschukpflanzen scheiden in sämtlichen jüngeren Teilen einen Milchsaft aus, aus dem sich kein brauchbarer Kautschuk, sondern nur ein dem Vogelleim ähnliches Produkt der Ficusarten gleiches Material herstellen läßt.

Eingeborene von Wangata.

Inwiefern die amerikanischen Kautschukpflanzen, vor allen Dingen die Hevea, bei Gewinnung von Kautschuk aus den jüngeren Teilen in Betracht kommen können, habe ich bisher leider noch nicht Gelegenheit gehabt, feststellen zu können. Es wäre sehr wünschenswert, daß auch mit dem Ceara-Kautschuk ähnliche Versuche gemacht werden würden, da bei diesem die Kautschuk liefernde Latex höher in die jüngeren Teile hinaufsteigt als bei Landolphien und Kickxien. Die Verwandlung der Latex in solche, welche wirklich guten Kautschuk liefert, geht also innerhalb der Pflanze vor sich. Sollte sich da nicht ein sehr interessantes und vielleicht auch höchst erfolgreiches Studium für einen sich in den Kautschukgegenden Afrikas aufhaltenden Chemiker darbieten? Aus der Verschiedenheit der chemischen Zusammensetzung der Latex in den verschieden alten Teilen der Pflanze ließen sich da wahrscheinlich höchst wichtige Schlüsse ziehen, die uns der wirklichen Erkenntnis des Kautschuks um ein Beträchtliches näher bringen könnten. Ich entsinne mich übrigens auch, daß bei Landolphia Kirkii die wirklich brauchbare Kautschuk liefernde Milch fast bis in die jüngsten Teile hinein steigt. Ich selbst habe aus den Fruchtschalen dieser Art im Hinterlande von Inhambane einen durchaus brauchbaren Kautschuk herausziehen können. Also auch diese Art dürfte, wenn es sich darum handelt, aus den jüngeren Teilen der Pflanzen Kautschuk zu gewinnen, einer Beachtung wert sein. Ich würde vorschlagen, zu diesem Zwecke eine größere Quantität der jüngeren Zweige mit ihren Blättern und Blüten zu einem Brei zu stampfen oder sonstwie stark zu zermalmen und dann vollständig zu trocknen. Zum Zwecke der Untersuchung wären mindestens 50 Pfund dieses Materials nötig. In Europa ließe sich dann mit Leichtigkeit der etwa in dieser Masse enthaltene Kautschuk auswaschen, und die Qualität und Quantität des gewonnenen Produktes wäre dann leicht festzustellen.

Man hat in letzter Zeit den Gedanken in Erwägung gezogen, ob sich eine vorteilhaftere Kautschukgewinnung ergeben könne, wenn von Kickxien oder Manihot Glaziovii die Rinde geschält würde und dann aus ihr, sei es an Ort und Stelle, sei es in Europa, der darin enthaltene Kautschuk gewonnen würde. Daß dieses Verfahren möglich ist, liegt auf der Hand. Ich bin auch der Überzeugung, daß, obgleich beim Abschälen der Rinde eine enorme Menge des Milchsaftes verloren gehen würde, die in derselben bleibende Quantität eine größere Menge Kautschuk ergeben würde, als man sonst bei einmaligem Anzapfen erhalten könnte. Aber hieße dies nicht den Raubbau, gegen den seit Jahren versucht wird, anzukämpfen, da man bereits zur Genüge kennen gelernt hat, welche Folgen er nach sich zieht, noch bedeutend unterstützen? Welcher Gewinn läge darin, wenn wir allerdings bei einmaligem Abschälen des Baumes eine große Quantität des erwünschten Produktes gewännen, während nach mehrjährigem vorsichtigen Anzapfen derselbe Baum eine bedeutend größere Menge desselben geliefert haben würde? Es kann uns doch nicht daran liegen, möglichst schnell eine bedeutende Kautschukproduktion zu erlangen, sondern vielmehr sollte es meiner Ansicht nach unser Bestreben sein, eine dauernde genügende Produktionsfähigkeit der Kautschukländer zu schaffen.