Der Bossassangasaft, der Saft verschiedener Cactusarten, der überall im Congo-Gebiet zum Koagulieren der Landolphiamilch verwendet wird, erwies sich, wie zu erwarten stand, als stark saurer Pflanzensaft (100 ccm Saft neutralisiert mit 19.75 ccm n/2 Alkali). Von diesen Säuren sind nicht ganz ein Fünftel mit Wasserdämpfen leicht flüchtig und zeigen den Charakter der Essigsäure, der nicht flüchtige Rest besteht aus hochmolekularen Säuren, sowie aus niedrigermolekularen vom Charakter der Oxalsäure, deren Kalksalze mit Chlorcalium aus dem Saft fallen. Die nähere Untersuchung des Saftes, erschwert dadurch, daß leicht Zersetzungen durch Schimmelpilze in dem ohne Zusätze transportierten Material eintreten, steht noch aus.

VII. Kapitel.
Die botanischen Ergebnisse der Expedition.

In den nachstehenden Zeilen habe ich versucht, eine kurze Schilderung der Vegetationsverhältnisse der von mir auf meiner westafrikanischen Reise durchzogenen Gebiete zu geben. Da diese Reise sehr beschleunigt werden mußte und vor allen Dingen die botanische Erforschung der Gebiete erst in zweiter Linie in Betracht kam, so ist es natürlich, daß manche Eindrücke, welche ich bei einem so flüchtigen Durchzuge gewonnen habe, nicht durchaus die richtige Beurteilung treffen werden. Um eine pflanzengeographische Skizze eines Gebietes aber geben zu können, dazu gehört meiner Ansicht nach mehr als ein Aufenthalt, der so kurz bemessen war, wie ich ihn leider nur hatte.

Unter den nördlicheren von mir bereisten Gebieten muß Togo vor allen Dingen das Interesse des Pflanzengeographen in Anspruch nehmen, da die Zone an der Küste und im Innern mehr Verschiedenheiten aufweist als die der angrenzenden Gebiete. Es wird eine interessante Frage in der Zukunft sein, zu erforschen, welche Ursachen die Steppengebiete in Togo so weit bis zur Küste vorgeschoben haben, während doch die Nachbargebiete mit Ausnahme eines Teiles der Goldküste einen viele Meilen breiten Urwaldgürtel an der Küste aufweisen. Die Kenntnis der Flora dieses Schutzgebietes liegt bei uns noch recht im Argen, und steht weit hinter jener zurück, welche wir bereits über die der Küstenländer von Kamerun erlangt haben.

Dem Reisenden, welcher von der Küste kommt, fallen drei verschiedene Vegetationszonen auf, welche in kurzen Abständen hintereinander folgen. Die erste dieser Zonen ist ein schmaler Buschsteppengürtel, welcher sich längs der Küste hinzieht, darauf folgt die gemischte Gras- und Baumsteppen-Zone, die durch das zum Teil bewaldete Agome- und Agu-Gebirge unterbrochen wird, und schließlich die Waldzone, welche aber keine regelmäßige Ausdehnung hat.

Pflanzungen der Victorianer-Neger auf dem Wege nach Kriegsschiffhafen.

Die Buschsteppe der Küste hat einen ausgesprochen xerophytischen Charakter und ist vor allen Dingen gekennzeichnet durch das Fehlen der Ölpalme und die auffallende Spärlichkeit der Gräser. An der Stelle, wo ich diese Zone durchschritten habe, wies sie nur eine Breite von etwa drei Marschstunden auf. Die Vegetation setzt sich zunächst nur aus mannshohen Büschen oder aus noch kleinerem Gesträuch zusammen. Nur hin und wieder zeigt sich ein verkrüppelter Baum, oder, wenn wir tiefer in diesen Buschgürtel eingedrungen sind, eine Säule, welche selbst den stärksten Stürmen Trotz bietet, ein Baobab (Adansonia digitata). Die Sträucher gehören vorzugsweise den Euphorbiaceen und Rubiaceen an, unter welch letzteren die Gardenia Thunbergia durch ihren sparrigen Wuchs und ihre stark duftenden, anfangs weißen, später gelblichen Blüten besonders ins Auge fällt. Nicht selten finden sich die fleischigen Zweige von Sarcostemma aphyllum R. Br. oder anderer Asclepiadaceen; dickstämmige Senecio-Arten winden sich über die Sträucher hin. Auch die Tiliaceen-Gattung Grewia in sehr sparrigen Formen zeigt hin und wieder ihre gelben Blüten im Verein mit stacheligen Akazien. Uns ist über die Flora gerade dieser Küsten-Buschsteppe noch recht wenig bekannt, da keiner der wenigen Sammler des Gebietes derselben Interesse entgegengebracht zu haben scheint. Ich selbst durchzog diesen Teil des Landes zu einer Zeit, als nach langer Dürre die mit Staub dicht bedeckten Gebüsche gar keine Blüten zeigten. Nach dem Regen sollen auch einige kleinere Kräuter auftreten, doch sind uns dieselben und ihre Verwandtschaften noch gar nicht bekannt.

Eine viel weitere Ausdehnung besitzt die zweite, die Gras- und Baumsteppen-Zone. Dieselbe begann auf meiner Reiseroute bei dem Dorfe Akeppe. Ölpalmen treten in dieser häufig auf. Vor allen Dingen aber charakteristisch für sie sind die weiten Glasflächen, welche mit einzelnen Bäumen bedeckt sind. Da wo die Läufe der nur periodisch fließenden Bäche es zulassen, haben sich wohl auch kleine Buschwaldgruppen gebildet, welche für den Botaniker stets eine Fülle interessanter Formen bergen. Ich bin fest davon überzeugt, daß sich die Flora dieser Grassteppen, wenn sie erst besser bekannt sein wird, als sehr reichhaltig erweisen wird. Außer einer Fülle von Gramineen und Cyperaceen finden wir hier besonders viele Scrophulariaceen. In kleinen Büschen leuchtet allenthalben das prachtvolle Cycnium camporum Engl. mit seinen großen weißen Blüten aus dem Grase hervor. Striga ist in mehreren Arten vertreten, unter denen besonders diejenigen mit scharlachroten Blüten unser Auge fesseln. Sopubia Dregeana bildet kleine Büsche mit Trauben rosenroter Blüten. Compositen sind nur schwach vertreten. Besonders sind es die Aspilien, welche uns mit ihren weißen oder gelben Strahlblüten auffallen. Hier und dort erhebt sich auch eine schlanke Coreopsis oder eine seltene Aedesia, die mit ihren langen, grasähnlichen Blättern bei oberflächlicher Betrachtung alles andere hinter sich vermuten läßt, als eine Composite. Nächst den Scrophulariaceen sind es die Rubiaceen, welche hier sich durch Formenreichtum auszeichnen, und unter ihnen besonders die Oldenlandien, von denen uns die verschiedensten Typen von der schlanken O. virgata W. bis zu der zierlichen O. Heynei Oliv. begegnen. Außerdem fallen dem flüchtig Durchreisenden noch Euphorbiaceen, Gentianaceen, kleine Leguminosen, besonders Cassia und Indigofera-Arten, sowie Malvaceen und Asclepiadaceen auf. Unter den letzteren finden sich einige Typen, die mit Formen der ost- und südafrikanischen Steppen verwandt sind. An Monocotyledonen fehlt es auch nicht. Vor allen Dingen müssen unter diesen die Orchidaceen erwähnt werden, welche mit ihren prachtvollen schlanken Blütenständen der Steppe zur Zierde gereichen; unter diesen sind es besonders Eulophia-Arten (E. cristata Stend. und E. dilecta Schltr.), welche sich auszeichnen. Selten lugt aus dem Grase eine weiß- oder grünblütige Habenaria oder an schattigeren Stellen eine Nervilia hervor. Zwei andere sogleich ins Auge fallende Pflanzen möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Die Anchomanes-Arten, welche durch ihre gefleckten, stachligen Stengel und die hellgrünen oder violetten Spathen auffallen, sind sehr verbreitet, obgleich sonst Araceen nicht zu den häufigeren Repräsentanten der Steppenfloren gehören. Eine andere auch nicht selten anzutreffende Pflanze ist die merkwürdige Tacca pinnatifida. Es würde mich zu weit führen, wollte ich hier in dieser kurzen Skizze alle die interessanten und schönen Pflanzen erwähnen, welche ich in jenen Steppen beobachtet habe.

Die Baumvegetation setzt sich vorzugsweise aus Leguminosen, Sterculiaceen, Euphorbiaceen und vor allen Dingen Combretum-Arten und Bassiastämmen zusammen.