Da, wo sich längs der Wasserläufe Buschwald gebildet hat. finden wir eine Flora, welche der der dritten Zone auffallend ähnlich ist. Nur eines ist mir in jenen Buschwäldern südlich des Agome-Gebirges aufgefallen, nämlich das vollständige Fehlen der Kickxia africana.
Wie ich schon oben erwähnte, hat die dritte Vegetationszone, die Urwaldzone, eine sehr unregelmäßige Ausdehnung. Diese Erscheinung ist wohl zum großen Teile auf die ausgedehnten Wald- und Grasbrände zurückzuführen, welche von den Eingeborenen gewohnheitsgemäß angesteckt werden, teils um das Wild aus seinen Verstecken hervorzujagen, teils um neuen fruchtbaren Boden für die Anpflanzungen zu gewinnen.
In diesem Walde finden wir eine ziemlich dichte Unterholzvegetation, so daß wir denselben fast als Buschwald bezeichnen müssen. Nicht selten ist der Boden über weite Strecken hin mit Alpinien, die häufig Manneshöhe erreichen, bedeckt. An lichteren Stellen gesellen sich zu diesen die Costus-Arten, und hier und dort läßt die Sanseviera ihre schön marmorierten, breiten Blätter aus dem Dickicht hervorleuchten. In der Bildung des Unterholzes spielen die Rubiaceen und Euphorbiaceen die Hauptrolle. Cissus-Arten, zierliche Asclepiadaceen und Apocynaceen und seltener Menispermaceen bedecken diese Büsche häufig vollständig; an den Stämmen aber winden sich die riesigen Lianen empor, welche ihren Blütenflor in den hohen Baumkronen entwickeln.
Der ganze Buschwald ist mehr oder minder dicht bestanden mit Kickxia africana und anderen kleineren Bäumen aus den Familien der Apocynaceen, Rubiaceen, Euphorbiaceen, Combretaceen etc. Diese wiederum werden überragt durch die Waldriesen, welche über sie noch ein Schutzdach bilden. Die letzteren setzen sich zusammen aus Leguminosen, Moraceen (Chlorophora), Euphorbiaceen und Combretaceen. Über die einzelnen Arten dieser Familien ist noch viel zu erkunden, da es sehr schwer ist, von ihnen Blüten und Früchte zu erlangen.
Dem Waldgebiet Togos ist dasjenige der Hinterländer von Lagos sehr ähnlich, doch bildet die Waldzone daselbst einen breiten Gürtel, welcher direkt an der Küste beginnt. Erst hinter diesem Gürtel erstreckt sich dann die Graszone in einer Entfernung von mindestens 60 km von der Küste. Die Flora des westafrikanischen Waldes ist auffallend arm an Formationsverschiedenheiten, es sei denn, daß solche durch hohe Gebirge oder sonstige klimatische Einflüsse in ihrer Entwickelung begünstigt werden. Auch in den Wäldern des Yoruba-Landes finden wir dieselben Pflanzen wieder, welche wir bereits aus Togo kennen gelernt haben. Häufiger sind daselbst die Leguminosen und Apocynaceen; statt der Kickxia africana Bth. ist Kickxia elastica Preuß verbreitet. Da die Urwaldkomplexe einen bedeutend größeren Umfang besitzen, haben sich mehr Baumriesen erhalten: vor allen Dingen sind Ceiba- und Bombax-Arten, sowie andere Sterculiaceen in riesigen Exemplaren verbreitet.
Das Grasgebiet, welches auf der von mir begangenen Route kurz vor Ibadan beginnt, zeigt einen mehr hügeligen Charakter als die Steppen von Togo, und häufiger als dort finden wir Unkräuter, welche wohl durch die Menschen über weite Regionen des Niger-Gebietes verbreitet sind. Zu ihnen zählen die verschiedenen Amarantaceen und Compositen, Acalypha-Arten, Malvaceen und Tiliaceen. Mit Ausnahme der wenigen aus dem Sudan bis in die Yoruba-Länder herabsteigenden Arten ist die Flora jener Steppen denen von Togo sehr ähnlich, aber entschieden erheblich ärmer an Arten.
Von dem Waldgebiete Kameruns habe ich nur die Gegenden am Kamerun-Gebirge kennen gelernt und dann die riesigen Wälder der Sanga-Ngoko-Region. Wie es bei einem Gebirge von derartigen Dimensionen vorauszusetzen ist, hat das Kamerun-Gebirge einen höchst bemerkenswerten Einfluß auf die Niederschläge jener Regionen, und diesen sowohl wie der Elevation des Terrains ist es zu verdanken, daß wir hier eine äußerst üppige Flora vorfinden, welche sehr reich an bisher noch nicht aus anderen Gegenden des Schutzgebietes bekannt gewordenen Arten ist. Vor allen Dingen ist es der Reichtum an Farnen und Epiphyten aller Art, welcher das Auge des Forschers hier entzückt. In den Regionen zwischen 1000 und 2000 m Höhe finden wir sogar Baumfarnen. Die Epiphyten gehören außer zu den Farnen (Polypodium, Aspidium, Davallia, Trichomanes, Hymenophyllum und den interessanten Platycerien) vorzugsweise den Orchidaceen an. Die in diesem Gebiete auftretenden epiphytischen Orchidaceen nehmen ihrer Zahl nach einen sehr umfangreichen Platz in der Zusammensetzung der Flora ein. Hauptsächlich sind es die Gattungen Angraecum (Mystacidium, Listrostachys), Bubbophyllum (Megadinium), Polystachya, Eulophia (1 Art), Ancistrochilus (1 Art) und Liparis, welche hier auftreten. In dem Humus der Wälder finden wir außerdem eine große Zahl terrestrischer, zum Teil saprophytischer Arten. Die Vegetation, welche sich im tiefen Schatten dieser Wälder verbreitet hat, besteht vorzugsweise aus Rubiaceen, unter denen die Poychotria-Arten eine sehr bedeutende Rolle spielen, aus Acanthaceen mit prachtvoll gefärbten Blüten. Dorstenien mit ihren eigenartigen Inflorescenzen, schattenliebende Gräsern und Cyperaceen stellen ein anderes umfangreiches Kontingent. Die sonst mehr oder minder epiphytischen Culcasia-Arten kriechen nur an feuchteren Stellen über weite Flächen am Boden hin und scheinen ein recht behagliches Dasein zu führen, aber seltener Blüten zu entwickeln. An felsigeren Stellen zeigen sich häufig kleine Scrophulariaceen und Cyrtandreen (Streptocarpus) und hier und da auch einige Labiaten (Coleus) und Begonien.
Längs der Gebirgsbäche finden wir vor allen Dingen eine äußerst üppige Flora. Nicht nur Epiphyten sind an den überhängenden Ästen und Zweigen der Bäume in besonders reicher Zahl anzutreffen, sondern auch eine große Zahl teils unter Wasser wachsender Pflanzen, unter denen besonders das prachtvolle Crinum natans mit seinen schneeweißen Blüten Erwähnung verdient. Höchst beachtenswert sind ferner jene Gewächse, welche während einer mehr oder minder kurzen Zeit im Jahre bei dem hohen Wasserstande von den Fluten erreicht werden. Zu diesen gehören außer Araceen, Cyperaceen und Urticaceen vor allen Dingen die prachtvollen Impatiens-Arten, welche in ihren Blüten interessante, an Orchidaceen erinnernde Formen aufweisen. Die Leguminosen, welche hier weniger reichlich vertreten sind, werden durch die Aeschynomeen- und Desmodium-Arten repräsentiert. Melastomaceen suchen die Ränder der Bäche mit Vorliebe auf, da sie dort die ihnen zusagende Feuchtigkeit und genügend Licht finden.
Die Urwaldbäume setzen sich aus ähnlichen Elementen zusammen wie die des Yoruba-Waldes, nur treten hier bedeutend mehr Arten hinzu, und die Entwickelung derselben ist eine üppigere. Besonders Leguminosen sind vorherrschend. Für den Botaniker liegt gerade in der Ermittelung der Urwaldbäume noch ein großes Arbeitsfeld vor.
Da in der Ngoko-Region meine Zeit durch andere Arbeiten sehr stark in Anspruch genommen war, konnte ich dort der Flora nicht die Aufmerksamkeit schenken, welche ich ihr gern entgegengebracht hätte. Nach meinen oberflächlichen Beobachtungen scheint sie der des Yaunde-Gebietes sehr ähnlich zu sein, doch treten bei ihr einige Arten hinzu, deren Hauptverbreitungsgebiet eigentlich in dem großen Urwalde des Congo-Beckens liegt. Zu diesen gehören hauptsächlich die auf die Flußränder und die, dem Congo-Becken eigenen, Sumpfwälder beschränkten Arten.