In Dünkirchen standen 2000 Franzosen zur Einschiffung bereit, um nach gelungener Landung übergeführt zu werden; für England wird diese Maßregel nicht erwähnt, ist jedoch wahrscheinlich: 1673 werden 6000 Mann angeführt und auch 1672 hatten die Franzosen Orders über „Zusammenwirken mit den englischen Landungstruppen“; jedenfalls befanden sich auf den englischen Transportern reichlich Soldaten. — Beide Flotten waren in 3 Geschwader zu je 3 Divisionen geteilt. Bei den Verbündeten führte der Herzog von York den Oberbefehl und die Mitte („Royal Prince“ 120 Kanonen), die Nachhut Montagu, Earl of Sandwich („Royal James“ 100 Kanonen); das französische Kontingent bildete unter dem Vizeadmiral Comte d'Estrées („St. Philippe“, 78 Kanonen) die Vorhut, der zweite im Kommando war Generalleutnant Abraham du Quesne[183] („Le Terrible“, 70 Kanonen). Bei den Holländern hatte Ruyter Oberbefehl und Mitte („7 Provinzen“ 82 Kanonen), Leutnantadmirale Bankers Vorhut, van Ghent Nachhut, hinzutraten Leutnantadmiral von Nes, 5 Vize- und 5 Kontreadmirale. Die Geschwader waren auf beiden Seiten etwa gleich stark; Ruyter hatte aber eine besondere Anordnung getroffen, wohl in der Hoffnung, den Feind zu Anker oder doch in Unordnung zu überraschen. Von jeder der 9 Divisionen waren 2 Kriegsschiffe und 2 Brander abgesondert; diese bildeten eine besondere Gefechtslinie, um einen Branderangriff in großem Maßstabe auszuführen, unter dessen Wirkung dann die Flotte angreifen sollte.

Der Verlauf der Schlacht: Die Küste bei Southwold läuft annähernd Nordsüd; die englisch-französische Flotte lag ihr parallel, die Vorhut am südlichsten. Noch am 6. Juni soll Montagu den Herzog von York auf die bei dem herrschenden Winde, frischer Ostnordost, gefährliche Lage aufmerksam gemacht haben, aber mit einer kränkenden Bemerkung, „übergroße Vorsicht“, abgewiesen sein. Auch sonst war man sorglos; am 5. war die Meldung eingegangen, Ruyter sei zur holländischen Küste zurückgekehrt, am 7. war ein Teil der Besatzungen mit Booten an Land, um Wasser zu holen. Da lief früh morgens eine französische Vorpostenfregatte mit vollen Segeln vor dem Winde ein; sie meldete durch Kanonenschüsse und Signale das Nahen des Feindes. Ruyter kam mit achterlichem Winde heran in zwei Dwarslinien, die erste durch die Branderdivision gebildet. (Skizze Lage 1); die Verbündeten mußten in größter Eile unter Segel gehen.

Schlacht bei Solebay. 7. Juni 1672.

Der Wind stand recht auf den Strand; dieser war so nah, daß es nicht möglich war, abzuhalten, um eine gute Linie zu bilden. Zum Glück war es flau oder flaute ab, so daß der holländische Angriff wenigstens nicht während des Ankerlichtens und Segelsetzens erfolgte; der so gut vorbereitete Branderangriff hätte sonst verhängnisvoll werden können. Der Herzog von York hatte Befehl gegeben, oder gab ihn jetzt durch Signal, über Backbord-Bug nach Norden zu liegen; Nachhut und Mitte verfuhren dementsprechend, die Vorhut (d'Estrées) dagegen ging über Steuerbord-Bug nach Südosten und trennte sich so von der Flotte. Ruyters Angriff war, wie üblich, so angesetzt, daß Geschwader auf Geschwader stieß, so griff Ruyter York und Ghent Montagu an; Bankers wandte sich gegen d'Estrées (Lage 2). Es wird gewöhnlich angenommen, daß Ruyter die englischen Geschwader mit Übermacht angegriffen habe; ich habe aber nirgend ausgesprochen gefunden, daß er zu diesem Zweck eine andere Einteilung seiner ursprünglich gleichstarken Geschwader vorgenommen habe. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die ganze erste holländische Dwarslinie, in der auch 6 Schlachtschiffe und 6 Brander der Vorhut standen, ihren Angriff auf die englischen Geschwader richtete, als das französische sich von seiner Flotte entfernte. Um diese Zahl war dann Bankers schwächer, Ruyter stärker und somit seinem Gegner gleich oder gar etwas überlegen, wenn auch seine Gesamtflotte schwächer als die des Feindes war.

Der Hauptkampf zwischen den Holländern und Engländern begann zwischen 7 und 8 Uhr morgens und wurde ein äußerst blutiger; Ruyter erklärte ihn später für den erbittertsten und hartnäckigsten seines Lebens. Wieder einmal ist leider der Verlauf nicht genau zu verfolgen, da die alten Quellen mehr die Schilderungen einzelner Vorfälle geben, er dürfte ungefähr folgender gewesen sein:[184] Die englische Nachhut (Montagu) hatte ziemlich gleichmäßig Anker gekappt, Segel gesetzt und so den Stoß des Feindes in guter Ordnung aufgenommen. Die englische Mitte, die zunächst in Verwirrung war, fand auch noch Gelegenheit, die Ordnung einigermaßen herzustellen — teilweise wurden die Schiffe durch Boote auf ihre Posten geschleppt —, da der Angriff Ruyters sich infolge der Flaute verzögerte. Bei dem Angriff stießen die entsprechenden Geschwader und Divisionen, Flaggschiffe gegen Flaggschiffe, ziemlich genau aufeinander, und es entspann sich ein laufendes Gefecht in größter Nähe, bei dem aber die Schiffe bald durcheinander trieben.

In dem Kampf der Vorhuten gewannen die Engländer die Oberhand; Ghent fiel und nun wurde, obgleich auch Montagu beim Verlassen seines brennenden Flaggschiffes ertrank, von verschiedenen Schiffen der holländischen Nachhut flauer gefochten, so daß eine größere Zahl der englischen Nachhutschiffe in den Kampf der Mitten eingreifen konnte. Hierdurch kam Ruyter in bedrängte Lage, bis der Vertreter Ghents dessen Geschwader aufs neue gesammelt heranführte und das Gleichgewicht herstellte. Nach einigen Stunden waren die kämpfenden Geschwader dem Strande immer näher gekommen und, mit den Sänden bei Lowestoft voraus, genötigt zu wenden. Der Wind frischte nachmittags etwas auf; dieser Umstand sowie das freiere Wasser gaben Gelegenheit, die Ordnung wieder besser herzustellen. Es geht aus der Beschreibung einzelner Kämpfe hervor, daß beide Gegner davon Gebrauch machten: bedrängte Schiffe oder Gruppen werden herausgehauen und zur Gefechtslinie zurückgeführt; es wird also darauf hingewirkt, eine entstandene Melee wieder zu entwirren. Das allgemeine Gefecht entbrannte dann wieder auf das heftigste, sich nun nach Süden hinziehend. Ruyter und wohl auch York strebten danach, sich den fechtenden Vorhuten zu nähern.

Der Kampf der beiden Vorhuten war ein Ferngefecht geblieben. Es ist nicht aufgeklärt, weshalb d'Estrées den Kurs nach Südosten gewählt hat. In England und Holland tauchte (wie gegen Beaufort 1666) der Verdacht auf, er habe geheime Instruktion gehabt, seine Flotte zu schonen; dieser Verdacht wird sogar von einzelnen französischen Autoren geteilt (Sue). D'Estrées selbst hat berichtet, er habe wohl überlegt so gehandelt, weil sein Gegner über Steuerbord-Bug herangekommen sei; er habe diesen angreifen, durchbrechen und sich mit York vereinigen wollen. Andere Berichterstatter (Augenzeugen) sagen, es sei für die französischen Schiffe, als am weitesten nach Lee liegend, zu schwer, wenn nicht unmöglich gewesen, den Kurs parallel mit dem nahen Strande durchzuhalten. Dieser Grund erscheint stichhaltig, ja, für die ganze Flotte wäre der St. B. Bug der richtigere gewesen, da er frei von der Küste führte und so auch Raum zum Manövrieren gegeben hätte. Bankers folgte den Franzosen auf Parallelkurs, führte aber ein Feuergefecht auf halbe Kanonenschußweite, scheinbar, um sie nur zu beschäftigen und von einer Wiedervereinigung mit York abzuhalten.