Die Lage der Niederlande war zu Ende des Jahres weit günstiger, als man bei Beginn des Krieges hätte erwarten können. Unter der kräftigen Führung Wilhelms von Oranien verweigerte jetzt die Republik die Annahme der Friedensbedingungen, die sie selbst früher angeboten hatte.

Die Schlachten bei Schooneveld am 7. und 14. Juni 1673.

Das Jahr 1673 brachte jedoch wieder einen Umschlag zuungunsten der Niederlande. Die Kriegsereignisse am Lande begannen in Westfalen. Der Große Kurfürst war nicht imstande, von hier aus der Republik Hilfe zu bringen, da ihn die Österreicher ohne Unterstützung ließen und die Niederlande die versprochenen Gelder nicht zahlten; die Macht Frankreichs und der Bischöfe war ihm überlegen, sein Land wurde verwüstet. Er schloß am 6. Juni mit den Franzosen einen Neutralitätsvertrag, wonach diese seine Lande räumten und 800000 Lire zahlten, um den geschädigten Provinzen wieder aufzuhelfen. Die Untätigkeit der Österreicher im Elsaß hatte auch hier die Franzosen frei gemacht und Condés Armee konnte gleichfalls zur Unterstützung Luxembourgs herangezogen werden. Die vereinigten Streitkräfte sollten nun die Provinz Holland angreifen und die Seestreitkräfte wiederum gleichzeitig eine Landung in dieser Provinz oder in Seeland bewerkstelligen. Zum Angriff der Provinz Holland von Utrecht und Geldern aus war auch eine große Zahl flachgehender, platter Fahrzeuge auf dem Zuidersee hergestellt — diese zeigten sich später völlig unbrauchbar —, Oranien sah sich deshalb genötigt, mit seinem Heere auch die ganze Ostgrenze der Provinz Holland zu besetzen und die Abwehr einer Landung wieder nur den Seestreitkräften zu überlassen. Auch die in Holland wohl noch gehegte Hoffnung, wenigstens mit England zum Frieden zu kommen, erfüllte sich nicht; der englische Kanzler erklärte im Parlament am 14. Februar mit Beziehung auf Holland: „Delenda est Carthago.“ —

So wurde denn am 10. März die Indienststellung von 48 tüchtigen Kriegsschiffen, worunter 36 zu 60–80 Kanonen, 12 Fregatten und 24 Brandern beschlossen; ein Geheimbeschluß von demselben Tage — nach de Jonge geheim, um auch den Feind zu einer weniger starken Rüstung zu verleiten — fügte noch 24 Schiffe und 12 Fregatten hinzu.

Wieder beteiligten sich nur Holland und Seeland an dieser Rüstung; Friesland und Gröningen waren durch den Landkrieg zu sehr mitgenommen und noch immer vom Lande her arg bedrängt; erst vor der letzten Schlacht dieses Krieges stellten sie einige wenige Schiffe.

Die Indienststellung wurde möglichst beeilt, die Kaperei und die Schiffahrt in den europäischen Gewässern aufs neue eingestellt, und Anfang Mai waren 31 Kriegsschiffe — darunter 4 zu 80 Kanonen, 3 zu 70–76, 9 zu 60–68 — 12 Fregatten, 18 Brander unter Ruyters Kommando segelfertig. Die Flotte bestand zunächst nur aus Schiffen der holländischen Kontingente, Seeland war infolge Geldmangels noch nicht bereit. Die Absicht war, wie im Vorjahre dem Auslaufen der englischen Flotte zuvorzukommen, und im besondern englische Häfen durch Versenken von großen, schwerbelasteten Fahrzeugen zu sperren.

Schon am 10. Mai erschien Ruyter vor der Themse und sandte sofort die Kontreadmirale van Nes und Vlugh mit 2 Schlachtschiffen, 6 Fregatten, 6 Brandern, sowie einigen kleineren Segeln stromauf, um 8 solcher Senkschiffe an zwei wichtigen Stellen des Fahrwassers zu versenken. Nebeliges Wetter hinderte das Vordringen, und am 13. zeigten sich beträchtliche englische Streitkräfte: nach Meldung hiervon zogen sich die detachierten Admirale auf Befehl zur Flotte zurück.

Ruyter und der Kriegsrat hatten beschlossen, das Versenken der Schiffe aufzugeben, weil es sich angesichts des Feindes nicht mit der nötigen Sorgfalt ausführen ließe, und mit der Flotte zur eigenen Küste zurückzukehren, da überraschende Unternehmungen überhaupt nicht mehr möglich erschienen. Man hatte erfahren, daß die Ausrüstung der Engländer in der Themse und in Portsmouth zu weit vorgeschritten und dem bisherigen Mannschaftsmangel abgeholfen sei; auch das Eintreffen der Franzosen mußte man erwarten.

Wohl ist es auffallend, daß die Flotte der Verbündeten nicht früher bereit gewesen ist, um gegen die holländische Küste zur Blockade und Landung vorzugehen, obgleich schon im Februar vom englischen Parlament die Mittel zur Ausrüstung bewilligt waren. Die Verzögerung scheint der Verwaltung zur Last zu fallen, die nach dem Ausscheiden des Herzogs von York als Lordhighadmiral nicht mehr besonders sorgfältig arbeitete. Die Franzosen sollen nicht geneigt gewesen sein, Brest zu verlassen, ehe die englische Flotte in See wäre. Nur der Energie des neuen englischen Oberbefehlshabers, Prinz Rupert, gelang es, durch Zusammenraffen aller fertigen Streitkräfte auf der Themse wenigstens den Vorstoß Ruyters abzuwehren. Auch hatte es der englischen Flotte an Seeleuten gefehlt; unmittelbar vor dem Erscheinen der Holländer waren aber verschiedene große Convois vor London eingetroffen, deren Besatzungen nun gepreßt wurden; die bevorstehende Ankunft dieser Convois war Ruyter unbekannt oder er hat sie verfehlt.