Wenn die Verbündeten eine Landung unternehmen oder der Republik ihre Hilfsquellen zur See völlig abschneiden wollten, so mußte ihre erste Aufgabe sein, Ruyters Flotte zu schlagen. Dieser wußte sich, wie im Vorjahre nach Verminderung der Flotte, zu schwach, die beiden Gegner auf offener See zu erwarten, zumal da er sich zwischen beiden befand. In Übereinstimmung mit dem Kriegsrat, dem Statthalter und den Generalstaaten beschloß er wiederum, eine Defensivstellung (bei Schooneveld oder etwas südlicher bei Ostende) einzunehmen, von hier aus den Feind zu beobachten, Landungsversuchen entgegenzutreten und nur unter günstigen Verhältnissen zu fechten. Er ging am 14. Mai nach Schooneveld zurück und führte in der Folge diese offensive Defensive (vgl. Seite [323]) meisterhaft durch.
Die nach und nach verstärkte holländische Flotte[189] bestand am 7. Juni aus:
| 5 | 9 | 20 | 8 | 10 | |
| 52 Schlachtschiffen: | zu 80–82 K. | 70–78 K. | 60–68 K. | 50–58 K. | 42–48 K. |
| 340–530 Mann | 320–420 Mann | 240–400 Mann | 230–280 Mann | 170–225 Mann | |
| 12 Fregatten: | 22–36 K. | 14 Avisojachten: | 4–12 K. | Brander: | 2–4 K. |
| 90–160 Mann | 25–34 Mann | 12–45 Mann |
mit im ganzen 3600 Kanonen, 18000 Mann.
Während der Ausrüstung erklärten sich die Admiralitäten von Holland bereit, mehr Schiffe zu stellen als ihnen zufiel, jedoch dann schwächer bemannt; bemerkenswerterweise lehnte Ruyter es ab und riet, überflüssige Mannschaft an Seeland abzugeben, wo Mangel herrschte: „Er wolle lieber weniger, aber in jeder Hinsicht tadellos ausgerüstete Schiffe führen.“
Die Flotte war in 3 fast gleichstarke Geschwader zu je 3 Divisionen geteilt[190]: Vorhut Leutnantadmiral Bankers, Vizeadmirale Evertsen und Star; Mitte Ruyter („7 Provinzen“ 82 Kanonen), Leutnantadmiral van Nes und Vizeadmiral de Liefde: Nachhut Leutnantadmiral Tromp „Gouden Leeuw“ 80 Kanonen), Vizeadmirale Sweers und Schram, Sweers war aber zur Zeit der ersten Schlacht noch nicht eingetroffen; zur 3. (Nachhut-) Division eines jeden Geschwaders trat noch ein Kontreadmiral.
Tromp war am 30. April wieder als Leutnantadmiral von Amsterdam angestellt. Wilhelm von Oranien hielt viel von ihm als treuem Anhänger seiner Partei, wie es schon sein Vater gewesen. Der Prinz hatte jedoch vorher dringend eine Versöhnung mit Ruyter verlangt und diese in seiner Gegenwart herbeigeführt. Die Ernennung Ruyters zum Leutnantadmiralgeneral war wohl gerade auch deshalb mit erfolgt, um ferneren Streitigkeiten mit Tromp vorzubeugen. Die beiden tüchtigen Admirale haben sich auch in Zukunft vertragen.
Die Flotte der Verbündeten hatte sich Ende Mai bei Wight vereinigt; am 29. Mai wurde sie von Karl II. und York besucht.
Sie bestand aus etwa[191] 81 Schlachtschiffen, 11 Fregatten und 34 (42?) Brandern.