Die Küste erstreckt sich Nordost-Südwest; der Wind war westlich, also günstig zum An- und Abstehen. Rupert rechnete, entweder den Feind zum Fechten von der Küste abzulocken, oder ihn zum Rückzug zwischen die Sände bewegen und dabei dann mit Brandern angreifen zu können. Zu diesen Zwecken zweigte er von allen Geschwadern[338] 35 kleinere Schlachtschiffe und Fregatten mit 10 Brandern ab, die vor seiner Schlachtlinie auf den Feind zuliefen und auf große Entfernung das Feuer eröffneten (dies erinnert sehr an Ruyter bei Solebay). Auffallenderweise waren diese vorausgesandten Schiffe keinem gemeinsamen Oberbefehl unterstellt; sie kamen in Unordnung heran und gingen in noch größerer auf ihre Flotte — jedes Schiff nach dem ihm zunächst befindlichen Geschwader — zurück, als Ruyter ihnen in voller Ordnung entgegentrat. Infolgedessen und auch wohl infolge längerer Fahrt in schwer zu haltender Dwarslinie war die englische Flotte nicht gut ausgerichtet, als gegen 1 Uhr mittags der holländische Angriff erfolgte. Tromp auf dem rechten, nördlichen Flügel stieß zuerst mit Rupert zusammen; beide Gegner gingen über Steuerbord-Bug an den Wind und es entspann sich ein heftiges Gefecht dieser Geschwader. Auch Ruyter ging mit Mitte und Nachhut (jetzt Bankers) an den Wind, um mit Tromp aufgeschlossen zu bleiben; das Gefecht wurde allgemein. Um 2 Uhr gab Ruyter durch Signal den Befehl zum Wenden, er wollte seinem Hauptplane entsprechend den Kampf in der Nähe der Küste halten.
Tromp wendete nicht, obgleich er den Befehl sogar noch durch eine Jacht erhielt. Er hatte sich wohl wieder festgebissen, bei seinem ehrgeizigen Charakter diesmal um so erklärlicher, da sein Gegner das englische Geschwader unter Rupert war. In dem Kampf der Hauptflotte durchbrachen Ruyter und Bankers die feindliche Linie; Ruyter brachte dadurch große Verwirrung in das Geschwader d'Estrées', Bankers jedoch war dem englischen Geschwader gegenüber weniger glücklich, sein Flaggschiff ward schwer beschädigt und seine Ordnung ging verloren. Ruyter nutzte deshalb seinen Erfolg nicht aus, sondern entsetzte Bankers und stellte zunächst die Ordnung wieder her. Auch dann nutzte er hier die günstige Lage des Gefechts nicht aus — verschiedene feindliche Schiffe waren abgeschnitten, der größere Teil der Feinde stand in Lee — sondern er führte die wiedervereinigte Mitte und Nachhut Tromp zu Hilfe (etwa 6 Uhr). Er sagte: „Das Wichtigste zuerst; es ist besser, dem Freunde zu helfen, als dem Feinde zu schaden.“ Tromps Geschwader war arg mitgenommen. Der Admiral selbst hatte zweimal sein Flaggschiff wechseln müssen, nach der Schlacht mußte er nochmals auf ein anderes übergehen; sein Vizeadmiral Schramm war gefallen. Gerade zu rechter Zeit kam Ruyter heran, so daß Tromp ausrief: „Kinder, da kommt unser Großvater (so wurde Ruyter von den Leuten genannt), uns zu helfen! Ich werde ihn auch nie verlassen, so lange ich lebe!“
Nach der Vereinigung mit Tromp wendete Ruyter mit der ganzen Flotte wieder nach Südwesten. Die Verbündeten folgten; sie scheinen aber, obgleich zu Luward stehend, den Nahkampf nicht mehr gesucht zu haben; die Dunkelheit trennte gegen 10 Uhr die Gegner. Ruyter ankerte etwa auf der Stelle, wo der Kampf begonnen hatte, die Verbündeten standen einige Seemeilen nach Norden hin von der Küste ab und gingen dann auch zu Anker.
Die Schlacht wurde bis in die neueste Zeit meist „unentschieden“ genannt, beide Teile schrieben sich den Sieg zu. An Schiffen haben, außer Brandern, scheinbar nur die Franzosen 2, die Holländer 1 (nach der Schlacht gesunken) verloren; die Beschädigungen waren etwa gleich; genommen wurde kein Schiff. Der Mannschaftsverlust ist unbekannt, der englische soll infolge der Überbemannung mit Landsoldaten der weit größere gewesen sein. Die Verbündeten rühmten sich, den Feind zum Rückzuge gezwungen zu haben, aber die neueren Autoren auch dieser Länder erkennen den Erfolg Ruyters an: Er hat einen überlegenen Feind angegriffen und ihm gleiche Verluste zugefügt; er hat für den Augenblick den Hauptzweck des Gegners vereitelt. Auch hat er sich keineswegs zu seinem Schutz zwischen die Sände zurückgezogen, sondern ist kampfbereit in See geblieben; daß er wieder auf seinem alten Platze ankerte, aber doch einige Seemeilen weiter seewärts, lag in seinem Hauptplane. Die Verbündeten haben seinen „Rückzug“ nicht gehindert und auch in den nächsten Tagen nichts unternommen.
Das Benehmen der Franzosen in dieser Schlacht wurde von den Engländern als vorwurfsfrei anerkannt. Nur die Verwendung der Brander ihrerseits tadelte man; Sie hätten zu früh mit mehr Mut als Überlegung angegriffen, ehe feindliche Schiffe genügend niedergekämpft oder doch bewegungslos gemacht seien.
Die zweite Schlacht bei Schooneveld, 14. Juni 1673. Beide Gegner besserten auf ihren Ankerplätzen aus. Die Holländer waren dabei im Vorteil; sie konnten Material vom Lande beziehen, die Verwundeten von Bord geben, Munition und Mannschaften ergänzen. Auch stießen an Stelle des verlorenen und zweier sehr beschädigten Schiffe (zu 60, 50 und 40 Kanonen) zwei Schlachtschiffe 1. Klasse (zu 84 und 82 Kanonen, eins davon mit Admiral Sweers, Geschwader Tromp), einige Fregatten und Brander zur Flotte, so daß diese fast genau die alte Stärke wieder hatte. Durch beständig am Feinde gehaltene Aufklärer erfuhr Ruyter, daß dem Gegner etwa 30 Segel fehlten, meist kleinere Kriegsschiffe und Brander, die zur Ausbesserung nach Haus gesandt oder verbraucht waren. Ferner waren die Holländer, dicht unter der Küste, kaum einem Angriff ausgesetzt und konnten mit Ruhe arbeiten und sich erholen, während die Verbündeten Tag und Nacht auf einen Angriff gefaßt sein mußten. Die Aussichten der Holländer standen also jetzt in allem günstiger als bei der ersten Schlacht und Ruyter beschloß, je eher je besser anzugreifen. Der 14. Juni wurde dazu angesetzt, falls die Windverhältnisse günstig; die Flotte war schon am 12. bereit, man mußte aber die Zustimmung angekündigter Staatendeputierter haben. Diese trafen rechtzeitig ein, und am festgesetzten Tage um 11 Uhr vorm. ging Ruyter bei frischem östlichen Winde unter Segel. Die Berichte über diese Schlacht sind nicht nur mangelhaft, sondern auch widersprechend; am wahrscheinlichsten scheint mir folgender Verlauf:[195]
Die Verbündeten wurden teilweise durch den Angriff überrascht. Rupert war zwar auf ihn gefaßt; da der Wind am 13. abends östlich geworden war, hatte er Vorbereitungen zum schnellen Untersegelgehen getroffen und war selbst die Nacht über aufgeblieben. Admiral Spragge war lässiger und begab sich sogar am 14. früh mit seinem Kontreadmiral an Bord des Flottenflaggschiffes; hier verweilte er zu lange oder konnte nicht schnell genug zurückkommen, als die Holländer erschienen.
Die Küste läuft Nordost-Südwest; der Wind war steif aus Ost, später Nordost; die Verbündeten lagen in Nordwesten der Holländer, das blaue Geschwader (Spragge) am meisten zu Luward. Rupert hatte jetzt mit dem roten Geschwader die Mitte übernommen; ob dieses Mal Engländer und Franzosen in den Geschwadern gemischt waren, ist unsicher. Die holländische Flotte kam in guter Ordnung heran, Tromps Geschwader führte. Rupert gab Befehl, Anker zu lichten und über Backbord-Bug die Linie zu bilden. Das rote und das weiße Geschwader führten den Befehl schnell aus; das blaue, das auf seine Flaggoffiziere wartete, verzögerte sich. Die Holländer sagen, die Gegner schienen zuerst den Kampf haben aufnehmen zu wollen, dann aber hätten sie nach Nordwesten[340] abgehalten. Es ist also anzunehmen, daß Rupert zuerst über Backbord beim Winde steuerte, entweder, um die Luvstellung zu gewinnen (holländische Quellen) oder um das noch ungeordnete blaue Geschwader zu decken (französische Quellen). Das erstere mißlang, da Tromp sofort auch hoch beim Winde steuerte, die Deckung wurde unnötig, weil Spragge sich noch rechtzeitig — wenn auch in Unordnung, es sollen Teile des blauen Geschwaders in die beiden anderen versprengt sein (französische Quellen) — auf seinen Platz vor dem roten Geschwader begab. Nun hielt Rupert ab, um den Feind von der Küste abzuziehen (englische Quellen).
Die Holländer folgten, das Feuer wurde auf weite Entfernungen eröffnet, aber erst zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags kam es zum ernsteren Kampf; sei es, daß Rupert sich jetzt weit genug von der Küste glaubte, sei es, daß Tromp das blaue Geschwader eingeholt hatte und Rupert nun genötigt war, den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen. Es ist klar, daß Tromp dem Gegner am nächsten sein mußte, und Spragge stand wohl auch noch immer etwas zurück. Jedenfalls kam um diese Zeit die Spitze Tromps mit Spragge ins Gefecht; aufeinanderfolgend griff Tromp selbst ein, Ruyter stieß mit Rupert und Bankers mit d'Estrées zusammen.
Vizeadmiral Sweers, der Führer der ersten Division Tromps, war mit seinem Flaggschiff („Weißer Elephant“, 82 Kanonen) und 3 Fregatten vorgelaufen. Er kam zuerst an den Feind und wurde so zugerichtet, daß er bald darauf das Gefecht verlassen mußte. Tromp legte dies als Mangel an Tapferkeit aus, eine Untersuchung ergab aber die schweren Verluste und Beschädigungen des „Elephant“ und Oranien legte den Streit bei.