England:60–62SchlachtschiffenundFregatten 28Brandern20–25
Transportern
und kleineren
Fahrzeugen
18 Jachten.
Frankreich:28–30
Verbündete:90 28
Holland:75 22

Die Klassen entsprachen dabei den früheren Verhältnissen, es waren aber jetzt 6 englische Schiffe über 90 Kanonen und 6 holländische über 80 Kanonen darunter.

Wieder waren auf der englischen Flotte etwa 7000 Mann Landungstruppen eingeschifft und trotz der schlechten Erfahrung im Juni auch wieder auf den Schlachtschiffen. 30000 Mann standen in England, besonders an der Themse, zum Einschiffen bereit und in Frankreich war gleichfalls ein Landungskorps aufgestellt. Die Geschwader und Divisionen wurden von denselben Flaggoffizieren wie im Juni geführt, nur war auf holländischer Seite Kontreadmiral den Haen an Stelle des gefallenen Vizeadmirals Schramm getreten und eine Division des französischen Geschwaders hatte der Generalleutnant de Martel übernommen — wie du Quesne ein alter, sehr tüchtiger Seeoffizier — die dritte behielt der Chef d'Escadre des Ardens. Das französische Geschwader bildete die Vorhut der Verbündeten, auf ausdrückliches Verlangen Ludwigs XIV. wie man sagt, auch focht es dieses Mal jedenfalls „unvermischt“.

Das nächste Zusammentreffen der Gegner sollte entscheidend für den Krieg werden, aber drei Wochen vergingen, ehe es stattfand. Ruyter ging am 29. Juli unter Segel, hielt sich in der Nähe der Küste und bekam den Feind am 30. abends in Sicht. Am 31. Juli und 1. August manövrierten die Flotten in Sicht voneinander, die Verbündeten waren bestrebt, den Gegner von der Küste abzuziehen. Ruyter aber hatte neue Nachrichten erhalten, daß in der Themse Kauffahrteischiffe zusammengezogen würden, und nahm an, daß Rupert ihn verlocken wolle, in den Kanal hinein zu folgen, damit dann in seiner Abwesenheit die Truppen von der Themse aus nach Holland hinübergeworfen werden könnten; er ging deshalb getreu seinem alten Plan nach Schooneveld zurück und der Feind kam am 1. August abends aus Sicht.

Die verbündete Flotte zeigte sich nun am 2. vor der Maasmündung, am 3. vor Scheveningen, am 4. vor Egmond, Helder und Texel, zuweilen leichte Schiffe nahe unter Land sendend. Die ganze Küste war alarmiert. Der Strand wurde durch Bürgerkompagnien der naheliegenden Städte besetzt, aber auch reguläre Truppen und Geschütze wurden herangezogen; ein berittener Meldedienst und ein Signalsystem wurden längs der Küste organisiert, um die ernste Bedrohung eines bestimmten Punktes weitermelden zu können. Am 4. August erschien der Prinz von Oranien von der Feldarmee selbst im Haag. Auch die Flotte wurde näher herangezogen; sie ankerte am 8. bei Scheveningen, und hier bat Ruyter um nähere Order. Seine bisherige, „den Feind anzugreifen, falls es zum Vorteil des Landes wäre,“ erschien ihm zu unbestimmt, der Übermacht des Feindes gegenüber war ihm die Verantwortung zu groß. Schon die Nähe seiner Flotte hatte ja bisher ernste Unternehmungen des Feindes gehindert; die Gefahr einer Landung war wesentlich abgeschwächt, weil man Zeit gehabt hatte, die bedrohten Punkte zu besetzen. Ruyter lag mithin wohl der Gedanke am nächsten, weiter in seiner abwartenden Stellung zu bleiben und seine Flotte nur im dringendsten Falle einzusetzen.

Aber Holland drohte noch eine andere Gefahr. Man erwartete die Heimkehr des großen ostindischen Convois durch die Nordsee zu jeder Stunde, und der Feind stand zwischen der eigenen Flotte und den dem Convoi nächstliegenden Häfen; das glückliche Einlaufen der Handelsschiffe sollte neue Mittel zur Weiterführung des Krieges liefern. Der Kriegsrat der Flotte sah wohl ein, daß dieser Umstand dafür spräche, alles zu versuchen, um den Feind von der Küste zu vertreiben. Die Generalstaaten traten gleichfalls hierfür bei dem Prinzen ein und ersuchten ihn, die schwachen Besatzungen der Schiffe durch ein Regiment Seesoldaten, das am Lande wohl für kurze Zeit zu einem entscheidenden Schlage auf See zu entbehren sei, zu verstärken.

Beratungen am Lande und auf der Flotte[198] — Oranien begab sich selbst am 12. August, stürmisch begrüßt, auf Ruyters Flaggschiff — führten endlich zu dem Beschluß, den Feind zur See je eher je besser anzugreifen, um die Küste freizumachen. Wieder sah das ganze niederländische Volk auf die Flotte als letzte Rettung; in allen Städten wurden tägliche Betstunden für den glücklichen Ausgang der bevorstehenden Seeschlacht abgehalten und man ordnete an, zum allgemeinen Gottesdienst zu läuten, sobald der Donner der Kanonen den Kampf der Flotte verkünde.

Am 13. August ging Ruyter unter Segel, um den Feind zu suchen, der unter Texel oder Vlieland liegen sollte. Die Windverhältnisse — sowohl Stille wie Sturm und im allgemeinen stets Gegenwinde — ließen nur geringen Fortschritt machen, da Ruyter sehr vorsichtig segelte: er war stets bestrebt, nahe der Küste zu bleiben, Beschädigungen zu vermeiden und seine Flotte gut beieinander und in Formation zu halten; mußte er doch bei dem für den Feind günstigen Winde jederzeit auf einen Angriff gefaßt sein.

Erst am 18. ankerte der Admiral wegen frischen Gegenwindes etwa 15 sm. südlich von Helder, zwischen Petten und Camperduin, und blieb hier, besseres Wetter abwartend, am 19. liegen; seine Vorposten hatten den Feind nördlich von Texel, gleichfalls vor Anker liegend, gesichtet. In diesen Tagen fingen die Franzosen einen Ostindienfahrer ab, der dem Convoi vorgelaufen war.

Der Verlauf der Schlacht.[199] Am 20. August lichtete Ruyter Anker und steuerte bei flauem östlichen Winde Nordnordost. Um 10 Uhr vormittags kam der Feind nördlich voraus in Sicht und hielt mit Kurs Südsüdost auf die Holländer zu, bestrebt, die Luvstellung zu halten oder zu gewinnen. Die Angaben über die Windverhältnisse dieses Tages sind nicht sicher; die alten und neuen Holländer sprechen nur von östlichem Winde, die neueren Engländer und Franzosen sagen, der Wind sei im Laufe des Tages nach Nordwest gegangen. Es ist dies ohne Bedeutung, der Wind scheint sehr flau gewesen zu sein, da die Schiffe zuweilen nur mit dem Strom trieben; nur bei flauem Winde auch konnte Ruyter so manövrieren, wie er tat.