Es kam an diesem Tage noch nicht zur Schlacht: Ruyter hielt zurück, weil einige Schiffe nicht auf Position waren; die Verbündeten, die nach übereinstimmenden Aussagen zwar den ganzen Tag die Luvstellung hatten, griffen nicht an, weil sich der Gegner stets nahe unter der Küste hielt. Ruyter wendete am Nachmittag wieder nach Süden, führte unter sorgfältigem Loten seine Flotte bis ganz dicht an den Strand heran und hielt dann nach Mitternacht wieder ab. Die Gegner folgten allen Bewegungen, aber stets in vorsichtig bemessener Entfernung von der Küste. Ruyters Manöver nun, gestützt auf seine Kenntnis des Fahrwassers und den geringeren Tiefgang seiner Schiffe sowie auf richtige Beurteilung der Wind- und Stromverhältnisse, hatten den Erfolg, daß er am Morgen des 21., als der Wind aus Ostsüdost auffrischte, zu Luward des Gegners stand — nur 2 Seemeilen von Land (zwischen Petten und Camperduin), so daß der Seeraum des Feindes nach Luward hin beschränkt war; er hatte seinen Gegner in der Dunkelheit ausmanövriert.
Als die Holländer jetzt mit vollen Segeln zum Angriff herankamen, wendeten die Verbündeten und erwarteten sie über Steuerbord-Bug beim Winde. Ruyter steuerte zunächst etwas nach Norden, wendete dann geschwaderweise, hielt kühn auf den Feind ab und legte sich ihm querab über St. B. Bug. Geschwader stand gegen Geschwader: Bankers gegen d'Estrées, Ruyter gegen Rupert, Tromp gegen Spragge; die Mitten und die Nachhuten der Gegner waren sich ziemlich gleich, Bankers jedoch war wesentlich schwächer als d'Estrées.
Die allgemeinere Annahme geht nämlich dahin, daß an diesem Tage auf Anordnung Ruyters das Geschwader Bankers nur aus 10 oder 12 Schiffen bestand, die beiden andern holländischen aus je 32 oder 33. Auf diese Weise war die Übermacht der Verbündeten bei Mitte und Nachhut ausgeglichen, während den 30 Franzosen eben nur 10 oder 12 Schiffe gegenüberstanden; Ruyter soll die Absicht gehabt haben, diesen Gegner nur zu beschäftigen. Nehmen wir dies vorläufig als zutreffend an.
Infolge der verschiedenen Art, mit der die Geschwaderchefs der Verbündeten den Angriff aufnahmen, entwickelten sich in dem ersten Abschnitt der Schlacht drei getrennte Gefechte:
D'Estrées steuerte hoch am Winde, um die Luvstellung zu gewinnen oder doch die Spitze des Feindes von Luward her zu dublieren — wie er später sagt, auf Anordnung Ruperts; Rupert hielt während des Gefechtes beständig ab, um den Feind von der Küste abzuziehen, damit dieser sich bei etwa umspringendem Winde nicht wieder ihres Schutzes bedienen könne; Spragge drehte bei, um möglichst schnell zum Kampf auf nächste Entfernungen zu kommen — er soll aus irgend einem Grunde persönlichen Haß auf Tromp gehabt haben und hatte seinem König versprochen, jenen tot oder lebendig zurückzubringen oder das eigene Leben zu lassen. Diese Gegner trieben natürlich schnell nach Lee (Lage 1 der Skizze). So mußten sich die Einzelgefechte der Geschwader bald voneinander örtlich trennen (Lage 2).
Bei dem Kampf der Vorhuten gelang es wirklich dem Führer der ersten französischen Division (Martel) vorzulaufen, zu wenden und die Holländer von Luward aus zu dublieren. Bankers aber erkannte die Gefahr. Er hielt sofort ab — scheinbar ehe Martel von Luv aus angriff, da dessen Schiffe infolge etwas umspringenden Windes lange in der Wendung liegen geblieben sein sollen —, lief mit seinen 12 Schiffen durch die in Lee gebliebenen 20 Franzosen, die in sich schlecht aufgeschlossen waren, hindurch und steuerte nach dem Gefechtsfelde der Mitten zur Unterstützung Ruyters. Das kurze Gefecht hier war sehr heftig gewesen, Bankers selbst entging nur knapp der Vernichtung durch einen mit hervorragendem Schneid geführten Brander, aber d'Estrées folgte nicht. Die Franzosen brauchten lange Zeit, „die Ordnung herzustellen und auszubessern“; tatsächlich hörte ihre Teilnahme an der Schlacht auf, obgleich Rupert versuchte, sie durch Signal heranzuziehen.
Schlacht bei Texel, 21. August 1673.
Von dieser Darstellung weichen die holländischen Angaben — alte wie neue — wesentlich ab. Sie erwähnen nicht, daß Bankers' Geschwader schwächer gewesen sei. Sie sagen sonst: Anfangs nahmen die Franzosen den Kampf mit Mut auf, dann zog sich d'Estrées nach einem Branderangriff zurück und mit ihm die meisten Schiffe, endlich auch Martel; die Franzosen brachen das Gefecht ab; Bankers ließ 8 Schiffe zu ihrer Beobachtung zurück und segelte mit den übrigen zu Ruyter.