D'Estrées war einer jener von der Armee übernommenen Offiziere, bis 1668 Generalleutnant und gleich als Vizeadmiral angestellt, tüchtig und tapfer, aber ohne jede seemännische Erfahrung. Von den alten Seeoffizieren, vor denen er einrangiert, wurde er natürlich scheel angesehen, und dabei stieß er sie durch hochmütiges Wesen vor den Kopf. So hatte ihm 1672 du Quesne weichen müssen, Martel hatte er gleich bei dessen Eintreffen im Juli 1673 durch Unterlassung zustehender Ehrenbezeugungen und später durch den Tenor in schriftlichen Befehlen beleidigt. Er war ferner in übergroßem Selbstbewußtsein unzugänglich für Ratschläge erfahrener Seeleute und mischte sich doch in technische Einzelheiten. Ein schlagendes Beispiel der Art sei gegeben, das auch ein Bild der Seegebräuche dieser Zeit zeigt, ehe sich ein Seeoffizierkorps voll ausgebildet hat: 1678 strandete d'Estrées mit allen 8 Schiffen seines Geschwaders in Westindien. Sein Flaggkapitän erzählt darüber: „Mittags hatte der Admiral mit den Steuerleuten das Besteck in die Karte eingetragen. Als ich in die Kajüte treten wollte, traf ich auf den weinend herauskommenden dritten Steuermann. Er sagte mir, er sei vom Admiral beschimpft, weil er mehr Abtrift angenommen habe als die anderen. Mir sagte dann der Admiral: der Lump läßt mich einen Kurs laufen, der Teufel weiß wohin.“ Naiv fügt der Flaggkapitän hinzu: „Da ich nicht wußte, wer recht habe, sagte ich nichts, um nicht einen gleichen Sturm auf mich zu laden.“ — Einige Stunden später ging das Geschwader auf einer Reihe von Felsen, den Avesinseln, verloren.
Einen Sieg der Holländer können wir also die Schlacht nennen. Alle die Umstände, die nach den beiden Schlachten von Schooneveld zugunsten der Holländer sprachen, treten hier in taktischer und strategischer Beziehung noch weit schärfer hervor: Die Verbündeten haben dieses Mal das Feld geradezu geräumt, weder in der Nähe des Schlachtfeldes geankert, noch eine Verfolgung auch nur scheinbar versucht; sie sind sofort nach der englischen Küste gegangen, um ihre vielen beschädigten Schiffe in Sicherheit zu bringen; ihr Mannschaftsverlust war wieder größer. Der strategische Erfolg der Schlacht war noch bedeutender. Nicht nur war wiederum die augenblickliche Gefahr einer Landung abgewendet, die Verbündeten gaben vielmehr den Plan, von der Küste aus in den Landkrieg einzugreifen, jetzt ganz auf. Wie wir gleich sehen werden, zeigten sich ihre Flotten nicht mehr auf dem Meere, so waren auch die niederländischen Häfen dem Handel wieder geöffnet; der ostindische Convoi kam glücklich ein, einige Schiffe waren den Engländern im Atlantik (bei St. Helena) in die Hände gefallen. Der moralische Einfluß des endgültigen Abschlagens der verbündeten Flotten ging noch weiter, er führte zum Frieden mit England; König Karl konnte das schon lange unpopuläre Bündnis mit den Franzosen nicht länger aufrecht erhalten, nachdem diese sich in den Augen seines Volkes als ungenügende, unzuverlässige, wenn nicht sogar verräterische Verbündete gezeigt hatten.
Die große Bedeutung, die diese letzte Schlacht haben würde, war in Holland allgemein erkannt. Wie angeordnet, strömte das Volk in den Kirchen zusammen, als der Donner der Kanonen in Amsterdam und ganz Nordholland den Zusammenstoß der Flotten meldete, und wohl aus vollem Herzen stieg das Gebet „um den Sieg des Vaterlandes und der gerechten Sache“ zum Himmel auf. Den Eindruck auf das englische Volk hatte Oranien vorausgesehen; als er am 12. August die Flotte besuchte, wies er die höheren Offiziere und die Besatzung des Flaggschiffes darauf hin, daß noch ein Erfolg zur See den Frieden mit England und damit eine wichtige Wandlung im Kriege bringen würde.
Der kleine Krieg gegen den Handel und in den Kolonien war gleichfalls zugunsten der Holländer ausgefallen. Wir wissen, daß sie den eigenen Handel in den nördlichen Gewässern verboten hatten; es wird ausdrücklich gesagt „im Kanal und Nordsee“, die fernen Meere werden dieses Mal nicht erwähnt. Die anfänglich untersagte Kaperei wurde im Herbst 1672 freigegeben und sofort lebhaft aufgenommen. Allein von Seeland, das wie stets darin voranging, liefen gegen 100 Fahrzeuge aus; sie machten reiche Beute, hatte sich doch der englische Handel in den letzten Jahren sehr gehoben. Während der Indiensthaltung der großen Flotte im Sommer 1673 aufs neue verboten, wurde das Auslaufen der Kaper im Herbst auch wieder erlaubt.
In Indien gelang es den Holländern, den Fortschritten der Franzosen wirksam entgegenzutreten. In Westindien griff 1673 ein kleines Geschwader, freilich ohne dauernden Erfolg, englische und französische Niederlassungen an. New York wurde den Engländern entrissen, diese nahmen die damals noch unwichtige Insel Tabago; die beiden Eroberungen wurden beim Friedensschluß zurückgegeben. Dagegen behielten die Engländer St. Helena als wichtigen Stützpunkt gegen die holländische Kapkolonie und für den Weg nach Indien. Die Insel war ursprünglich von Holland besetzt, fiel 1657 an England, wurde 1672 von Holland, aber schon 1673 wieder von England erobert (vgl. über Kolonien auch Kapitel XII).
Der weitere Verlauf des Krieges bis zum Frieden mit England (Westminster 19. Februar 1674) bringt keine wichtigen Ereignisse zur See mehr. Die holländische Flotte wurde schleunigst wieder schlagfertig gemacht und während dieser Zeit der Feind stets beobachtet. Erkundungen und Nachrichten von Kauffahrern ergaben, daß die verbündete Flotte infolge stürmischen Wetters und Gegenwindes erst Anfang September in die Themse eingelaufen sei, später, daß die englische Flotte abrüste und die französische nach ihren Häfen abgegangen wäre. In Holland beabsichtigte man zuerst, sobald als möglich in See zu gehen und den Convoi auf der Doggerbank zu erwarten; als man dann aber vermutete, dieser sei mehr oder weniger versprengt, wurde beschlossen, die Flotte vor die Themse zu senden, um so die einzeln zurückkehrenden Indienfahrer besser schützen zu können und zugleich dem Gegner und Europa zu zeigen, daß man schlagfertig geblieben sei.
Ruyter ging am 12. September in See, aber beständig stürmisches Wetter hinderte die Ausführung des Planes; die Flotte wurde mehrmals versprengt. Am 22. September wurde sie aufgelöst und der Winterdienst eingesetzt, dagegen gab man jetzt die Kaperei frei. Die einlaufenden Kriegsschiffe wurden mit Jubel und Ehren begrüßt; Ruyter und verschiedene Admirale erhielten Dotationen. Die Marine hatte aber auch ihre Pflicht getan; der Landkrieg mit Frankreich nahm jetzt eine andere Wendung, da die Truppen von der Küste und auch Mannschaften von der Flotte frei wurden. Wenn er auch noch vier Jahre dauern sollte, so waren doch die Niederlande bald nicht mehr der Schauplatz.
Oranien eroberte Naarden am Zuidersee (12. September); wie Muyden wichtig war zum Halten der durch die Überschwemmung geschaffenen Defensivstellung, so war es Naarden zu Offensivunternehmungen, die jetzt von hier aus ins Werk gesetzt wurden. Die Franzosen hielten nicht lange mehr stand, sie waren auch sonst bedroht. Infolge ihres Auftretens im Deutschen Reich, Verletzung der Neutralität in verschiedenen Gebieten, mußte der Kaiser endlich Ernst machen und auch Spanien raffte sich auf; um noch rechtzeitig seine Niederlande vor der Eroberungspolitik Ludwigs XIV. zu sichern. Der Kaiser und Spanien schlossen am 30. August 1673 ein Bündnis mit Holland.
Ludwig versuchte jetzt unter milderen Bedingungen mit der Republik Frieden zu schließen und gab seine Pläne hier vorläufig auf, um den Krieg mit dem Hause Österreich in Deutschland und Spanien durchführen zu können; Holland weigerte sich.