Montecuculi kam den Rhein herab, um Oranien die Hand zu reichen; dieser drang nach Belgien ein und vereinigte sich, durch ein spanisches Korps verstärkt, bei Andernach mit den Österreichern. Gemeinschaftlich eroberten sie Bonn (12. November) und mehrere Festungen am Unterrhein; sie drohten so, den Franzosen den Rückzug abzuschneiden. Ludwig XIV. gab deshalb auf Rat Turennes die gefährliche vorgeschobene Stellung in den Niederlanden auf, seine Truppen räumten schleunigst die Provinzen Utrecht und Geldern — nicht ohne diese noch gründlich zu brandschatzen; Marschall Luxembourg brachte[352] nur mit Mühe seine Armee an Montecuculi und Oranien vorbei in Sicherheit. Auch die Bischöfe räumten Oberyssel; das Gebiet der Niederlande war frei vom Feinde.

Der Krieg mit England, und damit der eigentliche Seekrieg, kam bald zu Ende. Von Holland angeknüpfte Verhandlungen wurden von Spanien unterstützt. Dieses drohte bei weiterem Kriege sein friedliches Verhältnis mit England abzubrechen; wenn man nun hier auch diesen Gegner nicht hoch einschätzte, so fürchtete man doch, daß dadurch dann der eigene blühende Handel mit Spanien den Niederlanden zufallen würde. Aber auch sonst war schon länger, wie bereits angedeutet, die Volksstimmung für die Holländer und gegen die Franzosen. Jene hatten sich als brave und tüchtige Gegner die Sympathie erworben, diese waren mindestens unzuverlässige Verbündete gewesen; außerdem regte sich immer mehr der protestantische Geist und das Mißtrauen gegen den König und seine Partei mit ihren Plänen hinsichtlich der inneren Politik. Endlich fürchtete man einen neuen Wettbewerb des Seehandels Frankreichs, dessen Aufblühen durch zu großes Schwächen der Republik begünstigt werden würde, mehr als den alten mit Holland. Als Karl II. im Januar 1674 neue Mittel für Rüstungen verlangte: „nur um dadurch den Frieden schneller herbeizuführen“, erwiderte das Haus der Gemeinen einstimmig, es würde nur dann Gelder bewilligen, wenn Holland billige Friedensbedingungen ausschlüge. In Holland hatte man zwar für das Jahr 1674 die Ausrüstung einer sehr starken Flotte — 84 Schlachtschiffe über 40 Kanonen usw. — beschlossen, was wohl auch einen Druck auf Beschleunigung der Verhandlungen ausüben sollte und auch ausübte, man war aber doch sehr zum Nachgeben bereit. So mußte auch Karl sich fügen und am 19. Februar 1674 wurde der Frieden in Westminster geschlossen.

Wie viel Holland am Frieden lag, zeigen die Bedingungen, die immer noch sehr günstig für England waren, wenn sie auch bei weitem nicht den von Karl früher geforderten entsprachen: Holland mußte auf für England vorteilhafte Vereinbarungen über den Handel in Ostindien eingehen und die während des Krieges wiedergenommene Kolonie New York (von nun ab für immer) zurückgeben; 2 Millionen Gulden an Karl zahlen und vor allem das Flaggenrecht in ausgedehntem Maße anerkennen. Sogar die in England geworbenen Regimenter blieben beim französischen Heere; sie wurden nur auf den Aussterbe-Etat gesetzt, ihre Mannschaft durfte nicht weiter ergänzt werden.

Das Flaggenrecht wurde strenger und genauer festgesetzt. Der Flaggengruß (Seite [229]) wurde jetzt von allen holländischen Kauffahrern, Kriegsschiffen und Flotten jedem englischen Kriegsfahrzeuge gegenüber in den englischen Gewässern verlangt. Da der Umfang dieses Machtbereichs in den früheren Verträgen unerörtert geblieben war, wurde er jetzt auf das uns bekannte weite Gebiet (Seite [189]) festgesetzt. Auch wurde jetzt besonders betont, daß Holland damit Englands Vorherrschaft zur See anerkenne, während nach dem zweiten Kriege gesagt war, der Gruß gelte der „Majestät“ des Königs.

So endete der für lange Zeit letzte Krieg zwischen England und Holland. Die Beziehungen der beiden hartnäckigen Gegner wurden bald noch inniger durch Abschluß eines Handelsvertrages (Dezember 1674) und durch die Verheiratung Wilhelms von Oranien mit Maria von York, der ältesten Tochter des späteren Königs Jakob II. Infolge dieser Heirat wurde Oranien, schon durch seine Mutter ein Enkel Karls II., neben Maria König von England (1688).

Mit dem Frieden zwischen England und Holland hört der weitere Krieg Frankreichs und Hollands auf, ein großer Seekrieg zu sein. Diese beiden Länder führten jetzt vorwiegend einen Landkrieg. Zusammenstöße zur See fanden fast nur in fernen Gewässern statt; sie sollen unter „Kolonien“ (Kapitel XII) oder unter „Nebenkriegen“ (im nächsten Kapitel; insbesondere Ruyters letztes Auftreten bei Stromboli und Agosta) angeführt werden. Der weitere Krieg brachte aber England noch unmittelbar große Vorteile, da ihm während seiner Dauer der europäische Zwischenhandel Hollands größtenteils zufiel.

Bemerkenswertes im dritten Kriege.[201] Beim Material ist zwar keine große Änderung in der Anzahl der Schiffe eingetreten, aber es sind doch Fortschritte zu verzeichnen. Auf beiden Seiten hat sich die Vertretung der Klassen in der Gesamtzahl der Schiffe nicht unbedeutend verschoben. Die Hauptkraft der Engländer liegt jetzt in Schiffen von 50–60 Kanonen und in den ganz schweren über 80 Kanonen. Die alte Überlegenheit der englischen Flotte in ihrer Bestückung ist durch die Vermehrung dieser schwersten Schiffe noch gewachsen, da diese auch das schwerste Kaliber führen, das Holland gar nicht besitzt. Die Hauptkraft der Holländer liegt in Schiffen von 60–70 Kanonen, die aber, wie wir wissen, artilleristisch nicht viel mächtiger als englische 50–60 Kanonen-Schiffe sind; die Franzosen haben bei der Gründung ihrer Marine besonders 60–70 Kanonen-Schiffe und solche über 80 Kanonen gebaut — diese letzteren treten allerdings nicht auf. Wir rechnen zwar zu den Schlachtschiffen noch immer alle Schiffe über 40 Kanonen, aber die zu 40–50 Kanonen haben bei Engländern und Holländern in den Flotten sehr abgenommen, bei den Franzosen sind sie überhaupt nicht vorhanden. Dagegen ist die Zahl der Schiffe mit 20–40 Kanonen — bei den Holländern und Franzosen schon ausdrücklich „Fregatten“ genannt — nicht zurückgegangen, die der noch kleineren (in Holland Advisjachten genannt; von 1674 an werden statt ihrer meist „Snauwen“ erwähnt: Fahrzeuge mit 8 Kanonen, 36 Mann, Kuttertakelage) ist sogar wesentlich gestiegen. Man ersieht daraus, das einerseits von dem Schlachtschiff (Linienschiff) immer mehr Gefechtskraft verlangt wird — die Linie wird dadurch mächtiger und auch schon etwas kürzer —, daß anderseits dem Aufklärungs- und Meldedienst mehr Wert beigelegt wird.

Wir haben früher gesagt (Seite [168] u. [171]), der Fortschritt in der Artillerie läge in der Zeit des dritten Abschnittes mehr in der planmäßigen Bestückung der Schiffe als in der Verbesserung der Waffe selbst. Im dritten Kriege haben wir nun die auffallende Erscheinung, daß trotz schärfster Aktionen in nächster Nähe der Verlust an Schiffen weit geringer ist als in den beiden ersten Kriegen; die Artillerie muß also mit dem Fortschritt im Schiffbau nicht Schritt gehalten haben. Ein Hauptfortschritt im Schiffbau ist in diesem Zeitabschnitt ja ebenfalls die Durchführung einer Klasseneinteilung, aber die Schiffe selbst wurden doch auch besser gebaut. Die Möglichkeit, taktische Manöver besser durchzuführen, spricht ferner für größere Segelfähigkeit der Schiffe; endlich ist es nicht unwahrscheinlich, daß, wenn die Winterruhen noch immer lange innegehalten werden, dieses mehr eine Folge alten Brauches als der ungenügenden Seefähigkeit der Schiffe ist.