Einen weiteren Fortschritt in der Kriegführung der Holländer, der wesentlich zur erfolgreichen Durchführung ihrer Strategie beitrug, zeigt der vervollkommnete Aufklärungsdienst (übrigens auch von den Engländern mehr als bisher gepflegt). Durch Agenten und Erkundungen ist man über den Stand der feindlichen Rüstungen unterrichtet; während des ganzen Krieges, besonders auch gleich nach jeder Schlacht, sind Aufklärungsschiffe oder kleinere Geschwader am Feinde, um seine Bewegungen zu beobachten. Die Holländer waren so vor Überraschungen sicher, konnten selbst überraschend auftreten (Schooneveld II; Solebay) und waren imstande, Demonstrationen an der feindlichen Küste zu unternehmen, wenn der Gegner die See geräumt hatte. Diese Beunruhigungen sowie der Beschluß zur Ausrüstung einer sehr starken Flotte für 1674, obgleich schon Friedensunterhandlungen mit England schwebten, zeigen auch die energischere Kriegführung des schwächeren Hollands und haben zur Beschleunigung des Friedensschlusses beigetragen.
Auch im kleinen Kriege war Holland im Vorteil. Sein Handel war in Gewässern, in denen er gefährdet war, eingestellt; seine Kaper machten reiche Beute. Daß in beiden Jahren die wertvollen Ostindienconvois nach siegreichen Schlachten glücklich einkamen, ist ein lehrreicher Beitrag zur Beurteilung des Kreuzerkrieges (vgl. Seite [305]).
Eine Zusammenstellung der Hauptereignisse möge vorstehende Betrachtungen belegen und nochmals veranschaulichen, in welcher ruhmreichen und wirkungsvollen Weise die holländische Marine unter schwierigen Verhältnissen in den Krieg eingegriffen hat:
Frühjahr 1672 Krieg mit Frankreich und England unvermeidlich, dennoch nur die Indienststellung von 40 Schiffen beschlossen. 23. März greifen die Engländer den Smyrnaconvoi an; nun Ausrüstung von 96 Schiffen angeordnet, aber die Ausführung, außer in der Provinz Holland, saumselig; 7. April Kriegserklärung.
15. Mai Ruyter an der englischen Küste; zurück, da die feindlichen Flotten schon vereinigt; 23. Mai Ruyter vor der Themse; nach Ghents Vorstoß, auf Wunsch de Witts unternommen, zurück. 29.–31. Mai vergebliche Versuche der Verbündeten, die holländische Flotte von ihren Küsten abzuziehen.
7. Juni überrascht Ruyter (75 Schiffe) den Feind (87 Schiffe) bei Solebay und geht unverfolgt zurück: hierdurch die Gefahr einer Landung in Holland zur Zeit der höchsten Not abgewehrt. Die Flotte, auf 59 Segel herabgesetzt, wird an der Küste gehalten; die Verbündeten, 13.–20. Juli in Sicht, wagen keine Landung, werden durch Sturm zerstreut und räumen für dieses Jahr die See. Ruyter holt den Indienconvoi ein; Kaper in Tätigkeit.
Zu Lande im Juli die Deiche durchstochen, um die Provinz Holland zu halten. Brandenburg und Österreich schreiten ein und die Niederlande erhalten Luft; Luxembourgs Einfall im Dezember schlägt fehl.
1673 Brandenburg und Österreich treten zurück, die Niederlande aufs neue arg bedrängt; wiederum droht eine Landung. 10. Mai versucht Ruyter, die Themse zu sperren; durch Prinz Ruperts Tatkraft vereitelt. 29. Mai verbündete Flotten vereinigt, haben Truppen an Bord und weitere stehen bereit; sie erscheinen 1. Juli an der holländischen Küste (91 Schiffe). Am 7. Juli ihr Angriff mit Brandern bei Schooneveld (erste Schlacht) durch Ruyter (64 Schiffe) abgeschlagen; 14. Juni greift Ruyter überraschend an (zweite Schlacht), die Verbündeten laufen in die Themse ein.
3.–13. Juli Ruyter vor der Themse, dann in seiner Defensivstellung. Die Verbündeten erscheinen Ende Juli: Truppen an Bord, eine „Armee“ zur Überführung bereit; sie versuchen am 31. August und 1. September vergeblich, die holländische Flotte in den Kanal zu ziehen und bedrohen dann die Küsten (90 Schiffe). Ruyter (75 Schiffe) geht zum Angriff vor, um dem Indienconvoi die Einfahrt frei zu machen. 21. August sein Sieg bei Texel: Verbündete zur Themse, Franzosen bald nach Brest; sie geben den Landungsplan endgültig auf. Ruyter zu Demonstrationen in See, der Convoi läuft glücklich ein.
19. Februar 1674 Frieden mit England.