Am 21. landete d'Estrées etwa 1000 Mann, stellte Geschütze auf einem Hügel auf und beschoß, allerdings ohne großen Erfolg, Fort und Schanze; das Geschwader blockierte die Bucht und lotete das Fahrwasser aus. Nach Ansicht Binckes' würden die Franzosen Erfolg gehabt haben, wenn sie den Hauptwert auf die Eroberung des Forts gelegt, dazu das Landungskorps durch Ausschiffen nach Möglichkeit verstärkt und die holländischen Schiffe nur beschäftigt hätten. So aber ordnete d'Estrées, wieder seemännischem Rate unzugänglich, für den 3. März einen gleichzeitigen Angriff zu Lande und zu Wasser an. Der Angriff wurde mit großem Mute durchgeführt, erreichte aber den Zweck nicht. Am Lande können die Franzosen kaum die nötige Übermacht gehabt haben, um eine feste Stellung zu nehmen. Außerdem griffen sie — gegen den Befehl — zu früh und an einer anstatt an mehreren Stellen an. Ein dreimaliger Sturm wurde mit großen Verlusten (200 Tote, viele Verwundete), darunter der Führer und fast alle Offiziere, abgeschlagen. Das Landungskorps mußte sich während der Nacht zurückziehen und wurde später in einer benachbarten Bucht wieder eingeschifft.

Die französischen Schiffe segelten in zwei Kolonnen auf die Rhede und legten sich längsseit der Holländer, teilweise Bord an Bord. In einem hartnäckigen Kampfe verbrannten sämtliche holländischen Schiffe bis auf 2 Linienschiffe und 1 Fregatte, die sich aber entmastet und leck auf den Strand setzen mußten. Jedoch auch auf französischer Seite flog das Flaggschiff mit seinem Gegner zugleich auf, ein zweites Linienschiff verbrannte, zwei andere und der Brander gerieten auf Strand, die übrigen wurden schwer beschädigt, 3 Kommandanten fielen. Gegen Abend zog d'Estrées die Schiffe aus dem Feuerbereich der Befestigungen; zwei größere Linienschiffe wurden noch 2 Tage durch den Gegenwind in Tragweite der feindlichen Geschütze zurückgehalten und wechselten Schüsse mit diesen. Auch dieser Angriff war mit Bravour ausgeführt, aber es wird darüber geklagt, daß die Offiziere die brennenden Schiffe zuerst verlassen hätten. In den nächsten Tagen zerstörten die Holländer die französischen Schanzen und nahmen die gestrandeten und verlassenen Schiffe in Besitz; ein Versuch d'Estrées', diese Fahrzeuge und den Rest der holländischen durch einen neuhergerichteten Brander zu zerstören, mißlang (11. März); er verließ Tabago.

Der Angriff auf Tabago, 3. März 1677.

Der Gesamtverlust der Franzosen betrug über 1500 Mann, der der Holländer 350 Tote und Verwundete; trotzdem wurde in Paris eine Siegesdenkmünze geprägt.

Der Angriff war also abgeschlagen; infolge großer Verluste und der schweren Beschädigungen seiner Schiffe mußte d'Estrées nach Frankreich zurückgehen, ohne weiteres in Westindien zu unternehmen. In Holland beschloß man, sofort Verstärkungen nach Tabago zu senden. Geldmangel verzögerte die Ausrüstung, obgleich man hörte, daß auch Frankreich eine neue Expedition für Westindien rüste, der Winter kam dazwischen; als ein kleines Geschwader endlich die Antillen erreichte, war die Insel gefallen.

Schon im Oktober 1677 war d'Estrées mit 13 Linienschiffen und Fregatten wieder ausgelaufen. Er bemächtigte sich zunächst der holländischen Besitzungen in Senegambien (Gorée, Pertudal, Joal u. a.) und segelte dann nach den Antillen, wo er durch 12 Flibustier verstärkt wurde. Am 6. Dezember erschien er vor Tabago, wo nur 2 holländische Kriegsschiffe lagen; diese wurden blockiert und 1500 Mann gelandet. Binckes verfügte nur über 350 gesunde Soldaten und mußte sich ganz auf die Verteidigung des Forts beschränken. Am 11. eröffneten die Franzosen aus Belagerungsbatterien das Feuer, schon die dritte Bombe sprengte das Pulvermagazin auf, wobei Binckes und mehrere Offiziere umkamen. Das Fort wurde erstürmt, die Niederlassung verwüstet, die Schiffe verbrannt. Weiter aber erreichte d'Estrées nichts. Als er nach einigen Monaten Ruhe in Martinique im Frühjahr 1678 aufbrach, um Curaçao anzugreifen, erfolgte die schon erwähnte Strandung seines Geschwaders auf den Aves-Inseln (Seite [349]). Auch bei dieser Gelegenheit verließen (nach französischen Angaben) Admiral, Kommandanten und Offiziere die gefährdeten Schiffe und gaben die Mannschaften dem Untergange preis. D'Estrées kam (französische Angabe) der französischen Marine teuer zu stehen, wurde aber trotzdem wegen der „Eroberung von Tabago“ zum Marschall ernannt.

Der Krieg im Mittelmeer 1675–1678[207] (Stromboli, Agosta, Palermo). Ludwig XIV. hatte also nach dem Austritt Englands aus dem Bündnis den Entschluß gefaßt, seine Seestreitkräfte hauptsächlich im Mittelmeer zu verwenden; dementsprechend wurde im Frühjahr 1674 von den Häfen am Ozean ein Geschwader von 10 Schiffen unter dem Chef d'Escadre Valbelle nach dem Mittelmeer gezogen. In Toulon waren die Galeren und eine Hochseeflotte — vorläufig 8 Linienschiffe, 2 Fregatten, 4 Brander, aber nach und nach beträchtlich vermehrt — in Dienst gestellt. Den Oberbefehl führte Graf de Vivonne (Bruder der Montespan), General der Galeren — der Posten des Vizeadmirals der Levante war nicht besetzt; unter ihm befehligten auf der Hochseeflotte Generalleutnant du Quesne als Vizeadmiral und Chef d'Escadre de Preuilly als Kontreadmiral. Die Hochseeflotte und das Geschwader vom Atlantik trafen sich (Anfang Sommer) in Tanger, um den Hafen von Cadiz zu forcieren und die dort liegenden spanischen Kriegsschiffe zu zerstören, wie es früher die Engländer und Holländer auch getan hatten. Dieser Plan wurde jedoch aufgegeben, „weil die Spanier davon Kenntnis erhalten“ — du Quesne und Valbelle sollen den Angriff bei den gegen früher sehr verstärkten Befestigungen für untunlich erachtet haben. Vivonne ging nach Toulon zurück und von dort an die Küsten von Rousillon und Catalonien zur Unterstützung des Landkrieges — Schutz französischer (z. B. Collioure), Angriff spanischer Seestädte; Festhalten der spanischen Seestreitkräfte —, wir haben die Flotte oder Teile davon bei Tromps Operationen vor Barcelona und Rosas gesehen.