Ihre Hauptverwendung sollte die französische Flotte aber in dem Kampf um Sicilien finden. Die Stadt Messina, damals etwa 80–100000 Einwohner, hatte sich gegen Spanien erhoben, den Vizekönig verjagt und bat nun Ludwig um Unterstützung. Dieser ging gern darauf ein: Der Aufstand auf der Insel zog Spanien vom Kriege gegen ihn ab; Frankreich gewann, wenn es in Sicilien Fuß faßte, einen wichtigen Stützpunkt für Unternehmungen gegen Italien und für die Herrschaft im Mittelmeer überhaupt. Infolgedessen sahen wir im September 1674 französische Seestreitkräfte eine spanische Flotte vor Rosas festhalten, die die Truppen nach Sicilien überführen sollte. Vor allem aber war es wichtig, dem schwerbedrängten Messina Lebensmittel zuzuführen. Valbelle brachte Ende September mit 6 Kriegsschiffen und 3 Brandern ein großes Getreideschiff unbehindert hinüber. Das Erscheinen der Holländer unter Tromp hatte inzwischen die spanische Flotte freigemacht, sie gelangte wohlbehalten nach Messina, und die Belagerung ward mit aller Kraft aufgenommen. Valbelle ward deshalb aufs neue hinübergesandt; er führte nur außer Getreideschiffen 500 Soldaten zur Verstärkung der Stadtbesatzung mit sich. Dieses Mal fand er hinter der Straße von Messina (am 30. Dezember) die spanische Flotte, Hochseeschiffe und Galeren. Er wartete günstige Wind- und Stromverhältnisse ab und lief am 3. Januar 1675 durch die Straße und in den Hafen ein, ohne daß die Spanier ihm entgegentraten; kleine Batterien, die Straße und Einfahrt bestrichen, waren leicht zum Schweigen gebracht worden. Es war die höchste Zeit für Ankunft dieser Unterstützung, die Stadt war fast ausgehungert; die Verteidigung erhielt nun neues Leben, die Belagerung ward lauer; die spanische Flotte machte nur einen erfolglosen Nachtangriff mit Brandern und Booten auf die französischen Schiffe.

Messina stellte sich jetzt unter den Schutz Frankreichs, und im Februar führte Vivonne, zum Vizekönig von Sicilien ernannt, eine mächtigere Unterstützung heran. Mit 9 Linienschiffen, 1 Fregatte und 3 Brandern begleitete er — unter ihm du Quesne und de Preuilly — 8 Transporter mit Lebensmitteln und Truppen. Ihm endlich trat die spanische Flotte — 16 oder 17 Hochseeschiffe unter de la Cueva (ein Landoffizier) und 14 Galeren unter del Viso (Generalkapitän der Galeren und Oberbefehlshaber) — entgegen, aber ohne Erfolg.

Am 11. Februar kommt es zu einem wenig Bemerkenswertes bietenden Gefecht zwischen Stromboli und Lipari. östlicher Wind, die Spanier zu Luward. Nur 6 französische Linienschiffe sind in Linie, die Nachhut ist mit dem Convoi weiter in Lee. Die Spanier umzingeln in Gruppen. Die Franzosen wenden, vereinigen sich mit der Nachhut und bilden eine neue Linie. Während des neuen Gefechts kommt Valbelle mit seinem Geschwader von Messina und greift die Spanier von Luward her an. Die Galeren ziehen sich zuerst mit Hilfe der Riemen nach Luward aus dem Gefecht; auch die Schiffe brechen ab und lassen ein 40-Kanonenschiff zurück, das von du Quesne mit Booten genommen wird; die Spanier gehen nach Neapel (Verlust 4 Schiffe?), die Franzosen laufen in Messina ein. Wieder war es die höchste Zeit, die Stadt stand auf dem Punkte, zu kapitulieren.

Weitere Verstärkungen folgten nach; auch neue Kriegsschiffe stießen zur Flotte, geführt von Leutnantgeneral d'Alméras, der jetzt das Amt des Kontreadmirals übernahm (eines der Schiffe führte der bald berühmte de Tourville).

Die französische Flotte beherrschte die See, führte Lebensmittel für die Stadt heran und hinderte die Zufuhren der Spanier. Vivonne eroberte dann am 17. August fast ohne Schwertstreich Agosta durch eine Landung unter dem Schutz der Seestreitkräfte, jedoch warf man ihm vor, daß er nichts gegen die spanische Flotte in Neapel unternommen habe; er verfügte im August über 29 Schiffe, 24 Galeren, 12 Brander. Das eigentliche Kommando über die Flotte hatte er, „durch seine Geschäfte an Messina gebunden“, übrigens bald an du Quesne abgegeben; französische Quellen sagen aber „wegen seiner Neigung zu Ruhe und Vergnügungen“. sein Beiname war „le gros crevé“ (Dickwanst). Auch den Landkrieg führte Vivonne lau, die Stadt blieb belagert. Weitere Unterstützungen an Lebensmitteln und Truppen waren nötig; auch die Flotte mußte instandgesetzt werden, weil man erfuhr, daß Holland den Spaniern Hilfe zur See unter Ruyters Kommando zugesagt hatte. Am 16. September wurde deshalb du Quesne mit zwei Dritteln der Flotte nach Toulon gesandt, um seine Schiffe zu überholen, die Unterstützungen zu beschleunigen und sie sicher heranzuführen. Verwaltung, Werften und Arsenale arbeiteten aber noch nicht zuverlässig, und so konnte der Admiral erst am 16. Dezember mit 20 Kriegsschiffen, 6 Brandern und verschiedenen Transportern Toulon wieder verlassen. Ruyter war schon Ende September in Cadiz angekommen, so daß die Absendung du Quesnes mit dem größten Teile der Flotte recht gewagt war; zu Vivonnes Glück wurde Ruyter lange aufgehalten.

Wenden wir uns nun zu diesem Eingreifen Hollands. Spanien hatte Holland um Unterstützung in Sicilien gebeten. Wir wissen, daß schon Tromp im Herbst 1674 ersucht worden war, nach Messina zu gehen; nach Einmischung der Franzosen und besonders nach dem Siege Vivonnes (Februar 1875) wurden die Bitten um Unterstützung durch eine holländische Flotte immer dringender, ja man bat direkt um Ruyter. Die meisten niederländischen Provinzen waren nicht geneigt, hierfür Mittel zu bewilligen; die Generalstaaten aber und auch wohl die Provinzen von Holland, besonders Amsterdam, fürchteten mit Recht, daß ein Festsetzen der Franzosen in Sicilien ihre Seeherrschaft im Mittelmeer sehr stärken und den holländischen Handel mit Italien und der Levante sehr gefährden würde. Außerdem sah man die alte Gefahr heraufziehen, Frankreich als unmittelbaren Nachbar zu erhalten: es verlautete nämlich, Spanien würde unter Umständen selbst seine Niederlande opfern, um Sicilien zu retten.

Die Verhandlungen im Lande führten zu der außergewöhnlichen Maßregel, daß nur eine Admiralität die erbetene Hilfsflotte stellte: Amsterdam erklärte sich bereit, die Schiffe zu liefern; von den 1½ Millionen Gulden Kosten sollte Spanien die Hälfte zahlen, 450000 wollte Amsterdam auf sich nehmen, so daß für die übrigen Provinzen nur 300000 blieben; die Admiralität der Maas wollte das Flottenflaggschiff stellen, aber nur um ihr altes Recht darauf zu wahren. Genannte Summe reichte nur zu der Indienststellung von 18 Kriegsschiffen, 4 Brandern, 6 kleinen Segeln und 2 Transportern; Spanien verpflichtete sich, 22–24 Kriegsschiffe und seine Galeren zu stellen.

Ruyter hielt die holländische Flotte für zu klein. Ihm war wohl bekannt, daß die französische Marine in jeder Hinsicht Fortschritte gemacht hatte; er achtete du Quesne hoch; er wußte, was von den Spaniern zu erwarten war. Die Generalstaaten aber hatten keine Aussicht, mehr Mittel zu erhalten, und beurteilten auch wohl den Verbündeten und den Gegner anders. Ruyter mußte sogar kränkende Äußerungen hören; er beantwortete sie mit der ihm eigenen einfachen Würde, und die Zukunft sollte zeigen, wie richtig sein Urteil gewesen war.

Schon die Ausrüstung und die Ausreise der Expedition verlief ungünstig und langsam, dann waren die Spanier nicht fertig.

Kurz diese Ereignisse: Die Verhandlungen begannen im Frühjahr 1675 und waren im Juni zum Beschlusse gediehen, trotzdem konnte Ruyter erst am 29. August in See gehen. Als Vizeadmiral der Flotte war Jan den Haen kommandiert, ein tüchtiger Offizier, aber mit Ruyter nicht recht im Einverständnis; Kapitän Verschoor, selbst in seinem Dienstgrade noch jung, erhielt durch Gunst das Amt als Kontreadmiral. Ruyter war kränklich, erklärte aber auf abratende Vorstellungen seiner Verwandten, die Pflicht rufe, und er würde den Zug mitmachen, wenn er auch an Bord getragen werden müsse; ebenso hatte er auf die kränkenden Äußerungen geantwortet, er ginge, ohne Rücksicht auf sein Schicksal, wohin man ihn kommandiere, aber er wundere sich, „daß man die Ehre der holländischen Flagge so leichtsinnig aufs Spiel setze.“ Als böses Omen könnte man fast ansehen, daß sein altes ruhmreiches Flaggschiff („7 Provinzen“) nicht seetüchtig war; er ging an Bord der „Eendragt“ (76 Kanonen).