Sturm und widrige Winde verzögerten die Reise. Erst am 26. September kam er in Cadiz an und mußte hier 11 Tage ausbessern; die Ausrüstung der Schiffe war schlecht, wie sich während der weiteren Indiensthaltung immer mehr herausstellte. In Cadiz erhielt er Befehl, von der Ebromündung 7 spanische Linienschiffe abzuholen, den für Sicilien als Vizekönig bestimmten Don Juan d'Austria an Bord zu nehmen und sich in Palermo mit der spanischen Hauptflotte zu vereinigen. Die Reise wurde zu einer Argonautenfahrt, auf die wir nicht genauer eingehen wollen[208]: Sturm und Gegenwinde; den Haen mit 7 Schiffen im Sturm abgesprengt; keine spanischen Schiffe an der Ebromündung, auch nicht in Barcelona (14. November); hier 14 Tage durch Befehle und Gegenbefehle aufgehalten; d'Austria kommt nicht „wegen Krankheit“, in Wahrheit, weil er in Ränke gegen die Königin-Regentin verwickelt war. Am 4. Dezember ist Ruyter in Cagliari, den Haen in Neapel; am 20. Ruyter in Melazzo (Nordküste Siciliens), hört hier, daß die Spanier in Palermo noch nicht schlagfertig sind und daß sie es auch wegen Uneinigkeit zwischen Vizekönig und Admiral, wegen Lauheit der Behörden und Materialmangels sobald nicht sein würden; selbst den Haen wurde dort festgehalten. Endlich gegen Ende Dezember treffen den Haen und mit diesem 9 spanische Galeren sowie ein Kriegsschiff bei ihm ein; er kann am 31. in See gehen, um vor der Straße von Messina zu kreuzen und der Stadt die Zufuhren von Norden abzuschneiden; die spanische Hochseeflotte soll folgen, sobald sie bereit ist.

Anfang Januar 1676 endlich vor der Straße von Messina angekommen, erfährt Ruyter (über Neapel), daß du Quesne von Toulon aufgebrochen und schon an der Küste Sardiniens gesehen sei; er beschloß, ihm entgegenzutreten. Da der Wind verhinderte, die Straße zu passieren, und den Feind hinter dieser zu erwarten, so suchte er ihn auf. Am 6. befand er sich dicht unter der Insel Lipari und hörte von Küstenschiffern, man könne die Franzosen von den Bergen aus in Nordwest sehen; ein auf die Insel Salina gesandter Offizier bestätigte dies. An demselben Tage erfuhr der Admiral auch, daß die Spanier von Palermo ausgelaufen seien. Am 7. früh sichtete man die Franzosen im Norden Salinas, bei Südsüdwest-Wind über Steuerbord-Bug liegend und aufkreuzend. Ruyter hielt mit vollen Segeln auf sie zu, drehte aber um 3 Uhr nachm. außer Kanonenschußweite bei und bildete die Gefechtslinie gleichfalls über Steuerbord. Dann rief er die Kommandanten an Bord und gab Anweisungen und Ermahnungen für die bevorstehende Schlacht; den Erschienenen soll sein sehr ernstes, ja gedrücktes Wesen aufgefallen sein.

Trotz der Luvstellung griff er an diesem Tage nicht an, sondern hielt sich auf Parallelkurse mit dem Feinde. Ein leichtes Schiff war während der Nacht nah am Gegner stationiert, um dessen Bewegungen zu signalisieren. Um Mitternacht sprang der Wind auf Westsüdwest und frischte so auf, daß die spanischen Galeren unter Lipari Schutz suchen mußten. Gegen Morgen wendeten beide Flotten, die Franzosen zuerst. Durch das Umspringen war der Wind für die Franzosen zur Fortsetzung der Reise günstig geworden, und sie standen jetzt zu Luward; du Quesne sandte seine Transporter voraus mit Kurs nach Messina, bildete mit der Flotte die Schlachtlinie und näherte sich den Holländern.

Jetzt erst konnte Ruyter die Stärke des Feindes genau feststellen, bisherige Nachrichten hatten von nur 12 Linienschiffen gesprochen.

Die Flotten setzten sich zusammen:

Über 80 K.70–7460–645036KleinereBranderGalerenTransporter
Franzosen;Schiffe7[1)]643?64(?)
Holländer; 4[2)]2 9[3)]4 6[4)]49

[1)] Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert;

[2)] darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen;

[3)] darunter 1 zu 47 Kanonen und 1 spanisches;

[4)] „Snauwen“ zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit 1674 an stelle der Advijsjachten aufgeführt; kuttergetakelte Fahrzeuge.