Die Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676.
Die Schilderung der Schlacht wird zeigen, daß die Holländer tatsächlich infolge der Vorteile einer Defensive in der Leestellung imstande waren, dem starken Angriffe zu widerstehen; die Schlacht bei Stromboli gibt teilweise ein Bild der Defensivtaktik, die die Franzosen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. den Engländern gegenüber oft mit großem Erfolge durchführten.
Die beiden Flotten lagen über Backbord-Bug in Kiellinie beim Winde. Gegen 9 Uhr vorm. hielt du Quesne ab und lief mit der ganzen Linie schräg auf die Holländer zu; ein Manöver, das schwer mit Genauigkeit auszuführen ist und den Angreifer in ungünstiger Lage dem Breitseitfeuer aussetzt, weil dieser selbst wenig Geschütze verwendbar hat und den Bug dem Enfilierfeuer darbietet; die bisher vorzügliche Ordnung ging denn auch verloren. Das französische Spitzenschiff stürzte sich (gegen 10 Uhr) tollkühn auf die Mitte der feindlichen Vorhut, erlitt sofort schwere Beschädigungen in der Takelage und war genötigt, aus der Linie zu holen; nicht besser erging es dem zweiten Schiffe, beide waren wohl etwas voraus. Der dann folgende Admiral Preuilly hatte beim Abhalten zu wenig Raum gelassen, seine nachfolgenden Schiffe waren infolgedessen zu nahe aufgeschlossen, als sie querab vom Feinde wieder an den Wind gingen; sie schoben sich zum Teil nebeneinander und hinderten sich gegenseitig im Feuer (Lage 1). Außerdem[379] kamen die französischen Schiffe nacheinander ins Gefecht; es ist dies eine fast unvermeidliche Folge der gewählten Angriffsart. Der Angriff du Quesne's auf die holländische Mitte verlief deshalb ähnlich, auch hier wurden die beiden ersten Schiffe durch überlegenes Feuer sehr zusammengeschossen. Sonst scheint die französische Mitte mit mehr Ordnung wieder an den Wind gegangen zu sein; auch bei der Vorhut wurde die Ordnung bald wiederhergestellt. Die Holländer leisteten überall kräftigen Widerstand und „keines ihrer Schiffe sah man, das nicht einen Gegner dicht an der Seite hatte“.
Ruyter soll nun aber doch mit seinen beiden vorderen Geschwadern fortwährend Raum gegeben haben. Es ist nicht ersichtlich, ob dies ein Geständnis der Schwäche oder ein taktisches Manöver war, um den Gegner aufs neue zum Herangehen in ungünstiger Lage zu verleiten.
(In späteren Zeiten verfuhren nämlich die Franzosen so, allerdings mit mehr Methode: Eine Gruppe von 2–3 Schiffen hielt ab, gedeckt durch Pulverrauch und das Feuer der übrigen. Nach und nach bildete sich so eine neue Linie, die dann die letzten Schiffe der ursprünglichen Linie bei ihrem Abhalten durch Feuer deckte und aufnahm.)
Das Gefecht währte hier bis gegen 4½ Uhr nachm.; drei französische Brander, zwei davon auf Ruyters Schiff angesetzt, wurden zwischen den kämpfenden Linien entmastet und verbrannten nutzlos. Das Ende des Kampfes ist nicht genau aus den Überlieferungen zu erkennen; Ruyter brach ab, die Franzosen verfolgten nicht. Wahrscheinlich waren sie zu sehr beschädigt, wenigstens bedauerten sie den Mangel an Galeren zur Verfolgung. Die nachgekommenen spanischen Galeren schleppten stark beschädigte Holländer aus dem feindlichen Feuer, sonst hatten sie sich nur durch Abgabe einiger Schüsse aus den Buggeschützen auf weite Entfernung am Gefecht beteiligt.
Auch über den Kampf der Nachhuten sind die Angaben ungenügend; er trennte sich frühzeitig von dem der anderen Geschwader. Infolge der Angriffsart mußte er natürlich zuletzt beginnen, die Trennung scheint aber auch noch andere Gründe gehabt zu haben. Du Quesne warf Gabaret vor, den Anschluß an die Mitte verloren und nicht mit derselben Energie angegriffen zu haben; Gabaret entschuldigte sich mit der Lauheit einiger seiner Schiffe und deren ungeschickten Manövern.
Es gab dies und ein anderer Vorfall — einige Tage später auf dem Marsche beschädigten zwei Schiffe der Nachhut einander so, daß sie fast entmastet wurden — du Quesne Anlaß, dem Könige zu berichten, daß manche Kommandanten aus Mangel an Übung, aber auch infolge nicht genügender Beachtung der Instruktionen durch nachlässige Führung ihrer Schiffe die Aufrechterhaltung der Schlachtlinie gefährdeten. Mit ziemlich deutlichen Worten bittet er, Maßregeln zur Abstellung dieses Übelstandes zu ergreifen.[211]