Vivonne ließ am 1. Juni durch Tourville und Gabaret auf einem kleinen Fahrzeuge, gedeckt durch die Galeren, die feindliche Stellung erkunden und griff am Morgen des 2. an. Ein Geschwader von 9 Schiffen nebst 6 Brandern ging unter Preuilly gegen den rechten Flügel vor und legte sich ebenfalls auf Spring[217] den Schiffen auf Kabellänge querab; die Brander griffen durch Pulverrauch gedeckt an. So bedroht kappt der spanische Vizeadmiral zuerst sein Kabel und treibt auf den Strand; die meisten seiner Schiffe folgen dem Beispiel; 3 Schiffe verbrennen, 2 Galeren werden vernichtet. Das Gros der Franzosen ist inzwischen gegen Mitte und linken Flügel ebenso vorgegangen. Es findet zwar kräftigeren Widerstand, doch das Schicksal des rechten Flügels wirkt entmutigend, um so mehr, da auch hier die Brander Erfolg haben: ein holländisches Flaggschiff fängt Feuer, treibt und entzündet 2 andere Schiffe, alle 3 fliegen auf; das spanische Flaggschiff (bei der Mitte) schlägt zwar 2 Brander ab, 2 andere aber kommen heran, die ganze Besatzung springt über Bord, d'Ybarra (und auch de la Cerda, als Freiwilliger weiter an Bord verblieben) ertrinken dabei, das Schiff fliegt auf. So entsteht auch hier[386] Panik; 4 Holländer kappen und treiben an Land, die meisten Spanier und alle Galeren flüchten in den inneren Hafen; auch Teile der Stadt werden in Brand geschossen und eine Batterie wird aufgesprengt. Nur wenige Schiffe unter den Haen (Mitte) und Callenburgh (linker Flügel) kämpften tapfer weiter; den Haen fiel.
Vivonne brach das Gefecht ab, als seine Brander sämtlich verbraucht waren. Der Verlust der Verbündeten wäre wohl noch bedeutender gewesen, wenn dem Feinde mehr Brander zu Gebote gestanden hätten; der Angriff auf das spanische Flaggschiff war schlecht ausgeführt, er kostete allein 4 Brander. Die Holländer schreiben die Hauptschuld an der Katastrophe der mangelhaften Unterstützung seitens der Befestigungen und der Galeren zu; diese hätten die Brander unschädlich machen können. Die Franzosen haben das Manöver des Längsseitgehens und Ankerns trotz heftigen Feuers unter Preuilly, Tourville mit dem Flaggschiff der Flotte und du Quesne mit dem Spitzenschiff des Gros vorzüglich ausgeführt.
Die Verluste der Verbündeten waren ungeheuer. Die Holländer verloren 2 Flaggoffiziere, 260 Tote und viele Verwundete, mindestens 3 Linienschiffe; die Spanier 4 Flaggoffiziere, 8 Kommandanten, 1700 Mann, mindestens 4 Linienschiffe, 2 Galeren und verschiedene kleinere Fahrzeuge. Der Verlust der Franzosen war unbedeutend, an Fahrzeugen nur 1 Schiff und die Brander.
Wiederum ist es auffallend, daß die Franzosen den Kampf nicht bis aufs äußerste durchführten. Vivonne konnte mit seiner Artillerie auch nach Verbrauch der Brander den Erfolg noch erhöhen; er konnte — wie ihm vorgeschlagen wurde — an einem der nächsten Tage mit neuhergestellten Brandern die Zerstörung fortsetzen. Statt dessen ging er nach Messina zurück, und wiederum schreiben dies französische Angaben seiner Lässigkeit (insouciance) zu; nach seiner Äußerung „hatte er genug getan“, es zog ihn nach seiner Residenz zurück. Immerhin war mit dieser Niederlage der Verbündeten die Kriegführung zur See um Sicilien zu Ende. Die Franzosen beherrschten die See, eine ebenbürtige Flotte stand ihnen nicht mehr gegenüber. Holland wollte, nach all den Opfern und von Spanien nicht unterstützt, seine Schiffe nicht mehr einsetzen, die Spanier waren weder imstande, ihre Seestreitkräfte zu verstärken, noch mit den vorhandenen ohne die Holländer etwas zu unternehmen; sie verblieben in dem möglichst verstärkten Palermo.
Auch für den Landkrieg auf Sicilien hätte diese Schlacht entscheidend werden müssen. Die französische Flotte hatte ihre Hauptaufgabe erfüllt, sie beherrschte die See und hinderte jede Unterstützung der spanischen Armee auf der Insel, falls man überhaupt zu einer solchen imstande gewesen. Frankreich brauchte nur genügend Truppen und einen tüchtigeren General hinüberzusenden. Vivonne aber führte den Krieg in der bisherigen Weise fort: vereinzelte Vorstöße, um die Lage Messinas zu verbessern; Angriffe auf andere Küstenstädte, um dort Fuß zu fassen; alles jedoch ohne Nachhalt, auch wenn vereinzelte Erfolge errungen waren. Man darf ihm aber die Schuld nicht allein zuschieben. Er verfügte zwar zunächst noch über eine starke Flotte, seine Landmacht dagegen war gering und litt sehr unter Krankheiten. Allerdings erhielt er von Zeit zu Zeit Nachschub, dieser war jedoch stets nur schwach und minderwertig; seine Klagen hierüber — selbst bei Frau von Montespan, seiner Schwester — blieben erfolglos. Der König und Louvois — dieser eifersüchtig auf Colbert — betrachteten die Operationen in Sicilien immer mehr nur als eine Diversion für ihren Krieg mit Spanien an den Landesgrenzen; sie hatten ungeheure Kosten verursacht und als Erfolg eigentlich nur einigen Ruhm für die junge Marine gebracht.
Als sich England 1678 Frankreichs Feinden zuneigte und mit Holland in Verhandlungen über eine gemeinsam ins Mittelmeer zu entsendende Flotte eintrat, zog man die Truppen aus Messina zurück und überließ die Stadt den Spaniern.
Die weiteren Ereignisse zur See[218] seien nur kurz erwähnt. Nach dem Kampfe bei Palermo befahl die holländische Regierung ihrer Flotte, nach Neapel zu gehen, um hier auszurüsten und um einen neuen Admiral (Kontreadmiral van Almonde, über Land kommend) zu erwarten. Der interimistische Chef, Kapitän Callenburgh, führte den Befehl Anfang August aus; er stieß dabei auf die mächtige französische Flotte unter du Quesne, entzog sich aber ihr sehr geschickt.
Am 13. August sichtete Callenburgh nicht weit von Neapel den Feind, 24 Kriegsschiffe mit einem Convoi. Tagsüber manövrierte er, als ob er die günstige Windstellung für ein Gefecht gewinnen und halten wolle. Nachts aber änderte er nach und nach den Kurs nach Westen, kam so dem Feinde aus Sicht, hielt sich noch einige Tage fern von der Küste und erreichte dann wohlbehalten Neapel am 20. August.
Inzwischen begann Holland wieder Unterhandlungen mit Spanien über Entsendung einer neuen Flotte. Da diese aber nicht vorwärts kamen und auch die Gelder für die erste Expedition nicht gezahlt wurden, rief man Almonde zurück. Dieser verließ am 4. Oktober Neapel, blieb einige Zeit in Cadiz — falls Spanien sich noch besinnen sollte —, mußte wegen Sturm und Eis England anlaufen und kam endlich, Ende Januar 1677, in Holland an.