Auf französischer Seite wurde du Quesne wenige Tage nach der Schlacht von Palermo mit der ganzen Hochseeflotte nach Toulon gesandt, um Zufuhr an Truppen, Kriegsmaterial und Proviant zu holen. Ende Juli kehrte er mit 24 Kriegsschiffen und einigen Transportern (6 Schiffe mit weiteren Truppen folgten bald) zurück und traf, wie erwähnt, auf Callenburgh, ohne daß es zum Zusammenstoß kam.
Wohl hatte er die Absicht, die Holländer anzugreifen. Als diese sich ihm aber entzogen, sah er von weiterem Suchen ab; er mußte zunächst die sehnlichst erwarteten Zufuhren abliefern, außerdem drohte der Flotte durch den schlechten Gesundheitszustand der eingeschifften Truppen Gefahr.
Von jetzt ab treten in dem Kriege keine größeren französischen Flotten mehr auf; auffallenderweise werden keine Versuche gemacht, die Reste der spanischen und holländischen Seestreitkräfte zu vernichten. Nur kleinere Geschwader beteiligen sich an Unternehmungen gegen sicilianische Städte — z. B. 1676 Scaletta und Taormina genommen; 1676 und 1677 vergebliche Versuche gegen Syrakus —, die Hauptaufgabe bleibt, die Zufuhren von Frankreich nach Messina zu decken. In den Jahren 1677 und 1678 werden auch wieder kleinere Geschwader zur Unterstützung des Landkrieges an der spanischen Grenze verwendet. Größere Aktionen zur See kamen auch hier nicht vor, selbst nicht als 1678 nochmals die Holländer hier erschienen, wie wir gleich hören werden. Es hat den Anschein, als ob die französische Flotte infolge von Reibungen zwischen den militärischen und den administrativen Behörden in Toulon weniger leistungsfähig geworden war.
Im Februar 1678 ging ein größeres Geschwader nach Messina unter dem Marschall de la Feuillade, der Vivonne ablösen sollte; man wollte diesem die Demütigung ersparen, Sicilien zu räumen. Um Unruhen in der Stadt vorzubeugen, ordnete der neue Vizekönig zunächst Maßregeln an, die auf eine energischere Kriegführung hinzudeuten schienen. Als aber unter diesem Vorwande alles zur Einschiffung bereit war, erklärte er auf einem Gastmahle mit den Behörden plötzlich, daß sein König die Truppen zurückzöge. Der Abzug aus den verschiedenen besetzten Plätzen begann Mitte März, am 1. April verließen die letzten Franzosen die Insel.
Die Räumung Siciliens war, wie wir wissen, beschlossen, da man das Erscheinen einer englisch-holländischen Flotte im Mittelmeer befürchten mußte; sie wurde beschleunigt, als man erfuhr, daß ein holländisches Geschwader schon ausgerüstet werde. Dieses Geschwader hatte nur noch wenig Gelegenheit zu nützen, doch führte seine Reise zu einem letzten Zusammenstoß mit den Franzosen.
Don Juan d'Austria hatte in Spanien an Stelle der Königin-Mutter die Regierung für den unmündigen König übernommen; er bat im Jahre 1677 Holland wieder um Unterstützung unter den früheren Bedingungen und zahlte auch einen Teil der rückständigen Gelder ab. Holland war aber vorsichtig geworden, die Unterhandlungen zogen sich hin und die Rüstungen wurden nur fortgesetzt, wenn die Geldraten eintrafen. So war die Flotte — 18 Kriegsschiffe, 6 Schnauven, 6 Brander — erst im Februar 1678 fertig und wurde dann noch teilweise durch Eis festgehalten. Dennoch erhielt der Führer, Vizeadmiral Cornelis Evertsen (genannt „der Jüngste“ als der dritte dieses Namens, Sohn des Leutnantadmiral Jan E.) Mitte Februar den Befehl, mit 9 Schiffen und 5 Brandern auszulaufen; der Rest sollte baldmöglichst folgen. Es geschah wohl, um Frankreich zu zeigen, daß man Ernst mache, und um England anzufeuern. Mit der Entsendung einer so kleinen Macht verscherzte man die Gelegenheit, den Franzosen eine Schlappe zuzufügen, und setzte sie selbst einer Gefahr aus. Evertsen, einige Zeit in England aufgehalten, traf am 17. März, etwa 30 sm. westlich von Kap Ouessant auf den Chef d'Escadre Chateau-Renault mit 6 schweren Linienschiffen. Auch dieses Geschwader war von Brest nach Sicilien bestimmt, um bei der Räumung mitzuwirken, und gleichfalls durch verzögerte Ausrüstung verspätet. Die Franzosen griffen an. Infolge schweren Seeganges, der das Öffnen der untersten Pforten verbot, blieb das etwa sechsstündige Gefecht ohne große Folgen und ohne Entscheidung; die Nacht trennte die Gegner und Evertsen erreichte Cadiz, wo er die in Holland zurückgelassenen Schiffe schon antraf.
Die holländische Flotte traf erst am 26. März 1678 in Cadiz ein. Sie war also für Sicilien nicht mehr nötig und kam auch zu spät, um gegen den Abzug der Franzosen verwendet zu werden, wenn sie nicht sofort weiterging. Aber wie zu Ruyters Zeit wurde sie durch mangelnde Unterstützung, durch Befehle und Gegenbefehle von Madrid festgehalten. Erst Ende Mai führte sie Truppen nach Barcelona, blieb dort etwa drei Wochen an der Küste, ohne mit dem Feinde zusammenzustoßen, und wurde dann nach Holland zurückgerufen, weil Spanien wiederum seinen Verpflichtungen nicht nachkam.
So endeten die holländischen Unternehmungen im Mittelmeer. Sie hatten große Summen gekostet, große Verluste — besonders den Ruyters — gebracht und fast keine Erfolge gehabt, wenn auch die verhältnismäßig schwachen, zu schwachen Kräfte ihre Pflicht getan und die Ehre ihrer Flagge hoch gehalten hatten. Die größere Schuld an dem Mißerfolge trifft wohl die Spanier, und die Folgen des Zusammengehens mit ihnen fühlte Holland noch lange nach: Spanien zahlte nur dürftig ab. Noch 1684 bestand eine Forderung an diesen Staat von 6 Millionen Gulden, 1713 von 4 Millionen und die Zinsen von 30 Jahren; die Schulden der holländischen Admiralitäten waren aufs neue vermehrt worden, was von größtem Nachteil für das Seewesen der Republik wurde.
Ehe wir die Schilderung dieses französisch-holländischen Krieges schließen, müssen über den kleinen Krieg[219] gegen den Handel wenige Worte gesagt werden. Holland gab bekanntlich in den Jahren 1672 und 1673 die Freibeuterei stets frei, sobald im Herbst die Operationen der Flotten aufhörten. Die Freibeuterei richtete sich von 1674 [** an?] natürlich gegen die Franzosen und wurde wie immer hauptsächlich von den Seeländern betrieben; vom Mittelmeer bis zum Kanal schwärmten ihre Fahrzeuge, oft in kleinen Geschwadern. Sie haben auch dem Gegner großen Schaden getan; so wurden z. B. allein im Jahre 1676 in spanischen Städten 71 von seeländischen Freibeutern aufgebrachte französische Handelsschiffe verkauft. Aber auch die Niederlande erlitten im kleinen Kriege schwere Verluste, weil ihr Handel unverhältnismäßig größer war. Wenn man auch stets Geschwader am Eingange des Mittelmeeres hielt, um die Levantefahrer zu sichern — die schon der Barbaresken wegen stets unter Bedeckung segeln mußten — und ferner die Handelsschiffe durch den Kanal begleiten ließ, so wurden doch viele von ihnen durch Freibeuter der französischen Küste oder durch kleine Kriegschiffsgeschwader von St. Malo und Brest abgefangen.
Der größte Feind des niederländischen Handels wurde seit 1674 wieder Dünkirchen, wie die Stadt es zu Anfang des Jahrhunderts gewesen war. Sie hatte, wie wir wissen, seit jener Zeit mehrfach ihren Herren gewechselt und war dadurch sehr heruntergekommen. England soll absichtlich ihren Hafen haben verfallen lassen, so daß ihn nur kleine Fahrzeuge benutzen konnten; Ludwig XIV. stellte wohlweislich, im Hinblick auf die wichtige Lage, diesen Übelstand wieder ab. Solange der Krieg zwischen England und Holland währte, konnten die Dünkirchener ihr Lieblingsgewerbe noch nicht aufnehmen, die Holländer hatten meistens ihre Schiffahrt eingestellt und auch zu starke Kriegsflotten in See; sobald aber der holländische Handel nach dem Frieden von Westminster wieder kräftig betrieben wurde, erschienen auch die Freibeuter der Stadt in großer und immer größer werdender Zahl von schnellsegelnden Jachten und Fregatten mit 2–24 Kanonen, oft in Geschwadern. Jetzt schon tat sich der später berühmte Jean Bart hervor. Holland sah sich bald genötigt, wie in den älteren Zeiten einen förmlichen Krieg gegen dieses Gemeinwesen zu führen. Anfangs sandte man einige leichte Schiffe gegen die Freibeuter aus, später war man gezwungen, ständige Geschwader aufzustellen, deren Kern kleinere Linienschiffe bildeten. Der Krieg wurde wie vor 30 Jahren geführt: Mit vorzüglichem Personal aller Nationen bemannt, holten die Dünkirchener selbst Fahrzeuge aus den niederländischen Seegatten heraus, griffen große Convois an, ja planten 1676 sogar, sich Briels oder Hellevoetsluis' zu bemächtigen; die holländischen Geschwader mußten immer stärker gemacht werden, um Dünkirchen zu blockieren, die eigenen Küsten reinzuhalten, ihre Ostseefahrer durch die ganze Nordsee zu geleiten und die Fischereigründe zu überwachen. Trotz alledem fügten die verwegenen Gegner dem Handel schweren Schaden zu; trotz der Blockade liefen sie nachts und im Sturm ein und aus.