Rückblick auf die Kriegführung zur See von 1674–1678. In seiner Geschichte des niederländischen Seewesens erhebt de Jonge Einwand gegen den Vorwurf in den meisten Geschichtswerken, daß nach dem Frieden von Westminster in dem holländischen Seewesen kein rechtes Leben mehr gewesen und von seinen Seestreitkräften nicht viel mehr geleistet sei. Er erinnert an alle die hier besprochenen Unternehmungen, zu denen noch die Beteiligung am schwedisch-dänischen Kriege tritt. Er weist dann darauf hin, welche Anstrengungen besonders von der Admiralität Amsterdam gemacht seien, indem von dieser die ganze Flotte Ruyters im Mittelmeer und der größte Teil der Schiffe gegen Schweden, gegen Dünkirchen, zum Schutz der Convois sowie für die Expeditionen nach Westindien gestellt wäre; dieser Admiralität seien solche Leistungen möglich gewesen, da man hier die nötigen Mittel habe aufbringen können. Als Gründe hierfür führt de Jonge an, daß die Provinzen von Holland stets die für das Seewesen bestimmten Gelder zahlten. Dies kam nun den Admiralitäten von Amsterdam, Maas und Norderquartier zu gute; so waren auch die beiden letzten imstande, sich an den Rüstungen zu beteiligen, Amsterdam aber am meisten, weil sein Handel bei weitem der einträglichste war. Der Zuschuß der Landprovinzen fehlte allen Admiralitäten, und da die beiden anderen Seeprovinzen auch schon seit Jahren unregelmäßig und ungenügend zahlten, so waren ihre Admiralitäten, Seeland und Friesland, derart in Schulden geraten, daß ihre Kontingente nach und nach ganz ausfielen; ihre immer schwächer werdende Beteiligung haben wir schon im 2. und 3. englisch-holländischen Kriege gesehen. Soweit de Jonge.

Alles dieses bestätigt doch aber nur, daß die Rüstungen zur See im allgemeinen zurückgegangen sind, auch die Angaben über die Indienststellungen beweisen dies: Schon 1674 zählten die Flotten Ruyters und Tromps zusammen nur 45 Linienschiffe und Fregatten; für 1676 gibt die Zusammenzählung der Kräfte im Mittelmeer, Ostsee, Westindien und gegen Dünkirchen kaum eine größere Zahl. Im Kriege 1672–1674 aber waren Flotten von 64–75 Schiffen aufgestellt.

Der Hauptgrund für diese Herabsetzung war wohl die Erschöpfung des Landes, sahen wir doch selbst Ruyter nach dem Frieden mit England für eine Verminderung der Flotte sprechen. Es mögen aber doch auch die Verhältnisse eingewirkt haben, die schon in den früheren Kriegen oft dahin führten, daß die äußersten Anstrengungen nur gemacht wurden, wenn das Feuer auf den Nägeln brannte. Sonst aber wurde es der Regierung — den Generalstaaten und dem Prinzen von Oranien —, in einer Republik von Kaufleuten, in der stets eine große friedliebende Partei vorhanden sein wird, schwer, Beschlüsse durchzubringen, die die Entfaltung einer großen Macht und damit die Durchführung größerer strategischer Pläne ermöglichten; der Mangel an Zentralisation in der Marineverwaltung erschwerte dies noch mehr, es hatten eben in allen Dingen zu viele mitzusprechen.

Wenn sich Amsterdam am meisten an den Rüstungen beteiligte, so ist dies nicht allein seinen reichlicheren Mitteln zuzuschreiben, sondern auch dem Umstande, daß hier das größere Verständnis für die Wichtigkeit der Kriegführung zur See vorhanden war. Es zeigte sich dies schon in den früheren Kriegen, und auch jetzt in den Jahren 1674–1678 gehen die Forderungen, zur See etwas zu unternehmen, stets von den Provinzen von Holland aus; de Jonge sagt: „Hier war der Geist de Witts noch nicht ganz verschwunden.“

Daß im übrigen die Republik erschöpft war, kann nicht wundernehmen. Die Hälfte ihrer Provinzen war lange Zeit in Feindeshand gewesen, und doch hatte sie den größten Teil der Kosten eines fast europäischen Krieges getragen. Sie mußte mit ihrem Gelde auch die Armeen der Verbündeten wesentlich unterstützen und viele stets geldbedürftige deutsche Fürsten dem Bunde gegen Frankreich treu erhalten; daß dies überhaupt möglich war, ist das Verdienst der Marine, die dem Lande immer wieder das Meer freigemacht hat.

Kommen wir nun zu den Leistungen der holländischen Marine, so drängt sich die Frage auf, ob diese nicht trotz der notgedrungen schwächer gewordenen Kräfte hätten größer sein können. Bei allen Operationen wird, auch von holländischer Seite, der Vorwurf erhoben, sie seien mit zu schwachen Kräften unternommen; gleichzeitig wird geklagt, daß der Handel so sehr durch französische Freibeuter geschädigt wäre. Würde es nicht richtiger gewesen sein, die Kräfte nicht zu zersplittern?

Ruyters Zug nach Westindien konnte nicht bedeutend auf den Verlauf des Krieges einwirken — noch weniger die späteren kleinen Expeditionen —, mit den hierfür verwendeten Kräften wäre wohl besser das Unternehmen Tromps verstärkt und dem sich wieder regenden Dünkirchen, sowie der feindlichen Freibeuterei überhaupt, rechtzeitig fest entgegengetreten. Wenn sich auch dann herausgestellt hätte, daß Tromp nichts von Bedeutung gegen die Küsten ausrichten konnte, hätte man der französischen Flotte im Mittelmeer ernstlich zu Leibe gehen müssen. Dasselbe ist von den späteren Jahren zu sagen, Ostsee und Mittelmeer zu gleicher Zeit war zu viel für die vorhandenen Kräfte. Stets fehlte ein Plan zu einheitlicher Verwendung der Seestreitkräfte, um ein wichtiges Ziel unbedingt zu erreichen; immer folgte man mehr augenblicklichen Antrieben, die oft wohl von interessierten Kreisen ausgingen. Die Zersplitterung führte nur zu Teilerfolgen (Ostsee), die auch nicht einmal immer dem Einsatz entsprachen (Tromp 1674), oder gar zu Verlusten (Mittelmeer, Westindien) und daneben konnte man den Handel nicht genügend schützen, was doch wichtig für die Fortsetzung des Krieges war.

Über die Kriegführung der Franzosen ist folgendes zu bemerken. Wohl war es richtig, daß sie sich im Atlantik auf die Defensive beschränkten — ausgenommen die Expeditionen nach Westindien, die mehr den Charakter der Privatzüge älterer Zeiten hatten. Wenn sie gezeigt hätten, daß sie hier den Seekrieg ernstlich zu führen beabsichtigten, so würde Holland ihnen seine ganze Macht entgegengestellt haben, und dieser waren sie nicht gewachsen. Im inneren Wert stand ihre Marine noch nicht auf der Höhe der holländischen und auch an Schiffen konnten sie noch nicht dieselbe Zahl aufstellen, weil das Personal fehlte; wir zählen in den Kriegsjahren 1674/78 kaum mehr als 40 Linienschiffe und Fregatten gleichzeitig im Mittelmeer und Atlantik: nur sind mehr schwerere Schiffe darunter als in den Jahren 1672/73. Im Mittelmeer aber war die französische Flotte mächtig und stets ihren Gegnern an Stärke und Zahl der Schiffe überlegen, so besonders bei dem Kampfe um Sicilien. Deshalb ist es befremdend, daß man von dieser Übermacht keinen tatkräftigeren Gebrauch gemacht hat.

Bei der Schilderung der Ereignisse wurde hierauf mehrfach hingewiesen. Schon bei Stromboli macht du Quesne keinen ernsten Versuch, Ruyter zum zweiten Male entgegenzutreten, obgleich er unmittelbar nach der Schlacht bedeutende Verstärkung erhielt; in noch höherem Maße erscheint es auffallend, daß er im nächsten Jahre nicht alles daransetzt, den weit schwächeren Callenburgh vor Neapel zu vernichten. Doch kann man in diesen beiden Fällen wenigstens annehmen, er habe zunächst den wichtigen Zufuhrtransport sicher nach Messina führen wollen. Aber auch sonst vermißt man fast durchgehend eine energische Offensive, meist liegt die französische Flotte ohne größere Aufgabe tatenlos vor der belagerten Stadt. Als Ruyter an der italienischen Küste war, hätte sie gegen die getrennten Gegner vorgehen können; die Spanier wenigstens wären ihnen gewiß leicht zum Opfer gefallen. Nach Agosta machen die Franzosen eine lange Pause, ehe sie den Schlag gegen Palermo führen, obgleich sie auch nach dieser Schlacht wiederum durch ihre Galerenflotte verstärkt waren. Der Sieg wird dann nicht völlig ausgenützt, und es wird später nicht daran gedacht, die Reste der aufs neue getrennten feindlichen Flotten gänzlich zu vernichten.

Du Quesne war ein tüchtiger Mann. War er es nur in der Schlacht — Tourville äußert sich später bei der Expedition gegen Algier über du Quesne derart, als ob dieser größere eigene Verantwortung gescheut habe; ein Vorwurf übrigens, der gegen ihn selbst im nächsten großen Kriege auch erhoben wurde — oder konnte er den lauen Vivonne, der stets den Oberbefehl auch über die Flotte führte, nicht zu energischen Taten bewegen? Spielte Eifersucht Vivonnes auf du Quesne, Louvois' auf Colbert hierbei mit? Wenn die französische Flotte endlich in den letzten Kriegsjahren an der spanischen Küste so wenig hervortrat, so scheint dies allerdings seinen Grund in ihrem weniger schlagfertigen Zustande gehabt zu haben; daß es aber dahin gekommen war, macht ebenso wie ihr Verhalten bei Sicilien den Eindruck, als ob man die neue Waffe doch noch nicht zu schätzen verstanden habe.