Über Spanien ist nichts weiter zu sagen; der Krieg zeigt, in welchem Zustande das ganze Reich und seine Marine im besonderen war.
Der Frieden von Nymwegen schloß diesen Krieg ab. Seine Bedingungen kennen wir bereits (Seite [363]). Es ist aber gerade für unseren Standpunkt wichtig, die mittelbaren Folgen dieses Krieges für Holland, Frankreich und auch England zu betrachten.
Scheinbar war der Friedensschluß für Holland unerwartet günstig; es verlor in Europa nichts, im Auslande nur wenige bedeutende Besitzungen. Aber sein Schaden während dieser Kriegsjahre nach dem Frieden mit England war doch sehr groß. In dieser Zeit ging ein großer Teil seines europäischen Zwischenhandels in englische Hände über; die holländische Schiffahrt war zu gefährdet und Frankreich begünstigte in jeder Weise die Englands, um Holland zu schädigen und England neutral zu erhalten. England machte dadurch als Seemacht einen Schritt weiter auf Kosten Hollands; Holland begann, von der Stelle einer Seemacht ersten Ranges abzutreten, und als im nächsten Kriege die beiden Nationen vereint gekämpft hatten, sicherte sich England als der nun stärkere Verbündete wiederum den größeren Gewinn zur See.
Aber auch Frankreich zog aus dem Kriege keineswegs nur Nutzen, wenigstens nicht für sein Seewesen; durch ihn ward das Werk Colberts gehemmt. Dieser wollte bekanntlich durch Begünstigung der Produktion und durch Anregung des Seehandels mit Hilfe einer starken Handels- und Kriegsmarine den Wohlstand des Landes heben. Bis zu diesem Kriege war alles gut gegangen; man befand sich auf dem Wege, Holland und England mit Erfolg Konkurrenz zu machen; die Einnahmen des Landes vermehrten sich mächtig.
Ludwigs Politik gegen Holland stärkte aber, wie eben gesagt, den Seehandel Englands schon während des Krieges. Die Friedensbedingungen waren dann zwar sehr vorteilhaft für Landzuwachs und militärische Machtstellung — Frankreich stand jetzt an der ersten Stelle auf dem Festlande —, sie waren es aber nicht für Industrie und Handel des Landes, weil die Schutzzölle zugunsten Englands und Hollands herabgesetzt wurden. Dies traf die Weiterentwicklung der Schiffahrt schwer und die Kriegsmarine war, ohne Rückhalt an eine starke Handelsmarine, wie ein Baum ohne Wurzeln. Zwar wuchs sie in den nächsten Jahren noch sehr und wurde selbst für kurze Zeit der englischen überlegen; sie schwand aber in dem nächsten großen Kriege schnell dahin. Das Scheitern des Planes Colberts, Frankreich zu einer großen Handelsmacht zu machen, ist auch von Einfluß gewesen auf den finanziellen Ruin des Landes im nächsten Jahrhundert, der durch die weiteren kostspieligen Kriege Ludwigs eingeleitet wurde.
Der schwedisch-dänische[220] (-holländisch-brandenburgische) Krieg 1675–1679.
Im zweiten Eroberungskriege Ludwigs XIV. trat Schweden auf die Seite Frankreichs und griff 1675 Brandenburg an; Dänemark unterstützte diesen Staat. Da es sich hierbei für Dänemark darum handelte, dem Großen Kurfürsten bei der Eroberung Pommerns zu helfen, den Schweden die rückwärtigen Verbindungen von dort abzuschneiden, vor allem aber auch die im letzten Kriege mit Schweden verlorenen Provinzen (z. B. „Schonen“; deshalb auch der „schonische Krieg“ genannt) und die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen, so spielte der Krieg zur See eine große Rolle.
Die dänische Marine war im letzten Kriege nicht imstande gewesen, ihr Land vor Invasion zu schützen; Christian V. aber (1670–1699) brachte sie hoch, ja er führte sie zu ihrem höchsten Glanze. Schon 1675 besaß Dänemark an Kriegsschiffen: 2 zu 80–90 Kanonen; 11 zu 58–78; 7 zu 36–54; 6 zu 24–32; 4 zu 8–20. Dazu traten 46 Defensionsschiffe der großen Rhedereien (darunter 20 zu 34 Kanonen). Infolge der engen politischen Verbindung mit Holland, der Unterstützung durch seine Flotten, hatten holländisches Wesen und holländische Seeleute in großem Maße Eingang in die dänische Marine gefunden; in dem jetzt ausgebrochenen Kriege wurde sogar 1676 Cornelis Tromp als Oberbefehlshaber berufen, nachdem der bisherige — der tüchtige Admiral Adolar, auch im holländischen Seedienst erzogen — gestorben war.
Nach de Jonge waren die neueren dänischen Schiffe nach holländischem Muster und teilweise von holländischen Schiffbauern gebaut; fast alles Kriegsmaterial ward aus den Niederlanden bezogen. In der dänischen Flotte unter Niels Juel im Jahre 1677 waren der Vizeadmiral, der Kontreadmiral und 17 Kommandanten (von 26) Holländer; 1676 hatte man 3000, 1677 gar über 5000 Seeleute in den Niederlanden angeworben. Kein Wunder, wenn nun dieselbe Quelle, auf ältere gestützt, sagt: Es hätten die Schweden in diesem Kriege eigentlich nur gegen Holländer gefochten; es hätten die dänischen Seeleute von diesen gelernt — auch Juel von Tromp —; selbst die von den dänischen Schiffen allein erreichten Erfolge seien den aus Holland stammenden Offizieren oder doch deren Unterweisung zuzuschreiben.