Gegen diesen holländischen Einfluß, gefördert durch Admiral Adolar, trat von jetzt an eine nationale Partei in der Marineleitung auf und drang nach und nach durch. Sie bewirkte 1678 die Entfernung Tromps, ihr Haupt Niels Juel übernahm die Oberleitung und sorgte für die Schaffung eines tüchtigen nationalen Offizierkorps.
Die schwedische Marine war 1675 der dänischen noch an Zahl und Größe ihrer Schiffe überlegen, aber minderwertig im Personal. Unter der vormundschaftlichen Regierung für Karl XI. (seit 1660) wurden die Offiziersstellen, namentlich die höheren, vielfach nach Gunst an Angehörige der regierenden Adelspartei vergeben, die nicht Seeleute, oft nicht einmal Soldaten waren. Es sollte sich bald zeigen, daß die dänische Flotte auch ohne Unterstützung durch die holländische, die dänischen Führer auch ohne Tromp, den Schweden überlegen waren.
Holland griff in den Krieg ein, „um seinem treuen Verbündeten, dem Großen Kurfürsten, zu helfen“; es geschah aber auch wohl, damit Schweden nicht wieder zu mächtig an der Ostsee werde. In allen früheren Kriegen war es Hollands Bestreben gewesen, keine Macht zu hoch kommen zu lassen, sei es Hansa, Dänemark oder Schweden. Gerade von Holland aus erging an Dänemark die Anregung zum Kriege, Subsidien für die dänische Flotte wurden zugesagt (wie auch von Spanien) und das Werben von Seeleuten in den Niederlanden bereitwilligst gestattet. Endlich wurden auch in den Jahren 1675, 1676 und 1677 Geschwader in die Ostsee gesandt, um mit den Dänen gemeinsam zu operieren. Diese Geschwader waren jedoch nicht groß und erreichten in keinem Jahre die Stärke, die ursprünglich beschlossen war. Die Gründe hierfür — sowohl für die nur gering bemessenen wie auch für die dann nur teilweise durchgeführten Rüstungen — waren dieselben, die wir bei den anderen Unternehmungen nach 1674 kennen gelernt haben: Geteilte Meinungen in den Provinzen über fernerliegende Unternehmungen; Mangel an Geld bei einzelnen Admiralitäten. Die spanische Unterstützung blieb natürlich auch hier aus.
So betrug die Stärke der Geschwader nur:
| 1675 | Schiffe: | 3 | zu | 70 | K. | ; | 2 | zu | 50–60; | 2 | zu | 40; | 6 | kleinere | ; | 2 | Brander | ; | Admiral | Binckes |
| 1676 | „ | 3 | „ | 70 | „ | ; | 6 | „ | 60–64; | 6 | „ | 40–44; | 6 | „ | ; | 3 | „ | ; | „ | C. Evertsen |
| 1677 | „ | 1 | „ | 76 | „ | ; | 5 | „ | 60–70; | 4 | „ | 40–50; | 3 | „ | ; | 3 | „ | ; | „ | Scheppers. |
Schließlich müssen wir auch noch die Seestreitkräfte Brandenburgs erwähnen. 1675 erteilte der Große Kurfürst dem Holländer Benjamin Raule (in Middelburg, Seeland) Kaperbriefe gegen Schweden. Dieser trat bald — deshalb der Seeräuberei angeklagt und landesflüchtig — als Marinedirektor in brandenburgischen Dienst. Mit ihm schloß nun der Kurfürst in den Kriegsjahren stets für einige Monate die Gestellung von Kriegsschiffen ab. Es waren dies immer 3 Fregatten, in ihren Größen zwischen 16–20 und 18–24 Kanonen schwankend, sowie einige (3–10) kleinere Fahrzeuge zu 4–10 Kanonen. Im Jahre 1675 traten noch 3 Linienschiffe von 40–44 Kanonen für fünf Monate hinzu, die von der Admiralität Amsterdam geheuert waren.
Der Verlauf des Krieges brachte im Jahre 1675 zur See nichts von Bedeutung. Das holländische Geschwader traf Ende Juni in Kopenhagen ein, aber erst am 23. August lief die vereinigte Flotte, die Dänen unter Adolar, aus. Sie kreuzte meistens zwischen Bornholm und Rügen und fing auch einige schwedische Zufuhrschiffe ab. Die schwedische Flotte zeigte sich zunächst nicht. Sie ging erst am 19. Oktober in See — 44 Kriegsschiffe, mit 9000 Mann Truppen für Pommern oder für einen Einfall in Seeland —, kehrte aber bald um infolge stürmischen Wetters, in dem einige Schiffe verloren gingen, und infolge einer erschreckend zunehmenden Epidemie unter den Soldaten und Matrosen; der Untergang der Schiffe und die Krankheit sollen 5000 Mann gekostet haben. Die Holländer gingen dann in die Heimat zurück und begleiteten dabei eine große Zahl ihrer Ostseefahrer.
Zu Lande wurden die Schweden aus der Mark vertrieben (Fehrbellin 28. Juni) und in Pommern von Brandenburg und Dänemark angegriffen. Der Große Kurfürst nahm in diesem Jahre noch die Inseln Usedom und Wollin sowie Peenemünde und Wolgast, teilweise unter Mitwirkung seiner kleinen Flottille; die Dänen eroberten Wismar und Damgarten.
Im Jahre 1676 trafen die Holländer schon im Mai in Dänemark ein. Es waren aber zunächst nur 9 Schiffe und 2 Brander der Provinzen Hollands unter Kontreadmiral Almonde, das Kontingent Seelands war wieder einmal noch nicht seeklar; mit ihnen kam Tromp als Passagier. Er wurde mit großen Ehren[221] empfangen, übernahm den Oberbefehl über die dänische Flotte und schiffte sich auf „Christian V.“ (86 Kanonen) ein, dessen erster und zweiter Kapitän Holländer waren; das Geschwader brachte auch Matrosen für die dänischen Schiffe mit. Während Tromp vorläufig die Ausrüstung weiterer Schiffe überwachte, stieß Almonde zu Niels Juel, der schon am 29. April Wisby zur Übergabe gezwungen hatte. Die so vereinigte Flotte zählte 10 Linienschiffe, 7 Fregatten, 4 Brander und einige Jachten; sie begegnete am 4. Juni abends bei Bornholm den Schweden, diese 25 Linienschiffe, 10 Brander und Jachten stark unter den Admiralen Creutz und Ugla. Am 4. wurden nur einige Schüsse auf weitere Entfernung gewechselt, es scheint flau gewesen zu sein; am 5. Juni 6 Uhr früh kam es zu einem wirklichen Gefecht, das aber auch ohne größere Folgen und ohne Entscheidung blieb.
Die Schweden standen zu Luward, griffen aber nicht an, sondern steuerten hoch am Winde. Die Holländer, die Vorhut der Verbündeten, versuchten, nahe an den Feind heranzukommen; sie waren gezwungen, unter seinem Feuer vorzulaufen, zu wenden und dann wieder an der feindlichen Linie entlang zu segeln. Diesem Manöver sollen nun nur 2 Dänen, von Holländern kommandiert, gefolgt sein; Niels Juel soll sich auf weiteren Entfernungen gehalten haben: Das holländische Flaggschiff wurde sehr beschädigt und Almonde sah sich genötigt, das Nahgefecht abzubrechen; Juel zog sich gegen 10 Uhr vorm. zurück, Almonde will diesen Rückzug gedeckt haben. Auch die Schweden drangen nicht auf Fortsetzung des Kampfes. Dies ist die Schilderung nach Almondes Bericht; wie häufig beschwert sich ein Verbündeter über den andern: Die dänische Überlieferung rühmt Niels Juel, daß er den überlegenen Angriff mit Erfolg abgewiesen habe, und erwähnt nichts von hervorragendem Auftreten der Holländer. Neuere holländische Quellen geben zu, daß der dänische Admiral den Befehl gehabt haben könne, gegen überlegene Kräfte und vor Tromps Eintreffen nichts einzusetzen. Hierüber sagt aber schon Almonde sehr richtig, dann hätte Juel schon am 4. das Gefecht vermeiden müssen; es muß dann auch auffallend erscheinen, daß der dänische Admiral solche Absicht dem holländischen nicht bekannt gegeben.