Zu dieser Expedition hatte der Kurfürst in Peenemünde 350 Fahrzeuge für den Transport von 4000 Mann unter Derfflinger gesammelt; die Flottille — 7 Segel[401] mit 107 Kanonen — sollte Überfahrt und Landung decken. Tromp befand sich als Kriegsfreiwilliger an Bord des Flaggschiffes, Dänemark stellte ein kleineres Geschwader — 7 Linienschiffe und einige kleinere — unter Niels Juel. Am 22. September wurde aufgebrochen, jedoch segelten die Dänen (schon am 21.?!) nach Wittow, der Kurfürst nach Palmerort. Er wollte hier einen Scheinangriff machen, die Truppen aber bei Putbus landen. Die Landung konnte an diesem Tage nicht ausgeführt werden; Flaute zwang zum Ankern und hielt sogar die Flottille eine Zeitlang im Feuer von am Lande aufgefahrenen Geschützen fest, doch taten diese kaum Schaden. Den Dänen dagegen war es am 22. gelungen, ohne wesentlichen Widerstand auf Wittow Fuß zu fassen und Juel meldete dies in Person am 23. dem Kurfürsten. Hierauf ging auch dieser mit seiner ganzen Macht dorthin, die Kriegsschiffe wurden zeitweise wegen neuer Flaute durch Boote getaut. Dann wurde die Landung ausgeführt, obgleich die Schweden Kavallerie bereit hielten und auch Geschütze auffuhren: Die Boote und kleinen Fahrzeuge gingen in bester Ordnung — wo nötig mit Weiterstaken — so nah wie angängig heran, die Truppen wateten oder schwammen an Land und formierten sich schnell; alles ohne Verlust, weil die Schweden keinen ernstlichen Widerstand leisteten, auch Kavallerie kam bald an Land. Der Feind wich und räumte schon am 24. die Insel, nachdem er in einem kurzen aber heftigen Gefechte um die Stellung, die den Übergang nach Stralsund deckte, geschlagen war.

Nach der Eroberung Rügens wurde der Dänholm genommen; nun kapitulierte Ende Oktober Stralsund, von der Land- und Wasserseite eingeschlossen, und im November nach zweistündiger Beschießung mit glühenden Kugeln auch Greifswald; ganz Schwedisch-Pommern war erobert. 1679 ward nur noch in Ostpreußen gefochten — Friedrich Wilhelms Zug über das Kurische Haff.

Schweden büßte in diesem Kriege schwer die Vernachlässigung seiner Marine. Wäre seine an Material so mächtige Flotte schlagfertig gewesen, so dürfte den Gegnern der Krieg in Pommern weit schwerer geworden sein und an Stelle eines dänischen Einfalls in Schonen hätte die Geschichte vielleicht einen schwedischen in Seeland gesehen. Die innerlich tüchtigere und besser geführte dänische Flotte, noch während des Krieges weiter gepflegt, führte schließlich den Sieg ihres Staates trotz der eigentlich nur geringen Erfolge des Landheeres herbei.

Es ist bereits erwähnt, daß in den Frieden von Fontainebleau (oder Lund, September 1679) und St. Germain (Juni 1679) sowohl Dänemark wie Brandenburg ihre Eroberungen zurückgeben mußten; von den übrigen Verbündeten — Holland; Kaiser; Reich — verlassen, hatten sie sich den Forderungen Ludwigs XIV. zu fügen.

Es sei an dieser Stelle noch die weitere Geschichte der brandenburgischen Marine[222] kurz geschildert, wenn sie auch an keinem Seekriege mehr teilnimmt.

Da im Frieden von St. Germain Stettin und Stralsund an Schweden zurückfielen, blieben dem Großen Kurfürsten nur Pillau und Königsberg zu Hafen- und Werftanlagen für handelspolitische und kriegsmaritime Zwecke; hier wurden dann auch Warenhäuser und Arsenale errichtet; 1682 gründete Friedrich Wilhelm eine afrikanische Handelsgesellschaft.[402] Um auch einen Hafen an der Nordsee zu haben, legte er 1683 Besatzungen nach Emden und Gretsiel; er benutzte dazu Zwistigkeiten zwischen den Fürsten und den Ständen von Ostfriesland und folgte einem Wunsche der letztgenannten. Emden wurde nun der Sitz der Kompagnie, die Ostfriesen erhielten dafür das Recht, unter dem Schutz der brandenburgischen Flagge zu fahren.

1684 wurde die bisher gemeinschaftliche Verwaltung der eigentlichen Kriegsmarine und der Handelskompagnie getrennt; die Marine zählte dann bald 10 Segel: 2 zu 50 Kanonen; 1 zu 40; 1 zu 36; 1 zu 20; 1 zu 40; 1 zu 10; 2 zu 6 Kanonen. Der größte Teil dieses Bestandes gehörte zur Station der Nordsee; der höchste Bestand war 1688 erreicht: 35 Schiffe mit 210 Kanonen und 40 Fahrzeuge mit 80 Kanonen. Nach dem Tode des Großen Kurfürsten 1688 ging die Marine schnell zurück, da Friedrich III. keinen Wert auf Entwicklung des Seehandels legte; die Hauptstütze ihres Gründers, Raule, starb 1707; als 1708 noch Soldaten nach Afrika gesandt wurden, mußten sie unter holländischer Flagge fahren. Friedrich Wilhelm I. sah sich genötigt, den Schutz des Seehandels ganz aufzugeben und die Kolonien an Holland abzutreten; damit verschwindet die brandenburgisch-preußische Marine bis zu einem schwachen Versuch 1756.

Von der Verwendung der brandenburgischen Marine nach dem Frieden sei noch folgendes erwähnt: 1680 kreuzte ein Geschwader — 5 Schiffe zu 16–40 Kanonen; 1 Brander; 515 Matrosen, meist Holländer; 180 Soldaten — gegen Spanien im Kanal, um auf diese Weise die nicht gezahlten Subsidien für den letzten Krieg einzutreiben, und nahm ein Schiff zu 50 Kanonen; später segelte das Geschwader nach Westindien und brachte verschiedene Kauffahrer auf. 1682 gingen 2 Fregatten nach der Westküste Afrikas und gründeten dort die Niederlassung Groß-Friedrichsburg (am Kap der drei Spitzen), andere Faktoreien folgten hier. Versuche, auch in Westindien Fuß zu fassen — auf St. Thomas wurde eine Faktorei angelegt —, scheiterten an der Eifersucht Hollands und Frankreichs.

Kämpfe gegen die Barbaresken 1674–1688 und die Franzosen vor Genua 1684 (Bombardements von Algier und Genua).

Wir wissen, daß jedesmal nach größeren Kriegen an die westeuropäischen Marinen die Aufgabe herantrat, kräftiger gegen die Raubstaaten Afrikas vorzugehen; wenn man sich während der Kriege mit der notwendigsten Sicherung der Kauffahrer gegen Seeraub begnügen mußte, nahm dieses Räuberunwesen stets zu.