Von 1675 an hielten die Engländer[223] ein stärkeres Geschwader an der Nordküste Afrikas, unter dessen Druck Verhandlungen mit Algier, Tunis und Tripolis geführt wurden. Blockade der Häfen, Wegnahme einzelner Schiffe, Gefechte mit Seeräubergeschwadern, auch Bedrohung oder gar Bombardement der Hauptstädte (z. B. 1677 der Stadt Tripolis durch Admiral Narbrough) führten dann zur Befriedigung der englischen Forderungen: Rückgabe von Gefangenen, Zahlung von Entschädigungen, Abschluß von Verträgen; doch wurden seitens der Barbaresken stets die Verträge gebrochen und die Raubzüge wieder aufgenommen. Im Jahre 1681 hören diese größeren Unternehmungen auf, wohl weil die Franzosen von jetzt an sehr energisch vorgingen.
Das englische Geschwader wirkte auch mit zur Verteidigung von Tanger, welche Besitzung öfters von Marokko angegriffen wurde. 1683 räumte England Tanger, weil die Kosten der Erhaltung und Verteidigung seinem Werte nicht zu entsprechen schienen. Man gab es auch nicht an Portugal, den früheren Besitzer, zurück, sondern schleifte die Hauptwerke; die Mauren befestigten es aber sofort wieder. Dieses Aufgeben eines strategisch wichtigen Punktes ist selten in der englischen Marinepolitik und wurde auch später bedauert; selbst wenn die Stellung wenigstens von den Portugiesen gehalten wäre, würde es von Nutzen gewesen sein, da diese vom nächsten Jahrhundert an ganz von England abhängig wurden.
Unwesentlicher waren die Operationen der Holländer.[224] In den ersten Jahren nach dem Frieden 1678 mußte man sich wegen Geldmangels und Schulden der Admiralitäten wie während des Krieges auf den allernotwendigsten Schutz der Kauffahrer beschränken. Von 1686 an wurden zwar größere Geschwader entsendet; erwähnenswerte Ereignisse fanden jedoch auch dann nicht statt.
Weit bedeutender aber sind die Unternehmungen der Franzosen.[225] Sie sind besonders bemerkenswert, da bei ihnen zum ersten Male im Seekriege die „Bombe“ eine wichtige Rolle spielt; ferner zeigen gerade sie, mit welcher Hartnäckigkeit und auch Kraft die Barbaresken auftraten, wie schwer es den europäischen Mächten wurde, diese niederzuhalten.
Auch die Franzosen hielten seit dem Frieden 1678 Geschwader an der afrikanischen Küste, die ihre Fahrten zum Schutz des Handels bis zur Levante ausdehnten. So zerstörte du Quesne 1681 im Hafen von Chios eine Anzahl Schiffe von Tripolis, ohne sich um die Türken zu kümmern; die türkischen Batterien, die eingriffen, wurden zum Schweigen gebracht. Zwar entstand darob großer Zorn in Konstantinopel, aber der Sultan, mit Österreich im Kampfe, wünschte keine Zerwürfnisse mit Frankreich; du Quesne drückte sogar mit seiner Flotte weiter darauf, daß der Sultan Tripolis zum Frieden bewöge. Auch die Freibeuter des Kanals, jetzt unbeschäftigt, wurden gegen die Barbaresken verwendet; Jean Bart, schon seit 1679 in der königlichen Marine angestellt, tat hier 1681 den ersten Dienst als Führer kleiner Geschwader solcher Schiffe, die teils von Unternehmern, teils von der Krone unterhalten wurden. Die Erfolge waren aber wie bei den Engländern immer nur von kurzer Dauer; besonders Algier war schwer zu bändigen, der Dey erklärte sogar im Oktober 1681 förmlich den Krieg an Frankreich.
Man erwog nun den Plan zu einem großen Schlage gegen die Stadt Algier; der später an du Quesne gegebene Befehl lautete: „Diese anzuzünden und von Grund aus zu zerstören.“ Gut befestigt wie die Stadt war, glaubte man nicht, ihn mit der Flotte allein ausführen zu können, und faßte schon einen größeren Einfall in das Land ins Auge, um sie dann regelrecht zu belagern. Um diese Zeit aber hatte ein junger Edelmann, Renau d'Eliçagarey, der sich mit Schiffbaufragen beschäftigte, einen Plan für verbesserte Mörserboote vorgelegt.
Wir haben gehört (Seite [173]), daß man um diese Zeit wohl schon in allen Marinen Mörserboote kannte. Sie waren aber nicht genügend segel- und seefähig, um Flotten auf weite Entfernungen begleiten zu können, auch erlaubten Lafettierung und Aufstellung bei schwereren Mörsern wegen des Rückstoßes keine hohen Elevationen. In diesen Hinsichten machte Renau nun Verbesserungen, besonders durch die Konstruktion einer schrägen (um 45° geneigten) und gut federnden Bettung. Die Boote waren etwa 23 m lang und 8 m breit, hatten etwas vor der Mitte zwei Bettungen für je einen Mörser mit der Feuerrichtung nach vorn; sie führten daneben 4 leichte Kanonen und waren mit einer Takelage versehen, die im Gefecht (vor Anker) teilweise niedergelegt werden konnte. Nach den ersten Erfahrungen 1682 wurden sie verbessert; so erhielten sie eine Brustwehr von Netzen mit altem Tauwerk gefüllt, wie man später auf den Schiffen die Hängematten und Kleidersäcke als Schutz verwandte, das Ankergeschirr wurde sehr vermehrt, um die Boote gut festlegen zu können. (Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 414 ff.)
Fünf solcher Galiotes à bombes à la Renau wurden 1681/82 in Havre und Dünkirchen gebaut; sie bewährten sich bei den Proben. Man beschloß nun, zu versuchen, mit ihnen Algier durch ein großes Bombardement niederzuzwingen oder zu vernichten, und zog sie 1682 ins Mittelmeer. Wir werden sehen, daß auch ihr Erfolg den Erwartungen nicht völlig entsprach: Geschütze und Munition waren noch zu unvollkommen; immerhin ist es die erste große Verwendung von Sprenggeschossen im Seekriege. Ehe wir zur Besprechung der verschiedenen Unternehmungen gegen Algier (und auch gegen Tunis und Tripolis) schreiten, sei die taktische Verwendung dieser Mörserboote geschildert, wie sie du Quesne 1682 und 1683 anordnete.
Ich wähle zu dieser Schilderung die Anordnung des Bombardements im Jahre 1683, da diese nach den Erfahrungen des Vorjahres sehr verbessert war (Plan vergl. Seite [405]).