Er erhielt nahezu alles, was er verlangt hatte. An Mörserbooten waren jetzt 7 vorhanden; die Senkschiffe fehlten — es sind 2 vorbereitet, doch werden sie später nicht mehr erwähnt —, dagegen erhielt er 2 „Kupferminen“ — sehr schwere Gefäße mit Pulver, Projektilen und Feuerwerkskörpern gefüllt, sonst Konstruktion unbekannt —, die in Fahrzeugen gegen die Hafensperre herangeführt werden sollten. Auch 16 Galeren stießen zur Flotte; sie waren jedoch bei Beginn der Operationen noch nicht zur Stelle, wurden später wiederum zur Auffüllung von Wasser und Proviant zurückgesandt und kamen nicht wieder (Grund: zu vorgerückte Jahreszeit oder die bekannte Spannung zwischen der Galeren- und Hochseeflotte). Der Stützpunkt auf den Balearen scheint nicht eingerichtet zu sein. Trotz des Admirals Bitte wurden aber mehrere überzählige Kapitäne und eine große Zahl Gardes de la marine zur Belehrung auf die Flotte kommandiert und zwar besonders an Bord der Schiffe, auf die sich die Mörserboote stützen sollten. Legendenhaft — auch nach Jal — ist endlich die Mitgabe von 2 „großen Bomben“; mitgegeben sind sie, aber es ist nicht zu sagen zu welchem Zweck; ein besonderer Mörser war nicht vorhanden, vielleicht war ihre Verwendung ähnlich gedacht wie die der Kupferminen, oder es sind diese.

Die Ausrüstung der neuen Flotte wurde mit Eifer betrieben; der Sekretär des Marineministeriums, de Seignelay (Sohn Colberts), erschien selbst in Toulon, aber infolge von Verzögerungen und widrigen Winden traf du Quesne erst am 18. Juni 1683 vor Algier ein.

Am 23. waren unter Tourvilles Leitung alle Vorbereitungen für die Bombardementsstellung getroffen, jetzt genau in der Seite [404] beschriebenen Weise; starker ablandiger Wind und Seegang hinderten jedoch bis zum 26. abends das Vorschicken der Mörserboote. Dann wurden, wieder unter Tourvilles Leitung, in dieser und der nächsten Nacht 200 Bomben geworfen. Der Feind antwortete lebhaft aber mit wenig Erfolg, die Franzosen dagegen hatten bessere Ergebnisse als im Vorjahre; die Munition war besser, nur etwa 25 Bomben krepierten zu früh, und die Elevation war richtiger bemessen. Obgleich am 28. früh Wind und See so zunahmen, daß verschiedene Mörserboote vertrieben und beim Verlassen der Stellung mehrere der Verholleinen brachen, sandte der Feind doch Parlamentäre. Du Quesne weigerte sich, auf Verhandlungen einzugehen, ehe nicht sämtliche Sklaven französischer Nation freigelassen seien, worauf während der nächsten Tage gegen 600 auf der Flotte abgeliefert wurden; die Verhandlungen zogen sich aber trotzdem hin. Nach den mitgegebenen und weiter eingehenden Instruktionen sollte der Admiral nicht nur die Herausgabe der Sklaven und die Zahlung von einer Million Franken für französischen Untertanen zugefügten Schaden verlangen, sondern auch, daß der Dey demütig Abbitte tue für die Unverschämtheit (insolence), überhaupt gegen den König Krieg geführt zu haben; endlich war du Quesne streng untersagt, die Auslieferung mohammedanischer Sklaven auf französischen Galeren zu versprechen. Gerade dieser letzte Punkt scheint die herrschenden Elemente in Algier, die Janitscharen, empört zu haben; am 23. Juli brach eine Militärrevolution aus, der Dey wurde ermordet und der Führer der Empörung brach die Verhandlungen ab.

Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens eröffnete du Quesne die Beschießung von neuem. Der Kampf wurde jetzt von den Barbaresken auf das energischste und grausamste geführt: das Feuer wurde noch heftiger und nun auch mit mehr Erfolg erwidert; ein nächtlicher Ausfall wurde gemacht und hierbei ein Wachtboot genommen; französische Sklaven und Gefangene, darunter der Konsul, wurden vor die Mündungen der Kanonen gebunden. Bis zum 18. August warfen die Franzosen über 1000 Bomben — dann wurde die Munition knapp —, die Stadt lag halb in Trümmern, aber sie ergab sich nicht. Da auch die Batterien noch nicht zum Schweigen gebracht waren, hielt du Quesne eine Forcierung des Hafens nicht für ratsam.

Für ein Forcieren war der Admiral nie gewesen, wenn nicht die Befestigungen vorher niedergekämpft seien. Ludwig XIV. war empört, daß die Stadt nicht schneller bezwungen wurde; er machte (Ende Juli) du Quesne die schwersten Vorwürfe und schrieb dabei: er müsse annehmen, daß dieser nicht forcieren wolle, weil er stets dagegen gewesen; er beföhle es nunmehr. Wenige Tage später schrieb de Seignelay, im Namen des Königs, etwas milder, wies aber auch auf gewaltsamen Angriff hin und sandte gleichzeitig an Tourville unmittelbar den Befehl, einen solchen auszuführen: mit Hilfe der beiden Minen die Hafensperre (Kette und Pfahlwerk) zu sprengen, die Schiffe im Hafen und die Stadt anzuzünden; Galeren und Schiffsboote seien ihm dazu unterstellt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Tourville — jetzt auch Generalleutnant und Zweiter im Kommando —, der sich hier sonst sehr auszeichnete, gegen du Quesne intriguierte. In Briefen an den Marinestaatssekretär und an den Hof warf er dem Oberbefehlshaber Fehler und Lauheit (z. B. die lange Pause) beim Bombardement vor, auch erklärte er, daß ein Forcieren wohl möglich sei. Das erste war ungerecht, du Quesnes Aufgabe war gewesen, einen Frieden herbeizuführen, und er stand ja in Unterhandlungen; das letzte war mindestens fraglich. Ein gewaltsamer Angriff würde jedenfalls viel französisches Blut gekostet haben, so betrug der Verlust in der Hauptzeit der Beschießung, nämlich bis zum 29. Juli, nur 20 Tote und 78 Verwundete; darunter allerdings 13 Offiziere der Mörserboote und Schaluppen.

Auch nach Eingang dieser ausdrücklichen Befehle geschah nichts. Du Quesne war beleidigt, und die Forcierung ging ihn nach der Order an Tourville nichts mehr an. Tourville selbst erklärte jetzt aber auch die Sache für nicht ausführbar: Es fehlten die Galeren (die, wie wir wissen, nicht wiedergekommen waren); die Minen seien unbrauchbar, da nach Aussage der damit vertrauten Offiziere keine Fahrzeuge für deren Verwendung vorbereitet seien. Hiermit wurde ein neuer Vorwurf gegen du Quesne verbunden: Diese Offiziere hätten ausgesagt, der Admiral habe trotz ihrer Vorstellung die Herrichtung geeigneter Fahrzeuge in Toulon nicht abwarten wollen.

Im September erhielt du Quesne Befehl, beim Eintritt der ungünstigen Jahreszeit die Belagerung aufzugeben; Anfang Oktober ging er deshalb nach Toulon, Tourville mit 7 der bestsegelnden Linienschiffe zur Blockade zurücklassend. So endete auch dieser Angriff ohne Erfolg; Algier unterwarf sich den Friedensbedingungen erst infolge der beständigen Blockaden im Frühjahr 1684. Die Machthaber der Stadt sollen stets gesagt haben, ein Bombardement schade ihnen nichts, die Stadt sei reich genug und mache so gute Beute, daß sie sich nach einer Beschießung besser als vorher wieder aufbauen könne; auch gab Ludwig etwas nach, da er gerade andere Pläne im Mittelmeer hatte (Angriff auf Genua 1684). Die weiteren französischen Operationen gegen die Barbaresken seien hier noch kurz geschildert.

Tourville hatte im Frühjahr 1684 einen hundertjährigen (!) Frieden mit dem Dey geschlossen, aber schon 1685 nahmen die Räubereien, zuerst von Tunis und Tripolis aus, wieder überhand. Im Juni dieses Jahres erschien deshalb d'Estrées mit einem Geschwader vor beiden Städten und zwang sie durch Beschießung zur Zahlung großer Entschädigungssummen. 1688 griff er auch Algier an; vom 1.–14. Juli wurden aus 10 Mörserbooten gegen 10000 Bomben geworfen. Da sich aber die Boote in schlechtem Zustande befanden und auch sonst die Beschießung weniger sorgfältig vorbereitet war, erreichte man noch weniger als früher du Quesne. Die Stadt weigerte sich zu unterhandeln und gab erst im nächsten Jahre aus anderen Gründen nach.

Diese Züge kommandierte d'Estrées, obgleich er Vizeadmiral des Atlantik war, da sich du Quesne 1684 vor Genua mit de Seignelay überworfen hatte. De Seignelay hatte sich hier zu sehr in die Befehlsbefugnisse du Quesnes gemengt, so daß dieser zeitweise seine Kajüte nicht verließ. Der Staatssekretär hatte nach den leichten Erfolgen 1685 an d'Estrées geschrieben, wenn er 1682 und 1683 kommandiert hätte, würde die Sache wohl besser verlaufen sein; der Mißerfolg des Jahres 1688 war also eine große Genugtuung für du Quesne.