Vorläufig war es nur ein Defensivbündnis und noch nicht stark genug zum Handeln. Noch war Österreich nicht frei im Osten, wenn es auch 1683 die Türken in Ungarn in die Defensive gedrängt und immer weitere Erfolge gehabt hatte (Ofen erobert, September 1686). Noch fehlte es an Geld, die Niederlande waren trotz Oraniens Wunsch nicht willens, wieder den Bankier für einen Staatenbund abzugeben; sie waren auch noch nicht geneigt, Oraniens Absichten auf England mit Schiffen und Geld zu unterstützen, weil sie wußten, daß dies sofort einen Krieg mit Frankreich herbeiführen würde; Oranien selbst war auch wohl seiner Sache dort noch nicht sicher genug. Neue Ereignisse brachten die Angelegenheit in Gang.

Im November 1687 nahm Ludwig die Handelszugeständnisse zurück, die er im Frieden von Nymwegen den Holländern gemacht hatte, und drohte dadurch ihren Handel schwer zu schädigen.

Nun schlug die Stimmung in den Niederlanden um; es gelang Oranien mit Hilfe einiger vertrauter Staatsmänner, sich die Bereitschaft von Kriegsschiffen für das kommende Jahr zu sichern sowie Gelder zum Mieten von Truppen und Transportern zu verschaffen; beides geheim und unter anderen Vorwänden.

Im Juni 1688 wurde in England ein Thronfolger geboren. Die Furcht, das katholische Königstum auch nach Jakob II. fortgesetzt zu sehen, brachte die englische Nation fast allgemein dazu, jetzt Maria und Wilhelm wirklich herbeizurufen. In Köln starb 1688 der Kurfürst. Die französische Partei wählte den französisch gesinnten Wilhelm von Fürstenberg; Kaiser und Reich (auch der Papst) erkannten ihn nicht an, französische Truppen setzten ihn ein und beschützten ihn in Bonn, während Köln ihm die Tore verschloß und mit Hilfe Brandenburgs entgegentrat. So war ein erster Zusammenstoß da und Ludwig erachtete überhaupt die Zeit für den Angriff seinerseits gekommen, ehe der Augsburger Bund völlig kampfbereit sein würde und einen tatkräftigen Führer erhielte. Österreich hatte 1687 neue Erfolge gegen die Türken errungen (Sieg bei Mohacs) und Ungarn wieder ganz unterworfen, konnte also bald seine volle Kraft nach Westen verwenden; anderseits wußte Ludwig Oranien zur Zeit in erster Linie mit seinen englischen Plänen beschäftigt.

Ludwig erklärte deshalb am 24. September 1688 den Krieg an Deutschland und fiel sofort in die Rheinlande ein. Diese Gelegenheit benutzte wieder Oranien, seinen Übergang nach England auszuführen; die Vorbereitungen waren nahezu vollendet, die Niederlande stimmten jetzt auch offiziell zu, die Ausführung wurde allerdings durch Wetterverhältnisse verzögert. Er landete am 15. November bei Torbay und trat dann, sobald er schnell und unblutig festen Fuß gefaßt hatte (18. Februar 1689 wurden Wilhelm III. und Maria zu gleichem Recht auf den für erledigt erklärten Thron erhoben; Jakob floh nach Frankreich), auch für England dem Augsburger Bunde bei; an Holland hatte Ludwig den Krieg erklärt, als er von dem Zuge Oraniens Kenntnis erhielt. Durch Englands und endlich Savoyens Beitritt wurde der Bund zur großen Wiener Allianz von 1689 erweitert.

Ein französischer Autor sagt zutreffend: „Die Revolution in England führte den Krieg von 1688 herbei und dieser Krieg ermöglichte wiederum die englische Revolution.“

So mußte Frankreich gegen ganz Europa einen Krieg ohne einen einzigen Bundesgenossen führen, und es war eingetreten, was seine Politik sonst stets gefürchtet und deshalb bisher verhütet hatte: die Seemächte England und Holland waren verbündet. Sie waren sogar unter demselben Herrscher vereinigt.

Diese letzte Tatsache war die Folge kaum begreiflicher Fehler der Könige Ludwig und Jakob: Ludwig hatte Jakob unablässig und dringend vor den Plänen Oraniens gewarnt und ihm Unterstützung durch Truppen, Geld und Schiffe angeboten. Der englische König schlug alles ab, entweder weil er seiner Flotte unbedingt traute (hiervon später) oder weil er fürchtete, daß bei der Stimmung des englischen Volkes das Eingreifen der Franzosen eine Katastrophe beschleunigen würde. Vielleicht trat eine Unterschätzung der Gefahr hinzu, um so mehr, da ein früherer Versuch gegen seinen Thron leicht niedergeschlagen worden war.

(1685 hatten der Herzog von Monmouth und der Graf von Argyll einen Versuch gemacht, Aufstände in England und Schottland zu erregen. Sie landeten von Holland aus mit einigen wenigen Schiffen und Truppen in Dorsetshire und an der Westküste Schottlands, wurden jedoch beide bald überwältigt und hingerichtet.)

Aber auch Ludwig scheint bei der Hartnäckigkeit, mit der er seine Ziele auf dem Festlande im Auge hatte, diesen Umstand nicht genügend gewürdigt zu haben. Er begann einen schweren Krieg im Osten und bedachte dabei nicht, daß die im Herzen feindliche englische Nation in seiner Flanke darauf brannte, in den Kampf gegen ihn einzutreten, und hierzu nur eines Führers bedurfte. Wenn er Holland zu Lande angriff und seine Flotte — zu dieser Zeit selbst der vereinten englischen und holländischen überlegen — in den Kanal schickte, so konnte er Oranien in den Niederlanden festhalten; wenn dies rechtzeitig geschah, so wäre auch vielleicht das Verhalten der englischen Flotte ein anderes gewesen. Während der Vorbereitungen zu Oraniens Expedition und während der späteren Verzögerung ihres Abganges bestürmten der französische Gesandte im Haag und der Marineminister Seignelay den König, die Flotte auslaufen zu lassen, aber vergeblich. (Des Kriegsministers Louvois Einfluß gegenüber dem Seignelays'?)