1690 fehlten bei der Hauptflotte in der Schlacht bei Beachyhead etwa 10 Linienschiffe — sie waren, wie auch in England, nicht fertig und traten erst später hinzu —, es waren aber 10 im Mittelmeer. 1692: bei La Hogue waren 29 Linienschiffe, darunter 8 über 80 Kanonen. 1693: 29 Linienschiffe bei der Flotte, 9 über 80 Kanonen; 6 im Mittelmeer; 14 vor Dünkirchen usw. 1694: Gesamt 49, 11 über 80 Kanonen; 1695: 43; 1696: 40 Linienschiffe. Also waren meistens 45–50 Linienschiffe über 50 Kanonen im Jahre im Dienst.

Es muß schließlich erwähnt werden, daß in diesem Kriege zwar wiederum in einzelnen Jahren Verzögerungen bei der Ausrüstung der Schiffe eintraten (Geldmangel bei den Admiralitäten), daß aber über die Ausführung nicht geklagt wird wie zu Ende des vorigen Krieges; wenn die verbündete Flotte durch mangelhaften Zustand der Schiffe gelähmt wurde, scheint es stets an den englischen gelegen zu haben; auch waren die Holländer in der Innehaltung des Termins für die Aufstellung der Jahresflotte pünktlicher.

Was das Personal anbetrifft, so verfügte die holländische Marine über tüchtige Admirale aus der Schule Ruyters, wie z. B. Almonde, Callenburgh, Evertsen (der „Jüngste“); sie traten nicht so hervor, da die Holländer dem Vertrage gemäß stets unter englischem Oberbefehl fochten. In der inneren Organisation waren durch Oraniens Einfluß verschiedene Einrichtungen verbessert und erweitert, die den Geist des Personals heben sollten: Vermehrung der Kapitäne und Offiziere auf Halbsold, um immer unabhängiger von Aushilfskräften zu werden; überetatsmäßige Kommandierung dieser an Bord, um sie in Übung zu erhalten; Instruktionen für Dienstbetrieb und Disziplin, für Verpflegung und Gesundheitspflege. Die Bemannungsfrage war wieder schwierig: der Krieg war nicht so volkstümlich wie der gegen England; Seefahrt und Fischerei wurden im allgemeinen nicht eingestellt, man wollte die Einkünfte daraus nicht verlieren und fürchtete bei der langen Dauer des Krieges, der Handel würde in andere Hände übergehen; die Freibeuterei lockte mehr durch freieres Leben und größeren Gewinn; der Zudrang aus Schweden und Dänemark fiel aus, da auch hier infolge eines drohenden Zusammenstoßes größere Flotten in Dienst gehalten wurden, Fremde kamen nur noch zahlreich von Bremen und Hamburg. Ähnliche Maßnahmen wie früher wurden ergriffen: Zeitweises Verbot der Schiffahrt, wenn die Flotte in Dienst gestellt wurde, oder Verpflichtung der Rhedereien, Leute zu stellen. Der Versuch, ein festes Matrosenkorps zu gründen (1688 etwa 7000 Mann), scheiterte an der Abneigung der seemännischen Bevölkerung, doch gelang es meist, schon im Winter, wenn die Schiffahrt daniederlag — und die Matrosen der Kauffahrer oder der vorjährigen Flotte ihr Erspartes nach Seemannsart bald verjubelt hatten —, eine Reserve von etwa 9000 Mann für das nächste Frühjahr anzuwerben. So wurde der Bedarf, 16–18000 Mann in einigen Jahren 20000, stets gedeckt, man findet keine Klagen hierüber und das holländische Personal errang in diesem Kriege mehrfach das Lob Oraniens.

Das in den beiden letzten Kriegen vorhandene Seesoldatenkorps war wieder aufgelöst, obgleich es sich so gut bewährt hatte. Da die Seeoffiziere besonders den Verlust des gut geschulten Gewehrfeuers bedauerten, sicherte sich die Admiralität von Amsterdam einige Kompagnien der Landtruppen dieser Provinz zur Einschiffung.

So kann man wohl nicht sagen, daß die holländische Marine schon unter Oranien vernachlässigt sei, um so weniger, wenn man die doch schon beginnende Erschöpfung des Landes in Betracht zieht. Auch wenn der König in England war, verhandelte er eifrig — auch mündlich — mit den Vertrauten, die jetzt die Seele des Seewesens in Holland waren: Der Ratspensionär von Holland, Heinsius (vor ihm Fagel, der unmittelbare Nachfolger de Witts), und der Sekretär der Admiralität Amsterdam, de Wildt; dieser war Vertreter des Statthalters im Seewesen, ein Generalleutnantadmiral wurde nach Tromps Tode nicht wieder ernannt.

Daß die Ansicht (sogar durch holländische Schriftsteller) später ausgesprochen ist, Oranien habe die Marine verfallen lassen, erklärt de Jonge mit folgenden Umständen: Mit Ruyters Tode habe Brand, dem die besten Überlieferungen der früheren Kriege zu danken („Leben Ruyters“), aufgehört zu schreiben, Archive usw. seien früher schwer zugänglich gewesen und so hätten genaue Angaben über den Umfang der Indienststellungen und über die Leistungen der Marine gefehlt. Große Ereignisse und Erfolge seien in diesem Kriege selten gewesen; England sei mehr hervorgetreten, da es die größere Zahl der Schiffe und die Oberbefehlshaber gestellt habe.

Wenn Oranien damit einverstanden war, daß Holland so eine zweite Rolle spielte, so braucht man darin allerdings noch keine böse Absicht zu erkennen. Es ist nicht auffallend, daß die Republik mehr zu dem Landkriege, der ihre Grenzen berührte, herangezogen wurde als England; hiermit aber war die jetzt einflußreiche Partei, die aristokratische, wohl sehr einverstanden; wir wissen, daß sie stets das Landheer vor der Marine begünstigte.

De Jonge hebt dann ausdrücklich hervor: Was in Marinesachen geleistet, sei nur Oranien zu verdanken, er habe stets auf noch mehr hingestrebt; wenn dieses nicht erreicht sei, so seien andere Gründe schuld gewesen. (Es sind die uns bekannten: Parteiwesen, Uneinigkeit der Provinzen, Vielköpfigkeit der Regierung; eine äußerste Anstrengung war nur zu erreichen, wenn der Republik das Feuer auf den Nägeln brannte.) Der Verfall der Marine sei erst nach Oraniens Tode eingetreten.

Wir haben die Entwicklung der französischen Marine[230] bis zum Beginn des dritten englisch-holländischen Krieges verfolgt und gesehen, wie Colbert in wenigen Jahren die Seestreitkräfte Frankreichs auf fast gleiche Höhe mit denen Englands oder Hollands brachte, wenigstens was das Material anbetrifft. In derselben Weise arbeitete er weiter.

Für das Jahr 1681 wird der Schiffsbestand auf 70 Linienschiffe über 50 Kanonen und auf 170 Segel insgesamt angegeben; unter Colbert wurden die verbesserten Mörserboote gebaut, die dann auch die anderen Marinen einführten. Mit du Quesne wirkte er für die Ausbildung und Disziplinierung des Personals, besonders der Offiziere; der Krieg mit Holland im Mittelmeer (1674–78), der Kampf mit den Barbaresken später gaben Gelegenheit zum Sammeln von Erfahrungen, und seit dem Frieden von Nymwegen wurden stets große Übungsgeschwader im Dienst gehalten; in Kriegs- und Friedenszeiten waren nichtbeschäftigte Offiziere, auch Kommandanten, überetatsmäßig an Bord kommandiert. Wie früher Artillerie- und Navigationsschulen, so wurde 1680 eine Schiffbauschule gegründet; mit Bau der Mörserboote errichtete man besondere Bombardierkompagnien. So schritt die Entwicklung der Marine unter Colbert stetig fort, trotzdem daß er in seinen letzten Jahren schon mit Finanzschwierigkeiten im Lande zu kämpfen hatte; wenn wir sahen, daß schon 1678 die Ausrüstung der Flotte zu wünschen übrig ließ, so scheint dies mehr an Reibungen zwischen den Verwaltungs- und Kommandobehörden gelegen zu haben, denn die französischen Quellen heben ausdrücklich hervor, daß Colbert noch leistungsfähige Werften und wohlgefüllte Magazine hinterlassen habe.