Wo waren die Engländer? Jakob II. hatte eine ansehnliche Flotte im Dienst. Diese hatte den Sommer über unter dem katholischen Admiral Strickland vor Dover gelegen mit Vorposten im Kanal und vor der Themse; später aber war sie unter dem protestantischen Admiral Earl of Dartmouth in die Themse zurückgezogen; die holländische Expedition hatte sie beim Steuern in den Kanal fast in Sicht passiert. Der Wind soll an diesem Tage ein Ankerlichten verhindert haben; erst am 15. konnte sie dem Feinde folgen, wurde dann aber, gegen den Sturm aufkreuzend, festgehalten, bis es zu spät war. Es ist wohl anzunehmen, daß weder vom König strikte Befehle eingegangen, weil dieser der Marine nicht mehr traute (auf den Werften usw. hatten schon ungünstige Kundgebungen stattgefunden), noch in der Flotte ernstliche Absichten, einzugreifen, vorhanden waren. Bald nach den geschilderten Ereignissen wurden infolge eines Kriegsrates die katholischen Kommandanten an Land gesetzt und eine Adresse an Oranien gesandt; Mitte Dezember stellte sich die Flotte diesem völlig zur Verfügung.
Oranien marschierte auf London; Truppen, die bei Salisbury standen, gingen zu ihm über. Jakob verkündigte eine Amnestie und versprach, allen Beschwerden abzuhelfen; zu spät, alles verließ ihn, er mußte nach Frankreich fliehen. Am 18. Dezember zog Oranien in London ein und wurde am 18. Februar 1689 als König anerkannt.
Die holländische Flotte kehrte in zwei Abteilungen im Januar und März 1689 nach Holland zurück.
Jakobs II. Einfall in Irland und die Operationen 1689. Ludwig XIV. hatte nach Oraniens Übergang an Holland den Krieg erklärt, aber nicht an England, weil er Oranien nur als einen Eindringling betrachtete, der keineswegs das ganze englische Volk hinter sich habe, jedoch war er bereit, Jakob in seinem Versuche, sein Königreich wiederzugewinnen, zu unterstützen. Tatsächlich besaß Jakob in England noch viele Anhänger; die besten Aussichten hatte er aber in den schottischen Hochlanden und vor allein in Irland; von hier aus wollte er versuchen, seine verlorene Macht wiederzugewinnen. Es wäre nun die beste Gelegenheit gewesen, den Fehler von 1688 — daß man Oranien überhaupt hinübergelassen hatte — wieder gut zu machen, indem man die Überlegenheit der französischen Flotte jetzt noch voll ausnutzte, zunächst den Seekrieg gegen England und Holland führte und damit eine große Invasion in Irland, Schottland oder gar England selbst ermöglichte; dies geschah aber nicht.
Im März 1689 brachte ein kleineres französisches Geschwader — Chef d'Escadre de Gabaret — Jakob mit 8000 Mann in Cork an Land (22. bis 24. März). Er wurde mit Jubel begrüßt, zog in Dublin ein, nur in einzelnen Städten hielten sich die englischen Besatzungen; gleichzeitig erhoben sich unter Viscount Dundee die Hochländer in Schottland. Jakob verstand es aber nicht, seine Sache richtig zu führen — er lebte mehr der Entgegennahme von Huldigungen usw. — und wurde auch in der Folge nicht richtig von der französischen Flotte unterstützt, sonst hätte er mit Hilfe Irlands und Schottlands Wilhelms III. Stellung sehr erschüttern können. Sein Einfall war ohne jeden Widerstand seitens der englisch-holländischen Seestreitkräfte ausgeführt, da diese nicht fertig waren.
England und Holland hatten allerdings schon im Beginn des Jahres einen Vertrag über Ausrüstung einer gemeinsamen Flotte von 80 Linienschiffen, 24 Fregatten, 12 Brandern geschlossen; 50 Schiffe waren für den Kanal, 30 für das Mittelmeer[429] bestimmt. Wie schon im Jahre 1668 (Tripelallianz, Seite [308]) wurde dabei auch jetzt und auch später immer das Verhältnis auf 5/8 (England) und 3/8 (Holland) festgesetzt; England sollte 50 Linienschiffe, 15 Fregatten, 8 Brander stellen, Holland 30 Linienschiffe, 9 Fregatten und 4 Brander. Wie 1668 so war auch jetzt als Grund des schwächeren Kontingents Hollands angenommen, daß dieser Staat mehr durch den Landkrieg in Anspruch genommen werden würde, und dementsprechend wurden die aufzustellenden Armeen auf 100000 Holländer gegen 40000 Engländer normiert. Man braucht darin also, wie schon erwähnt, noch keinen Beweis des Rückganges der holländischen Marine zu sehen, aber es kennzeichnet doch wohl schon ein Zurücktreten der Seemacht Hollands hinter die Englands, und ganz besonders tun dies die sonstigen Bestimmungen des Vertrages. Nach diesen nämlich sollten nicht nur die Hauptflotte der Verbündeten, sondern auch alle selbständigen Geschwader oder sonstige detachierte Kräfte stets unter dem Oberbefehl eines englischen Offiziers stehen; ja, bei gemeinschaftlichem Kriegsrat hatten die englischen Flaggoffiziere und Kommandanten am „oberen Ende“ des Tisches zu sitzen (diese Bestimmungen entschuldigt de Jonge mit der „damaligen höheren Auffassung“ der Würde des Königtums).
Aber erst nach und nach sammelten sich die Schiffe der beiden Staaten. Die ersten Holländer trafen im Juni bei Wight ein. Die Schiffe, die 1688 im Dienst gewesen, waren erst im Januar und März zurückgekehrt und bedurften der Überholung; die kleineren Admiralitäten hatten überhaupt nicht genügend Kriegsschiffe und mußten Kauffahrer umbauen; den größeren mangelte Geld, bis die ostindische Kompagnie aushalf. In England hatten wohl die noch unsicheren inneren Verhältnisse eine rechtzeitige Indienststellung verhindert.
Erst als Jakobs Landung bekannt geworden, erhielt Admiral Herbert in Portsmouth den Befehl, mit den segelfertigen englischen Schiffen nach Irland zu gehen. Er erschien Mitte April vor Cork mit nur 12 Linienschiffen, hörte hier, daß das französische Geschwader bereits zurückgesegelt sei, kreuzte dann im Kanaleingang an der französischen Küste und hielt endlich wieder nach Cork hinüber, da er durch Aufklärungsschiffe erfahren hatte, daß eine neue französische Flotte unterwegs sei; am 9. Mai kam auch für kurze Zeit eine größere Zahl von Schiffen in Sicht.
Es war dies eine zweite französische Expedition, die am 6. Mai wiederum mit Truppen (5000?, 6000?, 7000? Mann, Munition und Kriegsmaterial) Brest verlassen hatte. Diese ihrerseits erfuhr am 9. vor Cork, daß Herbert in der Nahe sei; da man bei dem herrschenden Ostwinde auf den Ankerplatz hätte aufkreuzen müssen, steuerte der Chef Generalleutnant Château-Renault nach West und ankerte am 10. Mai 2 Uhr nachm. in der Bantrybay. Herbert war am 9., den Feind suchend, auch nach Westen gesegelt und sichtete die Franzosen am Abend des 10. in genannter Bucht. Château-Renault hatte sofort mit dem Ausschiffen begonnen, und als um 6 Uhr abends seine Vorposten das Herankommen der Engländer meldeten, waren fast alle Truppen schon am Lande. Er warf den Rest, der sich noch auf den Linienschiffen befand, auf die Transporter, lichtete Anker und hielt sich mit kleinen Schlägen gefechtsbereit im Eingang der Bucht, um das weitere Landen des Kriegsmaterials von den Transportern und Brandern zu decken. Die Nacht verbot auf beiden Seiten weitere Operationen; am 11. kam es zum Gefecht. Stärke der Gegner: