Engländer = 3 Schiffe zu 70 Kanonen; 5: 60–68; 5: 50–54; 5: 46–48; 1: 36; 1 Brander; 2 Mörserboote.
Franzosen = 4: 60–66; 12: 50–60; 8: 40–48; 2 Fregatten, 10 Brander.
Das Gefecht vor Bantrybay[233] 11. Mai 1689: Herbert beginnt morgens in die Bucht hinein aufzukreuzen. Als er aber die Stärke des Feindes genau erkennt, hält er es für ungeeignet, in der Leestellung und im beschränkten Wasser zu fechten. Er hält unter kleinen Segeln wieder in See, dabei bestrebt, seine noch nicht tadellose Linie zu verbessern und die Luvstellung zu gewinnen; das erste gelingt, das zweite jedoch nicht infolge Gegenmanöver der vordersten Franzosen. Château-Renault hatte bis 11 Uhr gewartet und ging dann erst an den Feind heran; auch seine Linie scheint nicht besonders gut gewesen zu sein infolge des Manövrierens in der Bucht.
Um 11½ Uhr vorm. begann das Gefecht. Es wurde auf französischer Seite nur von der Mitte mit Nachdruck geführt, während Vorhut — Chef d'Escadre de Gabaret — und Nachhut — Chef d'E. de Forant — sich lau zeigten. (Französische Quellen sagen wegen Eifersucht der Unterführer gegen den Geschwaderchef — alte Seeleute gegen einen Protegierten; nach Troude berichtete Château-Renault, Gabaret habe die Befehle zum Angriff nicht sofort befolgt, so daß er selbst mit der Mitte die Spitze habe nehmen müssen, und Forant sei nicht im Kielwasser geblieben; beide hatten Entschuldigungen für ihr Benehmen. Chabaud-Arnault sagt: „Gabaret und Forant gaben an, Renault habe das Gefecht schlecht geleitet, die nötigen Orders nicht zu geeigneter Zeit gegeben, dann war es aber Pflicht der Offiziere mit mehr Erfahrung, ihren Chef zu unterstützen. Herbert dagegen verstand es nicht, aus dem Fehler der Franzosen Nutzen zu ziehen“.) Herbert versuchte nun, den Feind von der Küste abzulocken; Ch. Renault jedoch brach um 5½ Uhr nachm. 21 sm. von der Küste das Gefecht ab, um seine Transporter nicht allein zu lassen. Das Gefecht war ziemlich scharf gewesen: ein französisches Schiff (54 Kanonen) war durch eine Explosion angehäufter Kartuschen fast ganz zerstört, auch die Engländer verloren ein Schiff sowie 100 Tote und 300 Verwundete. Für diese war es von großem Vorteil gewesen, daß die französischen Brander nicht zur Stelle waren, da sie noch Munition für die gelandeten Truppen löschten.
Das Gefecht war kein voller Sieg der Franzosen, aber auch keine besondere Leistung der Engländer, soviel schwächer waren diese nicht; dennoch wurde aus politischen Gründen Herbert zum Earl of Torrington ernannt und an zwei Kommandanten die Ritterwürde verliehen.
Auf beiden Seiten hatten viele Schiffe so gelitten, daß nichts weiter unternommen wurde: Herbert segelte nach Plymouth; Renault, der eigentlich nach beendeter Landung an der Küste bleiben und die englischen Seestreitkräfte verjagen sollte, ging nach Brest zurück (16. Mai dort). Er hatte zwar die erste Aufgabe trotz feindlichen Eingreifens in nur 10 Tagen gelöst, ein Verbleiben in den irischen Gewässern wäre aber von großer Wichtigkeit gewesen. Herbert schickte nämlich bei seiner Abfahrt ein kleines Geschwader in die irische See, nur zwei Schiffe (54 und 48 Kanonen) unter Kapitän Rooke, um dort einige kleinere Fahrzeuge an sich zu ziehen und sich dann dem Landkriege zur Verfügung zu stellen. Diese kleine Flottille leistete nun Wesentliches ohne Störung durch französische Seestreitkräfte; sie unterbrach die Verbindung zwischen Irland und Schottland für die Jakobiten und hielt eine solche zwischen Irland und England für Wilhelm III. offen, auch griff sie in den Kampf um Küstenplätze ein.
Londonderry — im Norden Irlands am Lough Foyle — wurde von den Jakobiten belagert und hart bedrängt; General Kirke stand in England mit Truppen zur Verstärkung; Rooke ankert am 10. Mai im Clyde (genauer unter der Halbinsel Cantine) und bestellt hierher die Transporter Kirkes vom Solway. Zunächst stoßen einige kleinere Fahrzeuge zu ihm, dann kommt am 8. Juni der Transport, gedeckt durch drei 48-Kanonenschiffe und ein 36-Kanonenschiff. Rooke geht nun nach dem Lough Foyle, trifft Mitte Juni dort ein; Kirke (früher Seesoldat) versucht nach Londonderry hinaufzukommen, findet aber das Fahrwasser durch Ketten und Sperren mit flankierenden Batterien gesperrt. Rooke läuft in den Lough Swilly ein und belästigt von dort den Feind (läßt nebenbei an der Küste auf kleinere französische Kriegsfahrzeuge kreuzen); Kirke forciert infolge eines antreibenden Befehles vom Marschall Schomberg am 28. Juni die Sperre mit einem Kriegsschiff und zwei Transportern. Es gelingt, die Verstärkungen in die Stadt zu werfen und die Jakobiten geben am 31. Juli die Belagerung auf.
Rooke kreuzt weiter zwischen der Nordspitze Irlands und der Insel Man im Nordkanal und führt den Transport mit Schombergs Hauptheer zur Niederwerfung Irlands nach Belfast Lough über. Nach und nach verstärkt, teilt er seine Flottille und beherrscht auch die irische See sowie den St. Georgskanal; am 18. September nimmt er sogar die wichtigste Insel im Hafen von Cork; erst im Oktober geht er nach den Downs, da seine Schiffe der Ausbesserung und Ausrüstung bedürfen.
Diese Erfolge der kleinen Flottille sind um so bemerkenswerter, als sonst die Beteiligung der Seestreitkräfte beider Gegner im Kampfe um Irland 1689 unbegreiflich gering ist. Die Franzosen hätten das Hinübergehen englischer Truppen hindern müssen, wahrscheinlich wäre dann im Sommer 1689 ganz Irland für Jakob gewonnen worden; die Verbündeten taten nach Bantrybay wenig, um sich die Herrschaft im Kanal zu sichern. Die Untätigkeit beider Gegner ist um so unverständlicher, als sie nach und nach über nicht unbedeutende Flotten verfügten; diese müssen wohl nicht recht kriegsbereit gewesen sein.
Zu Herbert stießen im Laufe des Juni bei Wight die Holländer, und die vereinigte Flotte war nun 61 Kriegsschiffe (34–92 Kanonen) und 17 Brander stark; die festgesetzte Stärke von allein 80 Linienschiffen war also bei weitem nicht erreicht, und von einer Entsendung nach dem Mittelmeer mußte abgesehen werden, dazu war man nicht stark genug. Die Flotte ging in See, um die französische Küste zu beunruhigen und um ein in Brest von Toulon erwartetes Geschwader — 20 Linienschiffe unter Tourville; am 9. Juni abgegangen — abzufangen; sie kehrte bald nach Torbay zurück, „da sie schlecht ausgerüstet war.“ Unmittelbar darauf (31. Juli) traf Tourville in Brest ein und übernahm den Oberbefehl über 70 Schiffe über 40 Kanonen.