Nach Delarbre waren die Verbündeten noch bei Cap Ouessant, als Tourville herankam; in größerer Nähe Brest zu blockieren, erschien ihnen zu gefährlich. Durch Aufklärung gut über den Feind unterrichtet, hielt sich Tourville bei nördlichem Winde 5 Tage lang in der Nähe, aber aus Sicht der Gegner, wartete, bis Südwestwind aufkam und lief dann in Sicht des Feindes in die Bucht (Iroise) ein.

Im August liefen die Verbündeten nochmals aus und Tourville trat ihnen bei den Scillys entgegen (Mitte des Monats); der Minister Seignelay befand sich an Bord. Die Verbündeten standen zu Luward, vermieden aber das „von den Franzosen gesuchte“ Gefecht. Es kam nur zum Zusammenstoß je eines vorgeschickten Linienschiffes in Sicht der Flotten.

Nach holländischen Angaben wollten sie sich wegen ihrer Minderzahl durchaus defensiv verhalten; nach französischen Quellen schonten sie sich, um einen erwarteten Smyrnaconvoi beider Nationen decken zu können. Dieser Convoi lief auch später unbelästigt in den Kanal ein. Beide Erklärungen stimmen also gut überein. Nach einer anderen französischen Angabe endlich waren auch die Franzosen nicht geneigt, in einer großen Schlacht zuviel aufs Spiel zu setzen.

Dann trennten sich die Gegner, gingen nach einigen Tagen in ihre Häfen und rüsteten bis auf kleine Wintergeschwader ab.

Tourville.

Das Jahr 1690. Die Schlacht bei Beachy Head (oder Béveziers). Für 1690 rüstete Frankreich gewaltig zur See mit der Absicht, die englisch-holländischen Streitkräfte zu vernichten — womöglich einzeln vor ihrer Vereinigung; die Engländer überraschend in ihren Häfen —, die Seeherrschaft völlig zu erringen und dann in England einzufallen. In Rochefort wurden innerhalb dreier Monate 15 Galeren zur Unterstützung der Segelflotte gebaut und Truppen an den Küsten zusammengezogen; es waren zwar nur 8000 Mann, man rechnete aber mit Erhebung der Jakobiten in England und hielt für diese Waffen zur Überführung bereit. In Brest lagen über 60 Linienschiffe unter Tourville, eine Verstärkung aus Toulon wurde erwartet; infolge Mangels an Personal und an Material in den Arsenalen war aber die Flotte (70 Linienschiffe) nicht vor Ende Juni fertig.

Tourville (nach Chabaud-Arnault) geboren 1637; in der harten Schule der Malteser-Ritter erzogen, besonders zum tüchtigen Seemann; 1666 Kapitän in der französischen Marine, trat früh hervor; im Frieden mehrfach Kommandant von Schulschiffen für Seeoffiziere; zeichnete sich aus im Kriege 1674–1678 im Mittelmeer, später vor Algier und Genua. — Kräftige, schöne Erscheinung und aristokratisches Auftreten; ehrenhaft, vielleicht nicht ganz aufrichtig (siehe sein Benehmen gegen du Quesne); gehorsam, scheute sich aber nicht, seine Ansicht auszusprechen; persönlich mutig bis zur Tollkühnheit; klug und geschickt bei Entwerfen von Operationen; ließ sich nicht beeinflussen beim Fassen von Entschlüssen und scheute sich nicht vor Verantwortung; in allen Zweigen des Dienstes erfahren, aber kein Organisator wie du Quesne.