Wir finden aber auch andere Urteile: Seignelay, dessen Befehle vom grünen Tisch er nicht immer ausführte, sagte von ihm „brave de coeur, mais poltron de tête“, wogegen Sue wohl richtiger sagt „brave de sa personne et poltron pour ses matelôts“.

1689 wurde er Vizeadmiral der Levante und nach d'Estrées' sen. Abgang als ältester Vizeadmiral Chef der großen Flotten, 1693 Marschall, gestorben 1701. — Biographie von Delarbre.

Die Verbündeten hatten die Indienststellung einer gleich starken Flotte wie im Vorjahre (80 Linienschiffe) beschlossen; hier blieb man noch mehr im Rückstande. Am 1. Juli lagen nur etwa 50 Linienschiffe — darunter nur erst 18 Holländer — unter Herbert bei Wight; allerdings waren ein größeres und ein kleineres Geschwader detachiert und einige Schiffe in Plymouth bereit, zur Flotte zu stoßen. Weitere holländische Schiffe, deren Ausrüstung wieder wegen Geldmangels nicht rechtzeitig fertig wurde, kamen erst im Laufe des Juli nach und nach hinzu. Auch in England war die Rüstung mit einer unverständlichen Lauheit betrieben worden, scheinbar ein Fehler der Regierung. Admiral Herbert hatte während des ganzen Winters vergeblich auf rechtzeitige Ausführung gedrungen; der Premierminister Nottingham nahm in Unterschätzung der Franzosen die Sache leicht (vgl. z. B. Colomb, Seite 110: Herberts Verteidigung in seinem späteren Prozeß); auch in Holland scheint der Feind unterschätzt worden zu sein.

Das größere der genannten Geschwader war an der spanischen Küste. Schon bei der Abrüstung 1689 war es im Dienst behalten, 16 englische und 9 holländische Linienschiffe stark. Es sollte Anfang 1690 nach dem Mittelmeer gehen, um einen großen gemeinsamen Convoi dahin zu geleiten und dann die französischen Streitkräfte von Toulon dort festzuhalten. Verschiedene Umstände — Ausrüstung; Wetter; Erwarten der Braut des Königs von Spanien (Maria Anna, Tochter des Kurfürsten von der Pfalz), die nach Coruña gebracht werden sollte; Sammeln des Convois —, in der Hauptsache aber scheinbar Unschlüssigkeit in England (die Holländer klagen darüber), verzögerten die Abfahrt; erst Mitte März ging man mit einem großen Convoi in See. An der spanischen Küste wurden Schiffe abgezweigt, um die Prinzessin zu geleiten, andere zur weiteren Begleitung der Kauffahrer; ein Sturm trennte die übrigen Schiffe und brachte Verluste, so daß erst am 18. April etwa 15 Linienschiffe — die Engländer unter Admiral Killigrew, die Holländer unter Almonde — zur Erfüllung der Hauptaufgabe, Abfangen des Toulon-Kontingents, wieder vereint in Cadiz lagen. Während man hier ausrüstete und ausbesserte, wurde am 19. Mai die Ankunft des französischen Geschwaders — 14 Segel, darunter 6(?) Linienschiffe — unter Château-Renault gemeldet. Killigrew ging am nächsten Tage in See und sichtete die Franzosen am 22. Mai zwischen Gibraltar und Ceuta. Château-Renault, der schwächer war und seine Vereinigung mit der Flotte in Brest im Auge hatte, entzog sich richtigerweise einem Gefecht; er konnte es, weil seine Schiffe bodenrein waren, die der Gegner (besonders der Engländer) jedoch in schlechtem Stande. Killigrew hatte den Befehl, ihm zu folgen, und tat dies auch, aber nicht im Sinne der Order. Er kehrte zunächst nach Cadiz zurück, besserte aus, sammelte einen Convoi von 150–200 Schiffen und segelte dann am 19. Juni. Die Folge war, daß Renault seine Verstärkung wohlbehalten und rechtzeitig zur Vereinigung nach Brest führen konnte, während Killigrew erst am 23. Juli in Plymouth eintraf, als die Schlacht bei Beachy Head geschlagen war.

Das kleinere Geschwader, 6 Kriegsschiffe unter Admiral Shovel, war für die irischen Gewässer abgezweigt und sollte wie im Vorjahre sehr nützlich werden. Es kam allerdings zu spät, oder war nicht stark genug, um einen ersten Erfolg der Franzosen zu hindern. Im Anfang März schon brachte der Chef d'Escadre d'Amfreville mit 30 Linienschiffen, die auch zu diesem Zweck von 1689 im Dienst belassen waren, unbehindert einen Transport von 7000 Mann sowie Kriegsmaterial nach Cork. Er ging dann aber nach Frankreich zurück, und in der Zukunft zeigten sich keine Franzosen mehr hier, um den Engländern die Verbindung mit Irland zu unterbrechen. So wurde es Wilhelm III. möglich, unter Shovels Bedeckung auf 288 Fahrzeugen seine Armee im Juni von Chester nach Irland hinüberzuführen; er landete am 24. Juni in Carrikfergus. Shovel wurde am 28. Juni zur Hauptflotte entlassen, erreichte diese aber auch erst nach Beachy Head.

Mahan sagt zu vorstehenden Ereignissen: „Während des ganzen Kriegsabschnittes, in dem es sich um den Besitz von Irland handelt, ist nichts auffallender als die von beiden Seiten an den Tag gelegte Sorglosigkeit in bezug auf die Verbindung des Gegners mit der Insel. Besonders merkwürdig erscheint dies bei den Franzosen, die die stärkeren Seestreitkräfte hatten und von denen man annehmen muß, daß sie durch die Unzufriedenen in England genau über alle Vorgänge unterrichtet waren. Es scheint, daß ein Geschwader von 25 Fregatten nebst einigen Linienschiffen für den Dienst im St. Georgs-Kanal bestimmt war; aber nur 10 Fregatten kamen nach Kingsale und auch dies erst, als durch die Schlacht am Boyne alles für Jakob verloren war.“ Wir kommen auf diesen Umstand noch zurück.

Die Verzögerung des Seeklarwerdens hatte die Franzosen gehindert, ihrer Absicht gemäß vor Vereinigung der Gegner aufzutreten; Tourville erhielt nun Befehl, trotzdem auszulaufen und den Feind aufzusuchen. Ein großer Schlag zur See versprach die größten Erfolge: Die Lage in England war bedenklich. Irland war über ein Jahr in erfolgreichem Aufstande, und es war den Franzosen geglückt, eine neue Truppenmacht auf die Insel zu werfen; Wilhelm III. war mit dem größten und besten Teile seiner Truppen dort; die Anhänger Jakobs traten in England, wo die Königin die Regierung führte, mit ihren Kundgebungen mehr und mehr hervor. Die Vernichtung der verbündeten Flotte und darauf ein Festhalten des Königs in Irland, sowie eine Landung in England mußten voraussichtlich für Oraniens Stellung verhängnisvoll werden. Die französische Flotte war hierzu der feindlichen ungemein überlegen — die stolzeste, die Frankreich je ins Gefecht geführt hat.

Am 23. Juni lief Tourville von Brest aus; starke Gegenwinde im Kanal hielten ihn auf, auch waren die Galeren genötigt, unter der Küste der Bretagne Schutz zu suchen. Am 3. Juli morgens sichteten seine Aufklärungsschiffe die feindliche Flotte zu Anker bei St. Helens (Wight). Herbert war so wenig kriegsbereit und unterrichtet, daß er nicht einmal Vorposten im Westen hatte. Erst am 2. Juli hatte er Nachricht erhalten, daß die Franzosen in See gegangen seien; jetzt waren sie wenige Seemeilen von ihm.

Er sagte später aus: Da alle unsere Schiffe noch mit Ausrüsten (z. B. auch mit Einschiffen eines Regimentes) beschäftigt waren, hatte ich die Holländer mit dem Sicherheitsdienst betraut (wohl am 2. Juli); die von diesen dazu befehligten Schiffe scheinen aber auch durch Ergänzen von Bedürfnissen festgehalten zu sein. „Sicher ist, daß ich erst durch das Sichten der feindlichen Vorposten von dem Erscheinen der französischen Flotte Kenntnis erhielt. Auch ihre Stärke war mir unbekannt; daß Château-Renault mit dem Toulon-Geschwader dabei war, zeigte mir erst seine Flagge.“ (Z. B. Colomb, Seite 113.)

Herbert lichtete sofort Anker, mußte aber bald wieder bei Dunose (Südostspitze Wights) ankern, da der leichte Nordostwind ganz einschlief; hier stießen am 4. Juli noch einige englische und holländische Schiffe zu ihm, ebenso während der nächsten Tage. Am 5. Juli 9 Uhr vormittags meldete eine Fregatte das Nahen des Feindes. Herbert ging Anker auf und formierte bei leichtem südlichem Winde die Gefechtslinie über Backbord-Bug; bald sichteten sich die Flotten. Als nun aber die Stärke der Franzosen erkannt war, beschloß der Kriegsrat der Verbündeten, einem Gefecht auszuweichen, um die Flotte für eine Defensive unversehrt zu erhalten. Dementsprechend wurde an die Königin in London berichtet und nach Osten gesteuert; die Franzosen folgten.