Das Jahr 1692. Schlacht bei Cap Barfleur-La Hogue. Im Frühjahr 1692 wurde der Krieg, wie bereits erwähnt, überall wieder besonders heftig aufgenommen. Wilhelm III. war in Holland eingetroffen und belebte die Kriegführung auf seiten des Bundes; Ludwig griff energisch auf allen Kriegstheatern des Kontinents an und plante daneben eine Invasion in England — einen letzten großen Versuch zugunsten Jakobs, der gleichzeitig Wilhelm und dessen Truppen vom Festlande abziehen sollte.

Zum Einfall in England wurde eine Armee von 20000 Mann — nach den neuesten französischen Quellen gar 30000 — unter König Jakob und dem Marschall de Belfonds, denen in der Person des Generalintendanten der Justiz und Finanzen der Marine de Bonrepaus (ursprünglich Seeoffizier) ein seemännisch-technischer Beirat gegeben war, an den Küsten des Kanals zusammengezogen — die Infanterie in der Nachbarschaft der Rhede von La Hogue, in Caën und Cherbourg; die Kavallerie, die Munition usw. der leichteren Einschiffung wegen in Havre — und eine Transportflotte von 300 (neuere Angabe 500) Fahrzeugen gesammelt. Eine Flotte von 70 Linienschiffen, in Brest, Rochefort und Toulon in Dienst gestellt, sollte unter Tourville die Überführung der Truppen nach England gegen Ende April sichern.

Ludwig rechnete für den Erfolg der Expedition mit folgenden Umständen: Daß seine Flotte der feindlichen an Kraft und Leistung überlegen wäre; daß sie vor der Vereinigung der Seestreitkräfte Englands und Hollands auftreten würde; daß man in England eine wesentliche Unterstützung durch einen großen Aufstand der Jakobiten fände und daß im besonderen ein großer Teil der englischen Flotte — etwa die Hälfte — nicht gegen ihn fechten würde. In allen diesen Vermutungen täuschte er sich; zunächst wurden seine Rüstungen nicht rechtzeitig fertig und der Beginn der Operationen mußte verschoben werden.

Die Befehle für die Rüstungen waren am 20. Februar erlassen, am 25. April sollte die Flotte von Brest in See gehen und den Armeetransport von La Hogue abholen; man hatte also nur zwei Monate ungünstiger Jahreszeit, um die Flotte in Dienst zu stellen, in Brest zu vereinigen, die Truppen und Transporter zu versammeln.

Bei dem mangelhaften Zustande in der Verwaltung der Werften wurden die Schiffe nicht rechtzeitig fertig. In Rochefort und Toulon waren sie erst Anfang Mai seeklar; auch in Brest konnte eine größere Zahl der Schiffe wegen Personalmangels nur nach und nach bemannt werden. Am 23. April erging deshalb der Befehl an Tourville, die Abfahrt wenigstens bis zum Eintreffen der Rochefort-Schiffe aufzuschieben.

Tourville lag Anfang Mai mit nur erst 39 Linienschiffen segelfertig vor Brest, die Ankunft von 5 Schiffen aus Rochefort stand bevor und von Brest hoffte man noch Verstärkungen zu erhalten; so ging er am 12. in See. An leitender Stelle glaubte man, daß die Gegner auch noch nicht fertig seien und schätzte diese, selbst wenn vereinigt, nur auf 60 Schlachtschiffe; man rechnete immer noch mit der Unzuverlässigkeit vieler englischer Offiziere, mit der Spannung zwischen Engländern und Holländern, mit der Überlegenheit der eigenen Flotte an Zahl und Güte der Schiffe.

Wie sehr der König auf die Überlegenheit seiner Flotte baute, geht aus dem Tenor seiner Instruktion an Tourville[240] vom 16. März hervor: Der Admiral[446] soll am 25. April mit den Schiffen, die bereit sind, in See gehen; soll durch ein vorauszuschickendes Detachement gut segelnder Schiffe die Transporter mit der Kavallerie nach La Hogue holen lassen; er selbst soll auf dieser Rhede die Infanterie — auch auf den Kriegsschiffen — einschiffen; soll nach England gehen, Ort der Landung nach Angabe Jakobs, Bellefonds' und Bonrepaus'; soll nach der Landung die Transporter zurücksenden und selbst zur Verfügung der Armee im Kanal bleiben; soll die Seeherrschaft wahren.

Er soll „unbedingt“ am 25. April auslaufen, auch wenn er gehört, daß der Feind stärker als er selbst in See sei, in diesem Falle nur nichts detachieren. Trifft er den Gegner unterwegs, so soll er ihn „unter allen Umständen“ angreifen und vernichten oder in seine Häfen treiben; liegt der Feind bei Wight, so soll er zu demselben Zweck dorthin gehen; in beiden Fällen die Armee dann überführen.

Kommt der Feind, wenn der Transport unterwegs oder schon in der Landung begriffen ist, soll angegriffen und so hartnäckig gefochten werden, daß die Landung doch ausgeführt werden kann, „es koste was es wolle.“

Nur wenn der Gegner nach vollendeter Landung erschiene, darf der Admiral einem Gefechte ausweichen, „falls der Feind mehr als 10 Linienschiffe stärker sei“; hiervon habe er sich aber „persönlich, nicht nur durch Aufklärungsschiffe“, zu vergewissern.