In England waren allerdings die Jakobiten eifrig am Werke gewesen. Es sollen die Aufstellung verschiedener Regimenter für Jakob völlig vorbereitet gewesen und[448] hohe Personen, die bisher zu Oranien hielten, für ersteren gewonnen oder doch unsicher gemacht sein. (Marlborough! Russell!?) Ludwig war über alles dieses gut unterrichtet; freilich wird gesagt, daß derartige Gerüchte teilweise auch von Gutgesinnten ausgesprengt seien, um Ludwig zu täuschen. Doch selbst die Königin hegte Befürchtungen; sie schrieb diese an Russell mit dem Hinzufügen, sie könne sich nicht denken, daß die Flotte ihre Pflicht vergäße. Daraufhin aber traten am 25. Mai die Flagg- und Stabsoffiziere zusammen und unterzeichneten eine Ergebenheitsadresse (Russell war abwesend durch Zufall oder mit Absicht? Seine politische Zuverlässigkeit wird von mehreren Autoren angezweifelt). Auch dies kam sofort zu Ludwigs Kenntnis. Schon früher war das Triumvirat der Führer in La Hogue durch die Verzögerung der Expedition unsicher geworden und hatte den Operationsplan geändert; wir brauchen nicht darauf einzugehen, da die Beschlüsse nie zur Ausführung kamen (Näheres vgl. Delarbre). Bemerkenswert ist nur, daß auch in diesen, vom König genehmigten Beschlüssen immer noch eine Unterschätzung des Feindes (65 Schiffe) und eine Überschätzung der eigenen Kraft (augenblicklich 52, nach Ankommen der Verstärkungen 70 Schiffe) zu ersehen ist.
Am 29. Mai, zwischen 3 und 4 Uhr morgens, sichteten sich die Gegner einige Seemeilen nördlich vom Cap Barfleur; es wehte leichter Südost und war diesig; die Franzosen standen zu Luward. Beide Flotten formierten die Gefechtslinie über Backbord-Bug und Tourville führte dann die seinige zum Angriff heran, Geschwader gegen Geschwader und Flaggschiff gegen Flaggschiff.
Die Stärke der Flotten.[241]
| Schiffe von | 90-b. üb. 100 K. | 80–90 | 70–80 | 60–70 | 50–60 | 26–46[4)] | kleinere | Brander | ||||||
| Verbündete | Vorhut[1)] | 5 | 3 | 5 | 8 | 5 | 8 | 10 | 7 | |||||
| Mitte | 8[2)] | 2 | 11 | 3 | 6 | 6 | ? | 12 | ||||||
| Nachhut | 8[3)] | 1 | 13 | 4 | 6 | 6 | ? | 11 | ||||||
| 21 | 6 | 29 | 15 | 17 | 20 | ? | 30 | |||||||
| 88 Linienschiffe über 50 K.; 30 Brander; 6756 Geschütze; 38–39000 Mann. | ||||||||||||||
| Franzosen | Vorhut | 2 | 1 | 2 | 10 | — | 13 | |||||||
| Mitte | 3 | 3 | 2 | 4 | 4 | 3 | ? | |||||||
| Nachhut | 1 | 1 | 4 | 5 | 3 | |||||||||
| 6(9)[5)] | 5(6) | 8(8) | 19(16) | 7(5) | 13 | |||||||||
| 45(44) Linienschiffe über 50 K.; 13 Brander; 3083(3248) Geschütze; (21400) Mann. | ||||||||||||||
[1)] Vorhut der Verbündeten das holländische Kontingent.
[2)] Darunter 5 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen.
[3)] Darunter 1 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen.
Es ist bemerkenswert, daß in allen Quellen die englischen Schiffe gleichstark armiert angegeben werden: zu 100, 90, 80, 70 usw. Kanonen; also scheinbar sehr gleichmäßig.
[4)] Nicht in der Linie; vielleicht nur bei den Holländern einige über 40 Kanonen.
[5)] Die eingeklammerten Zahlen nach de Jonge; die Hauptzahlen nach Troude.