Der Verlust dieser 15 Linienschiffe, worunter viele der stärksten, war aber kaum die wichtigste Folge der Schlacht: er wäre bei der großen Zahl der vorhandenen Schiffe zu ertragen gewesen und wurde auch zum großen Teil durch Neubau ersetzt. Der Eindruck, den die Niederlage auf die an Ludwigs Erfolge gewöhnte öffentliche Meinung und auch an leitender Stelle hervorbrachte, war bedeutsamer. Eine volkstümliche Waffe war die Marine in Frankreich noch nicht geworden, und wir haben schon gehört, daß Pontchartrin und andere nicht viel von ihr hielten. Jetzt drang die Ansicht dieser Personen, den Krieg zur See nur gegen den feindlichen Handel zu führen, mehr durch und der Marine wurde immer weniger Sorge zugewendet; die französische Flotte trat den feindlichen nicht mehr entgegen. Zunächst hören wir in diesem Jahre gar nichts mehr von ihr; vielen Mannschaften wurde erlaubt, auf Freibeutern zu dienen, die gesammelten Transporter wurden teilweise als solche verwendet und der kleine Krieg blühte.

Aber auch die Verbündeten blieben untätig. Nach den letzten Vorfällen ging das Gros ihrer Flotte zum Instandsetzen nach Wight. Ein kleineres gemischtes Geschwader unter Ashby und Callenburgh kreuzte noch an der Küste, um etwa versprengte Franzosen oder die nach St. Malo geretteten auf ihrem Wege nach Brest abzufangen; es ging auch nach Havre, wo man die Schiffe Nesmonds vermutete, fand diese jedoch — wie wir wissen — nicht und wagte auch nicht, etwas gegen die Transporter dort zu unternehmen; dann vereinigte es sich wieder mit dem Gros. Dieses lief am 28. Juni wieder aus, teilte sich in zwei Teile, von denen der eine westlich im Kanal gegen die St. Malo-Schiffe kreuzte, der andere östlich, um die Verbindung zwischen England und Holland zu sichern.

Nach Colomb (Seite [268]) waren die englischen Seeoffiziere der Ansicht, ohne einen gleichzeitigen Landangriff nichts gegen die in St. Malo geborgenen französischen Schiffe unternehmen zu können; es gelang diesen, später unbewacht, nach Brest durchzukommen.

Die englisch-holländische Flotte beherrschte also den Kanal und es wurde auch wieder der Plan einer Landung in Frankreich ins Auge gefaßt. Truppen wurden bei Portsmouth versammelt und Anfang August mit der Einschiffung auf der dort wieder vereinigten Flotte begonnen. Der Plan kam aber nicht zur Ausführung: Befehle und Gegenbefehle von London, Kriegsratsversammlungen der Armee und Marine verzögerten die Maßnahmen; endlich erachtete man die Jahreszeit für die schweren Schiffe zu weit vorgeschritten; holländische Quellen deuten wieder an, daß Russell an der Verzögerung schuld gewesen sei. (Er habe zu denen gehört, die es durch Entfaltung zu großen Eifers nicht ganz mit Jakob verderben wollten.) Das Ergebnis war die Überführung einiger englischer Truppen nach Holland. Gegen die immer zahlreicher auftretenden Freibeuter des Feindes hatte man auch keine ernste Maßregeln ergreifen können, da man die Flotte — schließlich unnütz — stets zusammengehalten hatte.

Im September wurden die schweren Schiffe abgerüstet, andere kreuzten noch im Kanal, bis endlich die Flotte auf die kleinen Wintergeschwader vermindert wurde.

Die Ereignisse der Jahre 1693–1697. Während der weiteren Kriegsjahre führten die Franzosen, wie schon mehrfach erwähnt, den Krieg in der Hauptsache nur gegen den feindlichen Handel, besonders in den nördlichen Gewässern. Wenn auch zuweilen noch größere Flotten zusammengezogen wurden — im Jahre 1693 sogar noch eine solche von 70 Linienschiffen, aber auch nur um einen großen Schlag gegen den feindlichen Handel in führen —, so versuchten diese doch nicht mehr, dem Feinde die Seeherrschaft streitig zu machen. Im Mittelmeer wurden wie bisher stets noch etwas stärkere Geschwader im Dienst gehalten, um an den Küsten im Landkriege zu wirken; im Atlantik waren die Streitkräfte meistens in kleineren Divisionen auf die verschiedenen Häfen verteilt, um diese zu schützen und von ihnen aus gegen die feindlichen Handelsfahrzeuge zu kreuzen. Der Kreuzerkrieg wurde dabei durch die vom Staate in jeder Hinsicht unterstützte Freibeuterei ungemein verstärkt; je weniger Pflege der Marine im Laufe der kommenden Jahre zuteil wurde — wegen Geldmangels, und wegen fehlenden Interesses an maßgebender Stelle —, um so mehr entwickelte sich die Freibeuterei.

Die Tätigkeit der englisch-holländischen Flotten äußerte sich nach drei Richtungen: Unternehmungen gegen französische Küstenstädte, um hierdurch auf den Landkrieg einzuwirken; Unterstützung des Landkrieges in Spanien; Schutz des eigenen Handels. Mit den Angriffen auf die Küstenstädte beabsichtigte man in den meisten Fällen und hauptsächlich, den Kreuzerkrieg des Gegners in seinen Stützpunkten anzugreifen. Um die Gesamtrüstungen der Verbündeten in diesen Jahren richtig beurteilen zu können, sei vorausgeschickt, daß neben den Hauptflotten, deren Tätigkeit uns zunächst beschäftigt, stets ein starkes Geschwader — bis zu 20 Linienschiffen — gegen Dünkirchen aufgestellt war.

Das Jahr 1693 zeigt uns die Kriegführung der Verbündeten in einem sehr trüben Lichte. Unentschlossenheit an leitender Stelle in England — schon Ende 1692 bemerkbar —, der Zustand der Verwaltung in der Marine hier und Uneinigkeit in der Führung der Flotte ließen es nicht nur zu keinerlei Erfolg kommen, sondern führten sogar einen großen Verlust herbei.

Im Oktober 1692 war von England und Holland mit Spanien ein Vertrag abgeschlossen, wonach die schwachen spanischen Seestreitkräfte durch englisch-holländische verstärkt werden sollten, um den Angriffen der Franzosen auf die spanischen Küsten sowie der Bedrohung der Silberflotten entgegenzutreten; England und Holland gedachten dadurch auch ihren Mittelmeerhandel zu sichern und einer Vereinigung der Flotten von Brest und Toulon stets vorzubeugen.

Nach dem Vertrage sollte Spanien 16 Linienschiffe und 25 Galeren stellen, England und Holland je die gleiche Zahl Schlachtschiffe; Spanien sollte in einem seiner Häfen Magazine einräumen, damit die Verbündeten sich einen Stützpunkt schaffen könnten. Dieser Vertrag blieb grundlegend für spätere während des ganzen Krieges, doch wurde Spanien bald lau in der Erfüllung seiner Pflicht.