Am 14. und 15. Juli ward St. Malo von der ganzen Flotte angegriffen. Es gelang zwar, einen Brander an eines der beiden auf Felsen gelegenen Hauptforts so nahe heranzuführen, daß dieses infolge des Rauches längere Zeit nicht feuern konnte, aber niederzukämpfen waren die massiven Befestigungen nicht, obgleich die Mörserboote ziemlich nahe herangingen; nachdem etwa 900 Bomben geworfen und einige Häuser der Stadt in Flammen aufgegangen waren, wurde abgebrochen. Am 18. Juli beschossen einige Schiffe die offene Stadt Granville, die teilweise verbrannte. Nach einem Aufenthalt in St. Helens und den Downs, um Munition zu ergänzen und Infernals — eine größere Zahl unter dem Kommando des Erfinders Meesters — heranzuziehen, erschien, verzögert durch Gegenwind, die Flotte am 11. August vor Dünkirchen. Da dieser Angriff gut vorbereitet war und energisch durchgeführt wurde, sei etwas näher darauf eingegangen.

Wieder hatten die Franzosen Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Bei Erwähnung des Unternehmens der Verbündeten 1694 wurde gesagt, daß die Wasserverhältnisse westlich von der Einfahrt für einen Angreifer zum Bombardement der Stadt und des Hafens die günstigsten sind; deshalb war schon früher westlich von der Stadt ein starkes Fort erbaut worden. Dieses war jetzt verstärkt durch eine neue Batterie am Strande und durch Stationierung von 9 schweren Kanonenschaluppen längs des Strandes zwischen dem Fort auf der Westmole (in ihm kommandierte Jean Bart) und dienen Befestigungen. Eine gleiche Zahl Schaluppen legte man in die Hafeneinfahrt, um sie zu sperren und um Branderangriffe auf die beiden hölzernen Molenforts abzuweisen; die ganze Stellung[464] war endlich durch Verankerung von abgetakelten, schwer armierten Schiffen, deren Feuer sich mit dem der Forts kreuzte, verstärkt.

Die Verbündeten konnten ihre schwereren Schiffe des Tiefgangs wegen nicht verwerten; das Gros der Flotte ankerte deshalb bei Gravelines und detachierte (11. August) 18 Mörserfahrzeuge, viele armierte Boote und einige Brander unter dem Schutz von 16 Fregatten sowie anderen kleineren Segeln. Die Mörserboote legten sich — zuerst etwas zu weit, dann aber näher — in Halbmondform um die Molenforts sowie das große Westfort und bombardierten von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags; der Erfolg war gering, der Feind antwortete kräftig und Seegang beeinträchtigte das Schießen. Inzwischen wurde ein Angriff von 4 Infernals vorbereitet, von dem man sich gerade den Holzforts gegenüber großen Erfolg versprach. Ein neuer Gedanke des Erfinders sollte hierbei verwertet werden, nämlich den Angriff durch Vorausschicken von Rauchschiffen (eine Art Brander, die angezündet hauptsächlich Rauch erzeugten) zu maskieren; diese sollten einerseits das Feuer des Feindes auf sich ablenken, anderseits eben die Infernals verbergen. Auch diese Gruppe wurde durch einige Fregatten gedeckt, die voraussegelten und zuerst das Feuer auf sich zogen. Aber durch irgend welche Umstände verzögert, blieben Rauchschiffe und Infernals zu weit achteraus; die Fregatten mußten zurück und auch die armierten Boote, die gegen die feindlichen Schaluppen zwischen den Forts vorgegangen, wurden abgeschlagen. Als endlich der Angriff der Infernals erfolgte, hatte er das ganze Feuer auszuhalten; die Fahrzeuge wurden zu früh entzündet, verlassen und dann von französischen Booten aus gefahrdrohender Nähe geschleppt. Um 5 Uhr nachmittags gab Berkeley Befehl zum Rückzug. Da der Wind auflandig war und die Ebbe noch nicht eingesetzt hatte, wurde es den Mörserbooten und den deckenden Schiffen schwer, sich aus dem Feuer zu ziehen, sie litten sehr; mehrere kamen auf Strand und konnten erst bei der nächsten Flut wieder abgebracht werden, eine holländische Fregatte wurde genommen. Man hatte nichts erreicht, obgleich 1200 Bomben und 2000 Kugeln verschossen waren. (Dieser Vorfall gab Anlaß zu einer Abhandlung über die Schwierigkeit einer Beschießung von See aus im Vergleich zu einer solchen vom Lande: Man müsse sie ohne jede Deckung ausführen; sei abhängig von Wind und Strom; könne seine Stellung nicht so genau wählen; der Geschützstand sei zu bewegt.) Das Unternehmen wurde aufgegeben; man erachtete die Westseite für zu stark, weil man mit den schweren Schiffen nicht nahe genug kommen konnte, gegen die weniger starke Ostseite wagten die Lotsen nicht einmal kleinere Fahrzeuge heranzuführen.

Ein hierauf beschlossener Angriff auf Calais wurde durch ungünstige Wetterverhältnisse und dadurch verzögert, daß die Infernals nicht zur Stelle waren; man sagt, Meesters habe sich absichtlich mit ihnen ferngehalten, weil man ihm allein die Schuld des Mißerfolges gegen Dünkirchen zugeschoben hatte. Es wurde jetzt ein Versuch mit einem improvisierten Brander, gedeckt durch schwere Schiffsboote, gegen ein Fort gemacht, aber abgeschlagen; auch eine Beschießung durch Mörserboote hatte nur geringen Erfolg. Am 28. ging die Flotte nach England zurück und die Holländer trennten sich von ihr, weil Berkeley das Kommando an einen jüngeren Flaggoffizier abgab, unter dem Almonde nicht dienen wollte. Sie kreuzten noch einige Zeit im Kanal, dann wurden die Wintergeschwader gebildet.

Im Jahre 1696 gaben die Verbündeten die Operationen im Mittelmeer auf. Anstatt das dort belassene Wintergeschwader wieder zu einer mächtigen Flotte zu verstärken, erhielt es den Befehl zur Heimkehr. Man scheint es müde geworden zu sein, Spanien zu unterstützen, weil dieses seinerseits den Krieg nur lau führte; es hatte nach dem ersten Jahre nie wieder zur Verstärkung der Seestreitkräfte beigetragen und trat auch am Lande stets ungenügend auf. Man glaubte auch wohl bei der eigenen fortschreitenden Erschöpfung alles, was man aufstellen konnte, in den nördlichen Gewässern nötiger zu haben; das Geschwader unverstärkt im Mittelmeer zu lassen, erschien nicht ratsam, weil Frankreich in Toulon stark rüstete. So verließ Rooke Anfang April Cadiz — infolge stürmischer Witterung etwa 14 Tage verzögert — und führte einen Convoi von 130 Levantefahrern heim. Es war unter diesen Umständen auch hohe Zeit, denn schon im März war Château Renault mit 47 Kriegsschiffen von Toulon in See gegangen und auch nur durch Sturm aufgehalten worden.

Als man im Winter den Beschluß faßte, das Mittelmeer aufzugeben, war allerdings im Kanal eine gewisse Gefahr aufgetaucht: Frankreich zog in Calais Truppen und in Dünkirchen Transporter zusammen. In den Niederlanden wurde zunächst ein Angriff auf Seeland von See her gefürchtet und in Eile dagegen gerüstet, so gut es der Winter erlaubte; da alle schweren Schiffe auflagen und ausgebessert wurden, stellte man hauptsächlich Schiffe der Kompagnie, Freibeuter und Fahrzeuge sonst nur zum Convoieren bestimmt, in Dienst und zog Truppen an der Küste zusammen. Bald aber erfuhr man, daß es dem Versuch einer überraschenden Landung in England gelte. Noch einmal wollte Ludwig für Jakob eintreten; die Gelegenheit schien günstig, da die Königin Maria von England gestorben war und die Jakobiten sich aufs neue rührten. Jean Bart mit den in Dünkirchen vorhandenen Kriegsschiffen und de Nesmond mit einer Division von Brest sollten etwa 20000 Mann auf 300 Transportern hinüberführen; Jakob selbst begab sich nach Calais. Nun brachten die Holländer unter dem Schutz der eben in Dienst gestellten Schiffe einige tausend Mann in die Themse (im März) und die Engländer schickten gleichzeitig die Winterseestreitkräfte beider Länder, nach Möglichkeit noch verstärkt, in den Kanal. Russell erschien mit diesen an der französischen Küste bei Gravelines; er ging zwar bald zurück, ließ aber am 13. April durch ein Geschwader unter Shovel Calais beschießen, wohin sich die Transporter schon begeben hatten. Die Beschießung hatte zwar wenig Erfolg, aber Ludwig gab doch seinen Plan auf, weil er ein überraschendes Auftreten ausgeschlossen sah. Die Vorbereitungen waren nicht schnell und rechtzeitig genug fertig geworden; französische Quellen sagen: Jakob, leicht erkrankt, sei schuld an der Verzögerung gewesen. Jakobs Schicksal war hiermit endgültig entschieden.

Infolge dieses Vorganges trat auch die Sommerflotte der Verbündeten in diesem Jahre früher zusammen als in den Vorjahren, schon im April gingen die ersten Holländer nach England. Diese Flotte wird die übliche Stärke gehabt haben; das holländische Kontingent betrug 37 Linienschiffe, darunter 8 über 90 Kanonen.

Anfang Mai ging Rooke, der den Oberbefehl übernommen hatte, mit den zur Zeit fertigen Schiffen kanalabwärts, um der in Brest erwarteten Toulonflotte entgegenzutreten; er kam zu spät, sie traf am 15. in Brest ein. (Ebensowenig gelang es einer Flottille, die unter Bembow Dünkirchen bewachte, zu hindern, daß Jean Bart mit seiner Division am 17. Mai auslief, wovon später.)

Die Flotte lag dann vom 3. Juni an untätig vor Torbay — die Holländer sagen, „Befehle aus London erwartend“; sie klagen, daß auf diese Weise in den letzten Jahren öfters die Operationen aufgehalten seien —, erst nach drei Wochen ging sie, nun unter Berkeley nach Brest, um den Feind herauszulocken. Ihr Erscheinen zwang die Division de Nesmond, die zum Kreuzerkrieg an die spanische Küste gehen wollte, zurückzulaufen. Man erfuhr dann, daß ein großer Teil der aus Toulon gekommenen Schiffe abrüste, daß also der Gegner nichts Größeres beabsichtige. Die verbündete Flotte wandte sich deshalb wieder gegen die Küsten. Mit den Operationen gegen die Städte am Kanal hatte man nichts erreicht, so sollte nun versucht werden, den Gegner an der Westküste mehr zu schädigen; der Erfolg war noch geringer.