Die Flotte segelte nach Belleisle, wo Tromp vor 22 Jahren gelandet war. Da jedoch hier die Befestigungen zu stark erschienen, begnügte man sich damit, die Inseln Houat und Haedik zu verwüsten, und eine Abteilung von 8 Linienschiffen mit sämtlichen Mörserbooten südlicher zu senden. Dieses Detachement schoß am 15. Juli St. Martin auf der Insel Ré und am 17. die kleine Stadt Les Sables d'Olonne auf dem Festlande in Brand (2000 Bomben, die ganze Munition, verbraucht) und vereinigte sich wieder mit der Flotte.
Am 30. Juli wurde die Rückfahrt nach Torbay angetreten, um Vorräte zu ergänzen, und die Operationen hatten ein Ende. Vom holländischen Kontingent wurden gleich verschiedene Divisionen abberufen — zum besseren Schutz des Handels in der Nordsee und zur Deckung der erwarteten Ostindienfahrer — und im September verminderte man die Streitkräfte überhaupt auf eine gemeinsame Winterflotte. Diese übernahm in kleinen Divisionen den Handelsschutz. Eine solche Division führte einen Convoi nach dem Mittelmeer; die holländischen Schiffe dieser geleiteten im März 1697 wieder Kauffahrer heim; die englischen gingen unter Vizeadmiral Neville nach Westindien, wo wir sie wieder treffen werden.
Vom Jahre 1697, in dem die Friedensverhandlungen begannen, sind keine größeren Ereignisse in europäischen Gewässern mehr zu melden. Die Sommerflotte unter Rooke wurde weit schwächer bemessen — die Holländer z. B. nur 22 Linienschiffe —; vereint oder in mehrere Teile geteilt, hielt sie im Kanal und in der Biscaya die kleinen französischen Divisionen, deren Zahl und Stärke immer geringer geworden war, im Schach.
Spanien wurde weiter seinem Schicksal überlassen und, wie schon erwähnt (Seite [415]), dadurch zum Frieden gezwungen. Die französischen Truppen, unterstützt durch ein Toulongeschwader unter d'Estrées, machten rasche Fortschritte; Barcelona fiel jetzt. Von Einfluß war auch ein Vorstoß der Franzosen in Westindien gegen Cartagena, dem seit alten Zeiten als Sammelplatz der Reichtümer von Peru stets beliebten Angriffsobjekt der Feinde Spaniens.
Im Januar 1697 verließ der Chef d'Escadre de Pointis mit 6 Linienschiffen, 5 Fregatten, einigen Mörserbooten und kleinen Fahrzeugen sowie Transportern mit 6000 Mann Frankreich, um die spanischen Kolonien und die Silberflotten zu bedrohen;[467] in Westindien durch 12 Flibustier verstärkt, erreichte er am 12. April Cartagena. Nach regelrechter Belagerung zu Wasser und zu Lande wurden bis zum 30. nacheinander die 3 schützenden Forts erstürmt und am 4. Mai ergab sich die Stadt; sie mußte eine Kontribution von 10 Millionen zahlen, reiche Beute fiel den Siegern in die Hände; die Befestigungen wurden geschleift, da man den Platz nicht halten konnte und ihm überdies Hilfe nahte.
Als man nämlich in England die Abfahrt de Pointis' erfahren hatte, wurde der Vizeadmiral Neville mit den englischen Schiffen an der spanischen Küste, in Madeira noch durch holländische der Kanalflotte auf 27 Kriegsschiffe verstärkt, hinterher gesandt. Pointis erfuhr Nevilles Eintreffen in Barbados, verließ deshalb Anfang Juni Cartagena und wählte den Weg durch die Floridastraße anstatt durch die Windward-Passage, um dem Feinde zu entgehen; er war nicht nur zu schwach, sondern auch durch Prisen behindert, ferner waren seine Schiffe überladen und Krankheit herrschte auf ihnen. Durch die Wahl des Weges stieß er aber gerade auf den Feind, der von Jamaica nach Cartagena unterwegs war. Fünf Tage lang verfolgte Neville die Franzosen zeitweise auf Schußweite, es gelang aber nur, ihnen eine Prise wieder abzunehmen. Pointis erreichte mit dem größeren Teile seines Geschwaders über Neufundland, wo er zum Wassernehmen anlief und fast einem dortigen englischen Geschwader in die Hände gefallen wäre, im August glücklich Brest; hier traf er den Rest seiner Schiffe schon an, bei Ouessant hatte er noch den Angriff einer englischen Division abzuschlagen gehabt. Auch auf Nevilles Geschwader war eine Epidemie ausgebrochen, die schwere Opfer (etwa 1/3 der Besatzungen) kostete: Die Engländer verloren daran 2 Flaggoffiziere, 7 Kommandanten, 1500 Mann; die Holländer 1 Admiral, 3 Kommandanten, 400 Mann. Die Spanier in Havanna verweigerten aus Furcht vor Ansteckung das Auffüllen von Wasser und Proviant, ja lehnten sogar die angebotene Begleitung der dort bereitliegenden Silberflotte ab. Der Rest der Besatzungen konnte wegen Entkräftung auf der Heimreise kaum die Schiffe bedienen.
Am 20. September 1697 wurde der Frieden von Ryswijk geschlossen, dessen Bedingungen wir schon kennen (vergl. Seite [416].)
Der kleine Krieg; der Kreuzerkrieg der Franzosen.[250] Wie in den früheren Kriegen so wurde auch in diesem die Freibeuterei von beiden Parteien von Anfang an lebhaft betrieben. Auf seiten der Verbündeten zeichneten sich hierin die Seeländer aus, die bekanntlich von alters her diesem Gewerbe (der „freien Nahrung“) sehr zugetan waren; wie früher bildeten sich hier, besonders in Vlissingen und Middelburg, Gesellschaften zu diesem Zwecke. Von Frankreich aus machten die Freibeuter der Städte Dünkirchen, St. Malo, Dieppe, Havre, Bayonne die Meere unsicher.
Die Franzosen waren dabei wohl stets im Vorteil. Einerseits war ihr Handel weit geringer, anderseits stand ihnen dazu mehr Material zur Verfügung; ihre Schiffahrt war schon vor dem Kriege (seit Colberts Tode) zurückgegangen, es ist verständlich, daß die Rhederei die vorhandenen Schiffe und Seeleute in dieser Weise zu verwenden suchte. Infolge ihrer Lage schädigten besonders Dünkirchen und St. Malo den Feind; St. Malo machte jetzt Dünkirchen fast den Rang streitig.
Da Dünkirchen den wichtigen Handel nach der Ostsee durch die Nordsee, sowie den Fischfang in diesem Meere, in hohem Maße gefährdete, sahen sich die Holländer von Anfang an genötigt, wie in früheren Kriegen eine Flottille zur ständigen Beobachtung der gefährlichen Stadt aufzustellen. Von 1691 an wurde diese stehende Flottille zu einem gemeinsamen englisch-holländischen Geschwader, von Jahr zu Jahr verstärkt, weil die Gefahr immer zunahm.