Angaben einiger Schriftsteller hierfür. Macaulay sagt: Während vieler Monate im Jahre 1693 war der englische Handel nach dem Mittelmeer beinahe gänzlich unterbrochen. Es war nicht möglich, nach der Straße von Gibraltar zu gelangen, ohne von einem französischen Kreuzer angegriffen zu werden; ein Schutz dagegen war aber nicht leicht zu erhalten. — Martin (Geschichte Frankreichs) sagt von den späteren Jahren des Krieges bezüglich Englands: Der Zustand der Finanzen war kläglich, die Seeversicherung betrug 30%; die Navigationsakte war tatsächlich außer Kraft gesetzt und die englischen Schiffe waren genötigt, unter schwedischer oder dänischer Flagge zu fahren. Campbell (Live of the Admirals) sagt von dieser Zeit: In dem Jahre, in dem die Franzosen Herren der See waren (also nach Beachyhead 1690), hatte unser Handel weit weniger gelitten.

Bonfils endlich tut den obenerwähnten Ausspruch, daß statt drei bis vier Convois jährlich nur einer nach der Ostsee abging.

Die Verhältnisse liegen aber bei näherer Betrachtung doch anders. Zwar gab die französische Flotte tatsächlich die aktive Kriegführung auf, aber die Verbündeten glaubten zu verschiedenen Zeiten doch noch mit ihr rechnen zu müssen — um so mehr, als der Eindruck des Sieges bei Beachyhead und des tapfern Verhaltens der Franzosen bei La Hogue noch einige Zeit bei ihnen nachwirkte —, oder wenn dies nicht der Fall war, versäumten sie eben, die richtigen Maßregeln gegen den Kreuzerkrieg zu ergreifen. Bis zu den allerletzten Jahren hielten sie ihre Hauptstreitkräfte zusammen, anstatt sie zur Verfolgung der feindlichen Kreuzer aufzulösen und die feindlichen Kreuzerhäfen schärfer zu blockieren; nur gelegentlich (wenn Convois erwartet) detachierten sie Teile.

Ein kurzer Rückblick möge dies veranschaulichen. 1692 nach La Hogue war die französische Flotte wirklich brach gelegt. Die Seestreitkräfte der Verbündeten wurden aber bis zum Winter bei Spithead zusammengehalten, um Truppen für eine Landung in Frankreich aufzunehmen; die Franzosen hingegen armierten mit den Leuten der Flotte und den gesammelten Transportern eine außergewöhnliche Zahl von Freibeutern, so daß die Kaperei gerade in diesem Jahre besonders stark betrieben werden konnte und in den betroffenen englischen Kreisen die größte Entrüstung hervorrief.

1693 wurde die Flotte der Verbündeten zusammengehalten, weil Frankreich die seinige in Brest zusammenzog. Ungenügendes Unterrichtetsein, sowie Mangel an Entschluß und Disposition an den leitenden Stellen, schlechter Zustand des Materials führte dann doch den Verlust des Smyrnaconvois durch die französische Flotte, die man im Schach halten wollte, herbei; auch nachher geschah nichts zum Schutz des Handels.

1694 und 1695 war die eine Hälfte der Streitkräfte im Mittelmeer, die andere blieb in den nördlichen Gewässern zu den fruchtlosen Unternehmungen gegen die feindlichen Küsten vereint; wie viel besser wäre sie gegen das Freibeuterwesen verwendet worden!

1696 vergingen das Frühjahr und der Sommer bis zum August mit dem Bereithalten gegen eine Landung der Franzosen, mit dem vergeblichen Versuch, die Vereinigung der Toulon- und Brestflotte zu hindern und dann wieder mit den Unternehmungen gegen die atlantische Küste des Gegners.

Erst im August 1696 und im Jahre 1697 wurden die Seestreitkräfte mehr zur Bekämpfung des Kreuzerkrieges verwendet, und jetzt auch mit Erfolg.

Als dies endlich, vom Herbst 1696 an, mehr geschah, wurde die Tätigkeit der französischen Freibeuter auch wesentlich eingeschränkt; viele wurden weggefangen, die Kreuzerdivisionen in den Häfen festgehalten. — Die Ereignisse dieses Krieges entkräften also obigen Satz nicht. Im nächsten Kriege, als die französische Marine völlig ohnmächtig war, wird sich die geringe Wirksamkeit eines Kreuzerkrieges, der nicht auf Flotten gestützt ist, noch deutlicher zeigen. Dabei muß man noch im Auge behalten, daß die Lage der französischen Häfen ungemein günstig zur Bedrohung der englisch-holländischen Handelswege war.

Die Zusammenstöße in den Kolonien[253] während dieses Krieges können wir auch zu dem kleinen Kriege rechnen, weil sie ohne großen Erfolg und Einfluß waren; es handelte sich neben dem Aufbringen von Kauffahrern fast nur um Brandschatzungen feindlicher Niederlassungen, weil der Angreifende, wenn er eine solche wirklich genommen hatte, doch nie lange in ihrem Besitz blieb.