Taktische Fehler in den Schlachten sind nur englischen Führern vorzuwerfen: das Verhalten der Nachhut bei Barfleur, als sie sich von der Hauptschlacht abziehen ließ, und Herberts schwache Beteiligung mit seiner Mitte bei Beachy Head. Das Verhalten Herberts bei dieser Gelegenheit soll jedoch weiter unten nochmals besprochen, werden, da es höchst wahrscheinlich strategischen Erwägungen entsprang.

Wenden wir uns nun eingehender den Betrachtungen über Strategie zu. Es ist eingangs dieses Kapitels gesagt, daß der Pfälzische Erbschaftskrieg zwar in der Hauptsache ein Landkrieg war, daß aber doch die Kriegführung zur See von großem Einfluß gewesen ist; es ist ferner darauf hingewiesen, daß dieser Einfluß bei richtigerer Verwendung der Seestreitkräfte und bei größerer Leistungsfähigkeit dieser — beides auf beiden Seiten — wohl noch weit bedeutender hätte sein können. Nachstehender Rückblick auf den Verlauf des Krieges soll diese Behauptungen bekräftigen.

Ludwig XIV. hatte es dahin gebracht, daß sämtliche Staaten des Festlandes gegen ihn die Waffen zu erheben drohten; vertrauend auf seine Macht griff er 1688 selbst Deutschland an. Er beging aber sofort einen großen Fehler dadurch, daß er Wilhelm von Oranien — die Seele des gegen ihn gerichteten Bundes — den Thron von England besteigen ließ. Infolgedessen trat auch dieser Staat zu seinen Feinden, ja, England und Holland kamen unter eine Leitung und diese beiden Seenationen waren seine gefährlichsten Gegner, da sie mit ihrem Reichtum dem Gesamtbunde die Mittel zum Kriege liefern mußten.

Ludwig hätte es hindern können, wenn er, anstatt hauptsächlich gegen Deutschland vorzugehen, dessen schwache Kräfte vorläufig nur im Schach gehalten und mit großer Macht, zu Lande wie auch gerade zu Wasser mit seiner mächtigen Marine, Holland angegriffen hätte; Seignelay riet hierzu auf das dringendste. Nach Oraniens Thronbesteigung ermöglichte und unterstützte Ludwig die Erhebung Jakobs in Irland und der erste Fehler hätte wieder gut gemacht werden können, wenn Ludwig noch jetzt seine Hauptanstrengungen gegen die Seemächte richtete — gegen Oraniens Stellung in England und gegen die englisch-holländische Verbindung; noch war er, selbst beiden Mächten vereint, zu Wasser überlegen.

Irland war der schwächste Punkt in Oraniens Stellung, hier war der vertriebene König mit Begeisterung aufgenommen. Aber auch in England hatte er viele Parteigänger, und Oranien wurde sogar von denen, die ihn gerufen hatten, in seiner königlichen Macht durch eifersüchtige Einschränkungen geschädigt. Ludwig hätte nun mit aller Energie die Stuarts unterstützen und England selbst angreifen müssen — Irland dem Könige Jakob erhalten, in England einfallen —; dies war nur möglich durch einen tatkräftig geführten Seekrieg. Mit der Wiederentthronung Oraniens würde dem Bunde der Gegner die Spitze abgebrochen sein.

Wiederum vertrat Seignelay diese Ansicht, aber der Einfluß Louvois' — eifersüchtig auf die Seestreitkräfte und scheinbar die Wirkung eines Seekrieges sowie die Lage überhaupt verkennend — überwog; Ludwig blieb bei der Teilung seiner Kräfte. Die Folge war, daß Irland fiel, Oranien in seiner Stellung gesichert und damit in den Stand gesetzt wurde, den Krieg auf dem Festlande zu unterstützen, ja sogar persönlich zu leiten. Dieses Beharren in dem großen politischen und strategischen Fehler bei Beginn des Krieges ist wohl als entscheidend für den Ausgang anzusehen; alle Erfolge auf dem Festlande konnten nicht hindern, daß sich der Kampf in die Länge zog und erst wegen allgemeiner Erschöpfung endete. Die Gegner hatten aber den Krieg nur mit den Mitteln der Seenationen durchführen können und die Erschöpfung Frankreichs war nicht zum wenigsten durch den stillen aber anhaltenden Druck der Seestreitkräfte Englands und Hollands herbeigeführt; ihre Marinen waren, weil auf gesunderer Grundlage ruhend, bald der französischen überlegen geworden.

Gehen wir nun zu der Kriegführung zur See im besonderen über. Wir können sie in zwei Abschnitte teilen: in dem ersten ist die französische Flotte die angreifende 1689–1692; in dem zweiten tritt die Flotte der Verbündeten in die Offensive durch Angriffe auf die feindliche Küste und durch Eingreifen in den spanischen Landkrieg, die französische beschränkt sich auf die Defensive und auf den Kampf gegen den Handel 1694–1697; das Jahr 1693 bildet gewissermaßen den Übergang zwischen beiden.

Das Jahr 1689 zeigt den besprochenen Fehler Ludwigs: Er greift zwar Holland zu Lande an, tut aber zur See nichts gegen England und Holland, obgleich deren Flotten anfangs nicht bereit sind; auch sein Eingreifen in Irland ist nur schwächlich. Im März wird Jakob ungehindert mit Truppen übergeführt und im Mai gelingt es, trotz des feindlichen Angriffs (Bantrybay) Verstärkungen nachzusenden. Aber die mächtige französische Flotte zeigt sich nicht rechtzeitig, und die Geschwader, die die Überführungen bewerkstelligten, kehren stets sofort zurück; so gelingt es einer ganz schwachen englischen Flottille (Rooke), im irischen Kanal die Verbindung Jakobs mit seinen Anhängern in Schottland zu unterbrechen, die Belagerung der Stadt Londonderry aufzuheben und den Marschall Schomberg mit einer Angriffsarmee in Irland zu landen.

Im Juli verfügen die Verbündeten über 60 Kriegsschiffe. Sie zeigen sich an der französischen Küste, hindern aber nicht, daß sich das französische Mittelmeergeschwader mit den Kräften des Atlantik vereinigt; hierdurch wird die französische Flotte gegen 70 Schiffe stark. Im August erscheinen die Verbündeten wiederum vor Brest und Tourville tritt ihnen entgegen. Es kommt aber zu keinem Zusammenstoß, die Verbündeten schützen nur das Einlaufen eines Mittelmeerconvois. Die Kriegführung war also sehr lau auf beiden Seiten.