Die wahrscheinlichen Gründe hierfür: England war durch den Einfall in Irland überrascht, aber auch im weiteren Verlauf waren die Verbündeten nicht fertig. In England mögen dies die noch unsicheren politischen Verhältnisse hervorgerufen haben, in Holland die uns bekannten Umstände, die stets das Auftreten lähmten, wenn dem Volke das Feuer nicht auf den Nägeln brannte. So fühlte sich die Führung der Flotte nicht sicher genug — holländische Quellen sprechen dies unumwunden aus — und vermied ein ernstes Zusammentreffen.

In Frankreich war die Lauheit doch wohl ein Zeichen des geringen Verständnisses der einflußreichsten Kreise für die Wichtigkeit der Kriegführung zur See. Warum war die Flotte nicht rechtzeitig bereit? Französische Quellen schieben es auf die schon eingerissene Unordnung in der Organisation; aber dies ist doch nicht durchaus stichhaltig, auch als sie fertig war, tat sie nichts. Man wollte nicht zuviel aufs Spiel setzen (auch nach französischen Angaben).

Im Jahre 1690 plante Ludwig, energisch vorzugehen. Wenn es auch England gelungen war, Truppen nach Irland zu werfen, so stand Jakobs Sache dort noch nicht schlecht, falls ihn Frankreich ernstlich unterstützte, besonders mit der Flotte. Diese konnte nun entweder in erster Linie ganz in den Dienst des irischen Landkrieges gestellt oder dazu bestimmt werden, zunächst die feindliche Flotte zu vernichten und dadurch einen Einfall in England zu ermöglichen. Ludwig entschied sich für den zweiten Weg. Dies war zweifellos richtig; noch konnte er sich zur See als überlegen betrachten, aber er durfte dabei nicht die Unterbrechung der Verbindung seines Gegners mit Irland ganz vernachlässigen, doch dies geschah wie im Vorjahre. Im März führte ein französisches Geschwader Truppen und Kriegsmaterial nach Irland, ungehindert obgleich die Engländer Schiffe im Kanal hatten.

So z. B. das für das Mittelmeer bereitliegende Geschwader unter Killigrew. Die kleine Flottille unter Shovel, die für die irischen Gewässer in Dienst gestellt wurde, kam zu spät. Diese scheint nur zur Deckung des eigenen, bald folgenden Überganges bestimmt gewesen zu sein, ging sie doch auch nach Erfüllung dieser Aufgabe zur großen Flotte zurück.

Wie im Vorjahre kehrte dieses aber sofort nach Frankreich zurück, und weitere Seestreitkräfte von Belang waren später nicht in den irischen Gewässern. So konnte Wilhelm III. im Juni mit großer Macht in eigener Person nach Irland hinübergehen. Es ist wohl möglich, daß dieser Fehler französischerseits begangen ist, weil man annahm, der Expedition nach Irland bald den geplanten großen Angriff mit der Hauptflotte folgen lassen zu können. Auffallend bleibt es doch und läßt auf mangelndes Verständnis in dieser Hinsicht schließen, wie völlig „beide Parteien“ die Unterbrechung der Verbindung des Gegners mit der Insel während der ganzen Dauer des Kampfes um diese vernachlässigen.

Die mächtige französische Flotte, für den Angriff auf England bestimmt, 70 Linienschiffe unter Tourville war erst Ende Juni in Brest bereit; zu spät, um, wie beabsichtigt, die Verbündeten vor ihrer Vereinigung zu schlagen. Als sie auftrat, entschied sich gerade Jakobs Schicksal durch die Schlacht am Boyne (11. Juli). Trotz dieser Verzögerung — dieses Mal wirklich wohl allein hervorgerufen durch die seit Colberts Tode eingerissenen Übelstände — war Tourville den Verbündeten — 57 Linienschiffe unter Herbert — weit überlegen und er schlug sie fast vernichtend bei Beachy Head (10. Juli). Daß er so überlegen auftreten und hiervon Gebrauch machen konnte, war die Folge einer Summe von Fehlern der Gegner: Ungenügende und verspätete Rüstung, Zersplitterung der Kräfte, falsche Führung.

Das schon im Winter bereite Geschwader unter Killigrew, das im Frühjahr Kauffahrer ins Mittelmeer geleiten und die Toulonschiffe dort festhalten sollte, segelte infolge von Unschlüssigkeit in London zu spät. Als es doch noch auf das Toulon-Geschwader traf, vermied dieses (Château-Renault) richtigerweise das Gefecht und vereinigte sich rechtzeitig mit seiner Hauptflotte. Killigrew dagegen folgte nicht sofort und traf erst nach der großen Schlacht in England ein.

Die Ausrüstung der Hauptflotte hatten die Verbündeten so lässig betrieben, daß sie am 1. Juli nur 50, kaum voll gefechtsbereite Linienschiffe zählte. In beiden Ländern war man schlecht über die Rüstungen des Gegners unterrichtet und unterschätzte ihn vielleicht infolge seines schwächlichen Auftretens im Vorjahre. Als man die Gefahr erkannte, gab man Herbert den Befehl, unter allen Umständen zu schlagen, und nun war auch sein Verhalten beim Zusammenstoß nicht einwandfrei.

Es sei hier nochmals etwas näher darauf eingegangen, was aus der Untersuchung in dieser Sache zu entnehmen ist und wie Herberts Verhalten bei Beachy Head von verschiedenen Seiten beurteilt wird. Auf seine Vorstellungen im Winter, die Rüstungen zu verstärken und zu beschleunigen, erhielt Herbert die Antwort des Ministers Nottingham: „Sie werden stark genug gegen die Franzosen sein;“ Herbert antwortete: „Mein Lord, ich kenne mein Geschäft und werde mein Bestes tun. Aber ich bitte sich später zu erinnern, daß es nicht meine Schuld gewesen ist, wenn die Flotte nicht stärker ist. Ich bin jetzt in Sorge, wo die Gefahr noch abzuwenden ist; Sie werden es im Sommer sein, wenn es zu spät ist.“ Er erhielt auch den Befehl, sich einzuschiffen, erst Ende Mai, und vorher waren von höherer Stelle keine Anordnungen getroffen, um die Franzosen zu beobachten. Man schätzte sie nur auf 66 Linienschiffe, schlecht bemannt und somit der eigenen Macht nicht überlegen.