Ludwig XIV. war aber inzwischen schon weiter gegangen, indem er im Februar, im Einverständnis mit dem spanischen Statthalter, aus den Festungen der spanischen Niederlande die holländischen Besatzungen vertrieben hatte, die dort nach altem Vertrage zum Schutze dieser Provinz und somit Hollands selbst lagen. Nun begann Holland zu rüsten und auch der Kaiser sammelte Truppen (Prinz Eugen), um sich die Lombardei zu sichern. Ludwig sandte sofort ein Heer (Catinat) nach Oberitalien, um den Österreichern den Weg zu verlegen; hier begann der Krieg schon im Mai 1701.

Der Kaiser war zunächst noch in bedrängter Lage. Infolge der Türkenkriege war der Schatz erschöpft und in Ungarn erforderten neue Unruhen ein Heer; Ludwig hatte Savoyen sowie die Kurfürsten von Bayern und Köln für sich gewonnen, auch ganz Italien stand gegen den Kaiser; mit ihm gingen allerdings die meisten anderen deutschen Fürsten, besonders Preußen und Hannover, die er sich durch Gewährung der Königs- und Kurfürstenwürde verpflichtet hatte.

Die neuen Versuche der Seemächte, auf friedlichem Wege ihren Zweck zu erreichen, hatten auch keinen Erfolg. Ludwig gab nicht nach, und wie Holland genötigt war, zu seinem eigenen Schutze zu rüsten, so wurde auch in England die Stimmung feindlicher. Schon der erste Teilungsvorschlag war hier dem Volke nicht genehm gewesen, weil durch ihn Neapel und Sicilien unter französischen Einfluß gekommen wären; jetzt sprach sich das Parlament offen gegen jede Lösung der Frage aus, die Frankreichs Herrschaft im Mittelmeer stärke, und gab dem Könige freie Hand, eine neue große Allianz gegen Ludwig XIV. herbeizuführen. Im September 1701 schlossen die Seemächte einen geheimen Vertrag mit dem Kaiser, in dem folgende Grundzüge für einen bevorstehenden Krieg niedergelegt wurden: Besetzung der spanischen Niederlande zum Schutze Hollands; Eroberung der italienischen Provinzen für den Kaiser; Berechtigung der Seemächte, außereuropäische spanische Besitzungen für sich zu erobern. Keiner der Verbündeten solle allein mit Frankreich in Unterhandlung treten und ohne sicherzustellen, daß niemals Frankreich Spanisch-Indien erhielte oder dort Handelsbeziehungen anknüpfe, endlich daß England und Holland die Handelsvorrechte behielten, die sie unter dem verstorbenen Könige besessen hatten. Diese Bedingungen entsprachen also dem letzten Teilungsvorschlage: Anjou wurde als König anerkannt, aber die Seenationen sicherten sich große maritime Vorteile und berücksichtigten doch die Ansprüche des Kaisers — deutsche Truppen mußten ja in erster Linie den Landkrieg führen.

Zum Ausbruch des allgemeinen Krieges kam es aber noch immer nicht. Holland wollte nicht ohne England losschlagen, und hier konnten sich die Handelskreise noch nicht entschließen, noch nicht von dem Eindruck der Verluste im letzten Kriege freimachen. In diesem kritischen Augenblicke starb Jakob II. (16. Dezember 1701) und Ludwig ließ sich bewegen, trotz der Bedingung im Frieden von Ryswijk dessen Sohn als König Jakob III. von England anzuerkennen. Dies faßte das englische Volk als Drohung und Beleidigung auf, und das Parlament bewilligte jetzt alle verlangten Mittel zum Kriege sowie Subsidien für Deutschland. Wilhelm III. starb zwar am 8. März 1702, doch die Königin Anna blieb seiner Politik treu; der Herzog von Marlborough wurde nicht nur in England, sondern für die Verbündeten überhaupt, die in diesem Kriege treibende Persönlichkeit, wie es früher Wilhelm von Oranien gewesen war. In den Niederlanden, wo kein neuer Statthalter gewählt wurde, gelang es dem Ratspensionär der Staaten von Holland, Heinsius, die Politik im Sinne Wilhelms fortzuführen. Im Mai 1702 wurde der Krieg erklärt.

Die Kriegserklärung erging: von Holland an die Könige von Frankreich und Spanien; von England an den König von Frankreich und an Spanien, da Anna nach der Proklamation Jakobs zum Könige von England Philipp nicht mehr als Herrscher anerkannte; vom Kaiser an den König von Frankreich und an Philipp von Anjou, da er Spanien als Eigentum seines Hauses ansah.

In dem Kriegsplane der Verbündeten trat bald eine, für uns besonders wichtige, Veränderung ein. Im Jahre 1703 wurde von allen Verbündeten Karl von Österreich als Karl III. zum Könige von Spanien ausgerufen. Portugal trat dem Bunde bei und Karl sollte mit Unterstützung dieses Landes sowie der Seemächte sein Reich erobern. In Spanien hatte er besonders in Katalonien und Aragonien Anhänger, während die südlichen Provinzen und besonders Kastilien auf seiten Philipps standen.

Der König von Portugal, Dom Pedro II., hatte aus Furcht vor Frankreich Anjou anerkannt, obgleich er im Herzen sein Gegner war; auch er fürchtete für die Zukunft den wachsenden Einfluß Frankreichs in Spanien. Österreich versprach ihm nun Abtretung spanischen Gebietes, England Geldhilfe. Er wollte sich aber nicht erklären, ehe nicht Karl in Lissabon gelandet und damit den Verbündeten die Verpflichtung erwachsen sei, auch auf der Pyrenäischen Halbinsel in einen Landkrieg einzutreten.

Gleichzeitig schlossen Portugal und England den Methuen-Vertrag — benannt nach dem die Verhandlungen führenden englischen Gesandten —, des Inhalts, daß England sich verpflichtete, die Einfuhr der Weine Portugals, Portugal die der englischen Fabrikate zu begünstigen. Wenn der Vertrag auch scheinbar beiden Teilen gleich günstig war, so brachte er doch tatsächlich den Handel Portugals ganz in Englands Hände und führte das Gold Brasiliens über Lissabon nach England; ein Vorteil, der schon in diesem Kriege von Nutzen und von Wichtigkeit wurde.

Von dieser Zeit an blieb Portugal notgedrungen, weil es von England mehr zu hoffen und mehr zu fürchten hatte als von irgend einer anderen Macht, ein treuer Bundesgenosse Englands, mit dessen Häfen als Stützpunkten die englische Seemacht rechnen konnte.

Damit wurden die Seemächte in einen großen Landkrieg auf der Pyrenäischen Halbinsel verwickelt und mußten ihre Seestreitkräfte vornehmlich dafür verwenden, während sich bei der einfachen Durchführung des Vertrages vom September 1701 die Kriegführung zur See wohl neben dem Mittelmeer in großem Maße auf die überseeischen Gewässer und die Kolonien erstreckt haben würde. Wenn bisher mehrfach gesagt ist, in diesem Falle würden die Seestreitkräfte im Mittelmeer nicht nötig gewesen sein, so ist dies nicht richtig. Auch nach dem ersten Kriegsplane lagen wichtige Aufgaben für die Flotten im Mittelmeer, und es dürfte jetzt kein Zweifel mehr sein,[255] daß Wilhelm III. und nach ihm Marlborough vom Beginn des Krieges an und während seines ganzen Verlaufes eine Stärkung der Macht Englands im Mittelmeer im Auge hatten, insbesondere die Beherrschung der Straße von Gibraltar; schon bei den Verhandlungen über die Teilung Spaniens verlangte Wilhelm, daß England einen Hafen an der Straße (Ceuta oder Oran) sowie einen oder zwei innerhalb dieser (z. B. Port Mahon) erhalten müsse, wenn ein französischer Prinz den Thron Spaniens bestiege.