Auch der Herzog von Savoyen, der anfangs auf französischer Seite stand, trat 1703 der großen Allianz bei; aus dem hochmütigen Auftreten Philipps V., seines Schwiegersohnes, ihm gegenüber schloß er, daß er sich auf Versprechungen Ludwigs doch nicht verlassen könne.

Der allgemeine Verlauf des Krieges. Der Landkrieg spielte sich in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien ab. Nur auf den beiden letztgenannten Kriegsschauplätzen griffen die Seestreitkräfte in den Kampf ein, es ist aber doch nötig, einen Überblick über den Gesamtkrieg zu geben — in dem so viele berühmte Generale fochten —, um den Einfluß des Seekrieges zu verstehen und zu würdigen.

Im Jahre 1701 besetzte Ludwig XIV. die spanischen Niederlande und sandte ein Heer unter Marschall Catinat nach Italien, um den Österreichern unter Prinz Eugen bei der Veroneser Klause den Weg nach der Lombardei zu verlegen; Prinz Eugen aber gelang es, über die Gebirge den Feind zu umgehen und im Mai bei Verona in seinem Rücken zu erscheinen. Obgleich weit schwächer, brachte er dann durch den Überfall bei Carpi (9. Juli) seinem Gegner eine Schlappe bei und schlug, als Catinat infolgedessen abberufen war, den weit weniger fähigen Marschall Villeroi bei Chiari (1. September), ja nahm ihn sogar durch Überfall bei Cremona (2. Februar 1702) gefangen.

Auch das ganze Jahr 1702 hindurch hielt sich Eugen gegen den Marschall Vendôme; 1703 wurde der Prinz als Präsident des Hofkriegsrates nach Wien berufen und bald darauf zur Niederwerfung des Aufstandes nach Ungarn gesandt.

Im Frühjahr 1702 begann der Krieg in den Niederlanden und in Deutschland. Der Herzog von Marlborough sollte mit einem englisch-holländischen Heere die spanischen Niederlande erobern und Ludwig von Baden gleichzeitig ein Reichsheer gegen Frankreich führen. Marlborough, durch Brandenburg von Cleve her unterstützt, fiel ins Kölnische ein und nahm Bonn; in den Niederlanden wurde er durch die vielen Festungen aufgehalten und konnte nicht vordringen, um Baden zu unterstützen. Dieser eroberte zwar Landau und schlug die Franzosen, die ihn umgehen wollten, zurück; er konnte aber nicht hindern, daß der Kurfürst Max Emanuel mit den Bayern ihn im Rücken bedrohte und die feste Reichsstadt Ulm besetzte.

Die Flotte der Verbündeten unternahm 1702 einen fruchtlosen Angriff auf Cadiz (August-September) und vernichtete die Silberflotte in Vigo (23. Oktober). Dieser Erfolg trug nicht wenig dazu bei, Portugal auf seiten der Gegner Frankreichs zu bringen; er zeigte ihm, daß eine die See beherrschende Macht (England) mehr Einfluß auf sein Schicksal habe als die Nachbarlandmacht (Spanien).

1703 vereinigte Marschall Villars die französische Rheinarmee mit der bayerischen an der oberen Donau; Ludwig von Baden würde den Gegnern erlegen sein, wenn diese einig gewesen wären. Aber der Kurfürst trennte sich von Villars und wandte sich nach Tirol, um sich mit Vendôme in Italien zu vereinigen. Er kam in dem von Truppen entblößten Lande bis zum Brenner, wurde dann durch das aufgestandene Volk unter schweren Verlusten (z. B. die Steinüberschüttung an der Pontlatzer Brücke) wieder verjagt. Vendôme, der von Italien aus in Tirol eindringen wollte, war vom Grafen Starhemberg, Eugens Nachfolger, weiter festgehalten. Auf diesem Kriegsschauplatze fanden die Österreicher jetzt Unterstützung an Savoyen, wenn auch dessen Herzog (sein Land von den Franzosen besetzt, Turin belagert, das Heer entwaffnet) sich zunächst auf den kleinen Krieg im Rücken der Franzosen beschränkt sah.

1704 machte Ludwig XIV. die größten Anstrengungen, eine baldige Entscheidung herbeizuführen, waren doch Portugal und Savoyen zu den Gegnern getreten; die Seemächte bereiteten einen Angriff von Portugal aus auf Spanien vor, mit Savoyen hatte er seine Rückendeckung in Italien verloren. Vendôme stand in Italien mit 60000 Mann, Villeroi in gleicher Stärke in den Niederlanden, der Hauptschlag sollte in Deutschland geführt werden. Hierzu waren 100000 Mann aufgeboten; sie standen zum Teil, mit den Bayern vereint, unter Marzin bei Augsburg, zum Teil unter Tallard, der Marzin verstärken sollte, endlich unter Coigny an der Mosel den Brandenburgern im Clevischen gegenüber. Baden stand mit nur 30000 Mann zwischen Marzin und Tallard in den Stollhofer-Linien. Zwar rückte Prinz Eugen heran, um ihm Luft zu machen, aber nur mit 20000 Mann. Aus dieser schwierigen Lage wurden die Verbündeten durch das selbständige Eingreifen ihrer beiden größten Feldherren, Eugen und Marlborough, die sich behufs Vereinigung in Einverständnis gesetzt hatten, befreit; der englische General war bereit, auf der gefährdeten Stelle zu erscheinen. Es war schwierig, denn in England durfte es nicht bekannt werden, weil Ludwig XIV. sonst sofort Kenntnis davon erhalten hätte, und die Generalstaaten wollten das Heer in den Niederlanden nicht geschwächt haben. Aber mit dem Ratspensionär Heinsius im Einverständnis ließ Marlborough nur die Holländer Villeroi gegenüberstehen und marschierte (im Mai) mit den englischen und den von Holland besoldeten deutschen Truppen nach dem Neckar. Wenn nun auch Villeroi zu Tallard eilte und Tallard Verstärkungen für Marzin absandte, so wurde dieser doch abgehalten, weiter auf Wien zu marschieren; er wandte sich nach Ulm, um Tallard zu erwarten.

Eugen, Marlborough und Baden vereinigten sich bei Groß-Heppach im Remstal. Baden, der gegen eine entscheidende Schlacht war, beanspruchte anfangs den Oberbefehl, doch einigte man sich darüber, diesen abwechselnd zu führen. Man rückte gegen Donauwörth vor, und als Marlborough am 2. Juli kommandierte, schlug er die Bayern am Schellenberge; Baden ward dann veranlaßt, Ingolstadt zu belagern. Eugen und Marlborough schlugen bei Höchstädt (Blindheim; englisch Blenheim) am 13. August mit 52000 Mann das feindliche Heer, 58000 Mann, unter Max Emanuel, Marzin und Tallard, ehe der schon in der Nähe befindliche Villeroi herankam. Tallard wurde mit 12000 Mann gefangen genommen; der Kurfürst und Marzin flohen auf Villeroi zurück; Ulm wurde den Bayern, Landau den Franzosen abgenommen. Die Sieger waren aber nicht stark genug, ihren Erfolg auszunutzen, doch wurde mit Höchstädt Deutschland von den Franzosen gesäubert und blieb in der Folge nur noch ein untergeordneter Kriegsschauplatz; Max Emanuel wurde geächtet — er führte später französische Heere in den Niederlanden — und Bayern trat von der französischen Verbindung zurück.

Die Tätigkeit der verbündeten Seestreitkräfte bestand im Jahre 1703 der Hauptsache nach nur darin, die französische Flotte in Toulon festzuhalten, im Jahre 1704 aber war sie von großer Bedeutung. Eine Flotte brachte Karl III. nach Lissabon, eroberte Gibraltar und trieb die französische, die diese Stadt decken oder wiedernehmen sollte, durch die Schlacht bei Malaga — die einzige Seeschlacht dieses Krieges — zurück; damit war die Erringung einer dauernden Seeherrschaft im Mittelmeer eingeleitet. Der Landkrieg in Spanien wurde in diesem Jahre nur erst schwach an der portugiesischen Grenze geführt.