Im Jahre 1705 sollte Marlborough die spanischen Niederlande, Eugen Italien von den Franzosen säubern, es gelang aber nicht; der Tod des Kaisers Leopold (11. Januar) trat verzögernd dazwischen, die Holländer zeigten sich lau, Eugen war nicht stark genug. Besser stand es auf der Pyrenäischen Halbinsel. Hier wurde die Wiedereroberung Gibraltars, schon seit dem Winter 1904 durch ein spanisches Heer unter dem französischen Marschall Tessé belagert, durch das Wintergeschwader der Verbündeten vereitelt und Spanien von zwei Seiten angegriffen. Das Vordringen von Portugal aus gegen Tessé kam zwar nicht vorwärts, aber mit Hilfe einer großen Flotte wurde Barcelona genommen (3. Oktober) und von hier aus Katalonien, Aragonien und Valencia erobert. Zwar sandte Ludwig XIV. früh im Jahre 1706 ein Heer unter Noailles nach Spanien, das von Norden her gegen Katalonien vorging, während Tessé von Westen herankam, und König Karl wurde auf Barcelona zurückgeworfen und dort mit Unterstützung einer französischen Flotte belagert. Aber auch diese Stadt entsetzte die verbündete Flotte (10. Mai), die französische Armee ging nach Frankreich zurück, die Verbündeten drangen von Portugal aus vor und zogen in Madrid ein (26. Juni); König Philipp floh nach Frankreich. In diesem Jahre wurden auch sonst Erfolge errungen. Marlborough schlug Villeroi bei Ramillies (23. Mai); Prinz Eugen, durch Brandenburger unter Leopold von Dessau verstärkt, drängte die Franzosen unter dem Herzog von Orleans (Nachfolger Vendômes) zurück und warf sie durch die Schlacht vor Turin (7. September) ganz aus Norditalien hinaus. Nur am Rhein konnte Ludwig von Baden kaum seine Stellung Villars gegenüber behaupten, da die Reichsstände ihre Kontingente nur unvollständig stellten.

Das Eingreifen der Flotte war in diesen beiden Jahren von großer Bedeutung: Entsatz von Gibraltar; Überführung des Heeres nach Katalonien; Eroberung Barcelonas und anderer Küstenstädte, sowie Mallorcas; Entsatz Barcelonas. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß die Erfolge stets im Winter wieder auf dem Spiele standen, wenn sich die Flotte zurückzog, weil man nicht wagte, sie im Mittelmeer überwintern zu lassen.

1707 stand Frankreich also sehr ungünstig da und wäre vielleicht niedergezwungen, wenn ein Plan Marlboroughs durchgeführt wäre. Dieser geniale Feldherr und Staatsmann versuchte schon seit Beginn des Jahres 1706, die verbündeten Regierungen zu einem Hauptangriff auf die Provence zu bewegen, um die lange französische Stellung von den Niederlanden bis Spanien in der Mitte zu durchbrechen und Frankreich auch im Mittelmeer von allen Zufuhren abzuschneiden, wie es an den anderen Küsten schon nahezu geschehen war. Prinz Eugen sollte mit dem Herzog von Savoyen, verstärkt durch englisch-holländische Truppen und unterstützt von der Flotte, den Stoß ausführen, gleichzeitig sollte ein kräftiger Vorstoß in den Niederlanden erfolgen und der Krieg in Spanien möglichst gefördert werden; auch mit einer stark wieder auflodernden Erhebung der Protestanten in den Cevennen, die 1703 entstanden und eben erst in der Hauptsache unterdrückt war, wurde gerechnet. Der Plan kam nicht zur vollen Durchführung: Der Vorstoß in den Niederlanden unterblieb; Eugen wurde nach seinen Erfolgen 1706 nicht nur nicht verstärkt, sondern sogar durch Abgabe von Truppen zur Eroberung Neapels für Karl III. (1707) geschwächt. Eugen drang zwar in die Provence ein und belagerte Toulon, beides unterstützt durch die Flotte, mußte aber nach Italien zurückgehen (Juli–August). Marlborough machte in den Niederlanden 1707 noch einige Fortschritte, am Rhein dagegen drangen die Franzosen nach Ludwigs von Baden Tode (Januar 1707) vor und wurden nur dadurch gehemmt, daß sie Truppen nach Toulon senden mußten. Der Vorstoß in die Provence hatte sonst nur den einzigen unmittelbaren Erfolg, daß die Franzosen eine große Zahl ihrer Linienschiffe in Toulon, die sie versenkt hatten, verloren.

Auch in Spanien hatte sich das Blatt schon im Herbst 1706 gewandt. Die Verbündeten konnten sich in Kastilien nicht halten, da sich das Volk erhob und ein neues französisches Heer erschien. Sie zogen nach Katalonien ab und Philipp V. traf wieder in Madrid ein (Oktober 1706). Bei dem Versuch 1707, unter dem Earl of Galway wieder gegen Madrid vorzudringen, wurden sie bei Almansa (25. April) geschlagen und ganz Spanien fiel bis auf Katalonien an Philipp zurück.

Schon 1707 war Ludwig XIV. zum Frieden geneigt; er unterhandelte, geheim und getrennt, mit dem Kaiser und mit England. Jener sah sich ungenügend vom Reiche unterstützt und hatte Aussicht, wenigstens Italien zu erhalten; in England war man gleichfalls wegen der Rückschläge in Spanien und wegen des Fehlschlages auf Toulon teilweise geneigt, doch Marlborough arbeitete dagegen und es wurden dann auch dem Kaiser neue Versprechungen gemacht. Marlborough hatte für England recht, das Ausharren sollte im nächsten Jahre belohnt werden.

Im Jahre 1708 schlugen Marlborough und Eugen den Marschall Vendôme bei Oudenaarde (11. Juli), viele Festungen fielen in ihre Hand und die Franzosen wurden aus Flandern sowie Brabant vertrieben. In Spanien machten die Franzosen kaum noch Fortschritte, dagegen wurde Sardinien und Minorca für König Karl erobert.

Die Tätigkeit der Seestreitkräfte war 1707 und 1708 zuerst eng an den Landkrieg geknüpft. Sie führten Verstärkungen von England und Holland nach Spanien, begleiteten längs der Küste den Vor- und Rückmarsch Eugens und wirkten bei der Belagerung Toulons mit; später sicherten sie die Überführungen deutscher Truppen von Italien nach Katalonien. Dann aber brachte die Flotte die Insel Sardinien unter Karls Oberhoheit (August 1708) und unterstützte die von Katalonien ausgehende (General Stanhope, September) Einnahme Minorcas. England sicherte sich wie bei Gibraltar durch alleinige Besetzung Port Mahon als Stützpunkt.

Zu Ende des Jahres 1708 war Ludwig in größter Bedrängnis: Italien und die Niederlande verloren; Spanien nur eben zu halten; das Heer geschwächt und das Land erschöpft. Er entschloß sich zu demütigenden Friedensverhandlungen; er wollte für Philipp nur Neapel behalten, das Elsaß, Straßburg, Lille, Tournay zurückgeben. Als ihm aber zugemutet wurde, selbst seinen Enkel mit französischen Truppen aus Spanien zu vertreiben, setzte er den Krieg fort; es sollte jetzt auch ein Umschlag eintreten.

1709 errangen zwar Eugen und Marlborough nochmals einen großen Sieg bei Malplaquet über Villars (11. September). Ludwig mußte seine Truppen aus Spanien zurückziehen, Karl III. drang wieder vor, siegte später (20. August 1710) bei Saragossa und zog jetzt endlich in Madrid ein. Philipp mußte aufs neue fliehen und auch Ludwig riet ihm nun, Spanien aufzugeben und sich mit Sicilien und Sardinien zu begnügen. Aber Philipp blieb im Vertrauen auf die Kastilier standhaft und auch Vendôme zog wieder zu Felde. Die Lage war günstiger geworden. Im Jahre 1710 begann der Bund gegen Frankreich zu verfallen. In England kam die Gegenpartei Marlboroughs ans Ruder, sie war gegen die Fortsetzung des Krieges. Auch im Volke war man zum Frieden geneigt; man war überzeugt, schon jetzt für sich so günstige Bedingungen zu erreichen, daß ein Mehr den weiteren Opfern nicht entsprechen würde. So begannen Unterhandlungen zwischen England und Frankreich, die eifriger betrieben wurden, als Kaiser Joseph (17. April 1711) starb. Karl III. kam dadurch auf den österreichischen Thron und auch seine Wahl zum Kaiser war vorauszusehen; England konnte aber nicht zulassen, daß jetzt Spanien mit Österreich vereinigt würde.