Dementsprechend gab England 1711 die Sache Karls in Spanien auf; diese war schon dadurch fast unhaltbar geworden, daß Vendôme im Dezember 1710 den österreichischen General Starhemberg bei Villa Viciosa völlig geschlagen und bald darauf den Engländer Stanhope mit seinen Truppen gefangen genommen hatte. Karl III. verließ Ende September 1711 Spanien und wurde am 12. Oktober als Karl VI. zum Kaiser gewählt. Schon am 8. Oktober ward zwischen England und Frankreich im geheimen ein gegenhabsburgischer Vertrag geschlossen und bald darauf eröffnete man die Friedensverhandlungen. Vergebens ging 1712 (Januar) Prinz Eugen nach England, um für seinen Freund Marlborough und für die gemeinschaftliche Sache einzutreten. Marlborough fiel völlig in Ungnade und wurde vom Kommando abberufen; sein Nachfolger unterstützte Eugen und die Holländer nicht mehr, sie wurden von Villars geschlagen (27. Juli bei Denain) und zurückgedrängt, Als dann Philipp V. auf die Thronfolge in Frankreich verzichtete und Ludwig XIV. diesem Verzicht staatsrechtliche Gültigkeit verlieh, wurde zwischen England (nebst Portugal) und Frankreich (nebst Spanien) Waffenstillstand geschlossen; der Friedenskongreß in Utrecht wurde eröffnet, dem Holland notgedrungen beitrat.

Der Flotte der Verbündeten fielen in den letzten Jahren des Krieges nur wenig in die Augen springende Aufgaben zu: Deckung von Truppen- und Zufuhr-Transporten von Italien nach Spanien; Hinderung der Verbindung Frankreichs über See mit Spanien, Afrika und der Levante; Druck auf die bourbonisch gesinnten Staaten Italiens. Diese Aufgaben ließen sich jetzt von Port Mahon, wo die Flotte ausrüsten und überwintern konnte, weit besser und vor allem ständig durchführen.

Wir haben die erfolgreiche Mitwirkung der Seestreitkräfte der Verbündeten während der ganzen Dauer des Krieges angedeutet. Daß die französische Marine ihnen nicht wirksamer entgegentrat, lag vornehmlich an ihrem Verfall infolge Geldmangels (vgl. Seite [425]). In der ersten Hälfte des Krieges wurden ihr noch einige Male (1701, 1704, 1706) Aufgaben von Wichtigkeit gestellt. Sie konnte diese in ihrer Schwäche nicht lösen; das Vertrauen zu ihr sank und mit zunehmender Vernachlässigung schritt der Verfall fort. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges wurde nur Tatkraft im kleinen Kriege, besonders in den nördlichen Gewässern, entfaltet und auch dem Handel der Seenationen schwerer Schaden zugefügt. Hiergegen und gegen den französischen Handel operierten die Teile der englischen und holländischen Marinen, die im Mittelmeer nicht nötig waren; es geschah dies mit immer mehr Erfolg, weil auch hierin die Kraft der Franzosen nachließ und in den letzten Jahren die Flotte im Mittelmeer vermindert werden konnte.

Am 13. April 1713 wurde der Frieden von Utrecht geschlossen. Die Bedingungen waren ganz besonders günstig für England. Ludwig XIV. mußte die von England in Aussicht genommene Thronfolge des Hauses Hannover anerkennen, wodurch die protestantische Regierung in England gesichert war, und den Prätendenten Jakob ausweisen. England erhielt Gibraltar und Minorca — Stützpunkte für seine Seemacht im Mittelmeer, zu denen bei der engen Verbindung mit Portugal auch noch die Häfen dieses Landes traten — sowie in Amerika Neufundland, Akadia (die Kap Bretoninsel, der Schlüssel zum Lorenz-Golf verblieb noch bei Frankreich) und die französischen Besitzungen an der Hudsonbai — der erste Schritt zum Gewinn Kanadas. Von Frankreich und von Spanien erhielt England endlich sehr günstige Handelsverträge bewilligt. Der wichtigste dieser war der Assiento-Vertrag, durch den England allein von Spanien die Einfuhr von Negersklaven in Spanisch-Amerika gestattet wurde; schon an sich lohnend, wurde dieser Sklavenhandel noch wertvoller als Grundlage eines ungeheuren Schmuggelhandels. Von Frankreich an Portugal gemachte Zugeständnisse in Südamerika kamen ebenfalls England zugute.

Philipp von Anjou behielt den spanischen Thron und Spanien seine außereuropäischen Besitzungen; von den spanischen Niederlanden fielen Geldern an Preußen, dessen Königtum gleichzeitig anerkannt wurde, die übrigen Provinzen (Belgien) an den Kaiser, der auch Mailand, Neapel und Sardinien erhielt; an den Herzog von Savoyen, dem man gleichfalls den Königstitel zugestand, wurde Sicilien abgetreten.

Holland erhielt das Besatzungsrecht einiger Städte Belgiens — die „Barrierenstädte“, teils allein, teils im Verein mit Österreich —; die Sperrung der Schelde im Interesse der holländischen Häfen blieb auch für den Handel der jetzt österreichischen Niederlande bestehen; der Handelsvertrag mit Frankreich gab Holland dieselben Vorrechte wie England.

Das Deutsche Reich kam am schlechtesten weg. Die ungünstigen Bedingungen des Friedens von Ryswijk wurden bestätigt, nur seinen rechtsrheinischen Gewinn gab Frankreich zurück; die Kurfürsten von Bayern und Köln wurden aus der Reichsacht gelöst und erhielten ihre Länder wieder.

Die Bedingungen, die Österreich und das Deutsche Reich betreffen, wurden im Frieden von Utrecht nur vorgeschlagen und erst in späteren Sonderfrieden bestätigt. Der Kaiser setzte den Krieg fort; ohne die Subsidien der Seestaaten und von den Reichsfürsten nur mangelhaft unterstützt — die östlichen und nördlichen Staaten des Reiches waren in den nordischen Krieg (1700–1721; vgl. Kapitel X) verwickelt — konnte er aber dem Andringen Frankreichs (Villars gegen Eugen) nicht mehr widerstehen. Es schloß am 7. März 1714 den Frieden von Rastatt für Österreich und am 7. September den von Baden für das Reich mit Frankreich. Mit Spanien wurde von Österreich der Frieden noch nicht geschlossen (erst 1720); Karl verzichtete also noch nicht auf den spanischen Thron.

„Der Frieden von Utrecht ist ein Markstein in der Geschichte.“ Von ihm datiert Englands Vormachtstellung zur See; die von England gestellten Forderungen zeigten, daß es in vollstem Maße eine Seemacht geworden und sich dessen bewußt war. Wir kommen hierauf in den Schlußbemerkungen zu diesem Kriege zurück.