Die Rüstungen der Verbündeten hatten rechtzeitig begonnen. Holland beschloß 48 Linienschiffe in Dienst zu stellen, England hätte demnach 80 zur gemeinsamen Flotte liefern müssen und diese würde 128 Schlachtschiffe stark gewesen sein; mit 130 rechnete ja auch Rooke in seinem Plane. Auf der Flotte, die nach Spanien gehen sollte, wollte man 10000 englische und 5000 holländische Soldaten einschiffen. Es währte jedoch sehr lange, bis eine gemeinsame Flotte operationsbereit war; die Gründe der Verzögerung sind wohl in der Krankheit und dem Tode (8. März) Wilhelms zu suchen.

Wenn auch die holländischen Schiffe sich schon im März in den Seegatten sammelten, so verging doch nach dem Tode Wilhelms lange Zeit mit Verhandlungen, inwieweit der alte Vertrag über die Aufstellung der gemeinsamen Flotte bestehen bleiben solle (endgültig abgeschlossen erst am 9. Juni 1703), und erst am 31. Mai kam das holländische Kontingent in Spithead an. Hier fand es auch die englische Flotte noch nicht bereit; es fehlte besonders an Soldaten für das Landungskorps, weil die neuerrichteten Seeregimenter noch nicht voll aufgestellt waren, aber auch sonst waren die Rüstungen im Rückstande.

Erst Ende Juni lagen bei St. Helens seeklar: 30 englische und 20 holländische Linienschiffe über 50 Kanonen, 13 Fregatten, 9 Brander, 8 Mörserboote und zahlreiche Transporter für Soldaten, Proviant und Kriegsmaterial sowie 6 Hospitalschiffe, insgesamt 160–200 Segel; etwa 9000 englische und 4000 holländische Soldaten, in beiden Ländern meist den Seeregimentern entnommen, waren eingeschifft. Den Oberbefehl führte Admiral Rooke, die Holländer kommandierte Leutnantadmiral von Almonde; das Landungskorps stand unter den Generalen Herzog von Ormond (englisch) und de Sparre (holländisch).

Neben dieser Hauptflotte hatte Holland ein Geschwader von 15 Linienschiffen unter Vizeadmiral Evertsen an der flämischen Küste gegen Unternehmungen der Franzosen auf diese im Dienst und England eine Flotte von 30 Schiffen (später noch verstärkt) unter Admiral Shovel im Kanal, die bei Abwesenheit der Hauptflotte Brest blockieren und den Handel schützen sollte. In beiden Staaten war also die geplante Stärke der Gesamtindienststellung nicht erreicht.

Aber auch jetzt begannen die Operationen noch nicht, obgleich der Krieg am 4. Mai erklärt war. Wenn nun auch dieser weitere Verzug wohl mit eine Folge des Personalwechsels in den höheren Stellungen der englischen Admiralität nach dem Tode Wilhelms III. war — Mitte Mai war der Gemahl der Königin Anna, Prinz Georg von Dänemark, zum Lordhighadmiral ernannt; der vorhin angeführte Befehl für die Flotte wurde erst am 7. Juni erlassen —, so wird doch allgemein die Hauptschuld dem Admiral Rooke zugeschrieben. Wieder äußerte dieser mit fortschreitender Jahreszeit seine Bedenken, die großen Schiffe nach dem Süden zu führen; die Order entsprach eben nicht seiner Ansicht. Unterstützt wurde er durch Shovel, der erklärte, mit seinen 30 Schiffen könne er seine Aufgabe nicht lösen; Shovel äußerte auch, wenn man dem Feinde nur gleich sei, könne man nie auf einen entscheidenden Sieg rechnen.[263]

Die neue Admiralität bestand nun zwar noch energischer auf der Durchführung des Planes Wilhelms — der Bruder Marlboroughs, der in der Admiralität angestellt war, hatte großen Einfluß auf den Prinzadmiral und arbeitete im Sinne seines Bruders, während der vorhergehende Lordhighadmiral Lord Pembroke die Ansicht Rookes teilte —, sie hatte jedoch in ihrem Streben, Rooke anzutreiben, wenig Erfolg.

Über die Rüstungen der Franzosen in diesem Jahre liegen nähere Angaben nicht vor; aus den französischen Quellen kann man entnehmen, daß sowohl in Brest wie in Toulon zahlreiche Indienststellungen stattgefunden haben, die zusammen wohl eine Flotte gebildet hätten, mit der die Gegner rechnen mußten. Kleinere Geschwader oder Divisionen waren wie zu Ende des vorigen Krieges zum Schutz der Häfen, zur Bedrohung des feindlichen Handels oder zu bestimmten Zwecken in Dienst gestellt; einige von diesen (unter berühmten Führern, wie: du Casse, Saint-Pol; Forbin, Trouin) werden uns bei Betrachtung des kleinen Krieges beschäftigen.

Eine solche Abteilung sei hier erwähnt, da sie von Bedeutung für den Landkrieg in Norditalien war. Dort war Prinz Eugen auf Zufuhren von Triest über Venedig angewiesen, und im Juni 1702 erschien Forbin mit einigen Fregatten im Adriatischen Meere. Es gelang ihm, die Verbindung zu unterbrechen, doch wurde er bald abberufen, weil er zu scharf gegen die neutrale Republik Venedig vorging; immerhin war die Folge, daß die Befehle für die Flotte der Verbündeten später darauf hinwiesen, das Adriatische Meer von französischen Streitkräften freizuhalten.

Eine zweite Abteilung gab den Anlaß zu den ersten Operationen der Hauptflotte der Verbündeten. Eine auf Erkundung im April ausgesandte englische Fregatte meldete, daß sich in La Rochelle ein Geschwader sammle, um Truppen von Ferrol oder Coruña nach Westindien zu bringen sowie Galeonen dorthin zu geleiten. (Es war du Casse mit 6 Linienschiffen und 8 Transportern.) Infolgedessen wurden im Mai 9 Linienschiffe nebst 2 Fregatten ausgesandt, um du Casse abzufangen. Der Führer, Sir John Munden, sichtete am 27. Mai 14 Franzosen bei ihrem Einlaufen in Ferrol. Da er sie alle für Kriegsschiffe hielt und auch nach anderen Nachrichten 17 feindliche Linienschiffe in Ferrol vermutete, ging er nach England zurück (Ende Juni dort. In kriegsgerichtlicher Untersuchung freigesprochen, wurde Munden doch der öffentlichen Meinung zuliebe entlassen). Nun beschloß der Kriegsrat der Flotte, zu einem See- und Landangriff gegen Coruña vorzugehen und sich dann gegen Cadiz zu wenden; die Admiralität stimmte bei, hielt aber auch ihre früheren Befehle aufrecht und betonte, falls der Spätherbst vor Lösung der Aufgaben einträte, solle Rooke die schweren Schiffe in dem von ihm genommenen spanischen Hafen bergen; alles zur Neuausrüstung Nötige werde man hinaussenden.