Anfang Juli sandte Rooke etwa die Hälfte der Flotte — 22 Linienschiffe unter Admiral Fairborne — voraus; sie sollte die Franzosen in Coruña festhalten oder, wenn diese schon ausgelaufen wären, ihn bei Finisterre erwarten. Er selbst verließ mit dem Rest bald darauf St. Helens, blieb dann aber wieder „wegen Gegenwindes“ in Torbay liegen; seine Bedenken wegen der schweren Schiffe hatte er immer wieder zur Sprache gebracht. Endlich gelang es der Admiralität, ihn dadurch in Bewegung zu setzen, daß sie verfügte, Shovel solle ihm seine schweren Schiffe gegen leichtere umtauschen, wodurch auch dieser seinem Wunsche gemäß verstärkt würde. Dies paßte Rooke nicht; er verließ, ehe Shovel ihn erreichte, am 1. August den Kanal.

Der Admiralität erschien ein baldiges Auslaufen geboten, weil von Benbow in Westindien die Nachricht eingegangen war (14. Juli), daß Château-Renault im März mit der Silberflotte die Heimreise antreten werde. Diese war, wie wir wissen, im Vorjahre zurückgehalten und Spanien fühlte schmerzlich den Ausfall; mit ihrem Abfangen konnte ihm ein schwerer Schlag zugefügt werden. Es wurde deshalb der Befehl erlassen, daß Rooke die spanische Küste von Cadiz nördlich und Shovel die französische von Brest südlich sperren solle. Im übrigen blieb die alte Order wieder bestehen, nur wurde Gibraltar von den etwa zu nehmenden Plätzen gestrichen und auch dem Admiral freigestellt, mit den schweren Schiffen heimzukehren, sobald ein Hafen genommen sei; er habe dann Shovel durch 10–12 gute Schiffe zu verstärken, falls Renault noch nicht eingetroffen sei. Man glaubte in England und in Frankreich, Renault würde die Silberflotte nach einem französischen Hafen führen.

Am 10. August traf Rooke bei Finisterre ein und stellte fest, daß die Franzosen Coruña verlassen hatten. Sie waren schon vor Fairbornes Ankunft ausgelaufen; dieser war durch Sturm vom Rendezvousplatze vertrieben, vereinigte sich aber am 18. August vor Lissabon mit der Hauptflotte. Jetzt wandte sich Rooke gegen Cadiz. Dieses Unternehmen sollte jedoch kläglich verlaufen, da es ohne jede Tatkraft und Umsicht ins Werk gesetzt wurde; dies ist um so auffallender, als es doch so lange vorbereitet war und man die Erfahrungen des glorreichen Angriffes 1596 (Howard und Essex) sowie des Mißerfolges 1625 (Wimbledon) für sich hatte. Der diesmalige Mißerfolg wird von den Quellen den verschiedenen Führern zugeschrieben: die Holländer (z. B. de Jonge) klagen den General Ormond des Mangels an Tatkraft an, hervorgerufen durch Unfähigkeit oder gar böse Absicht, weil er ein Gegner Marlboroughs gewesen sei; englische Quellen (und zwar fast alle) schieben die Schuld mehr auf die Lauheit Rookes und seiner Flaggoffiziere (Fairborne ausgenommen) sowie auf Mangel an Einigkeit zwischen den Land- und Seeoffizieren. Die Schilderung wird zeigen, daß beide Auffassungen ihre Berechtigung haben; hinzu trat noch die Einwirkung des Prinzen Georg von Hessen-Darmstadt,[264] der sich als Repräsentant des Kaisers auf der Flotte befand. Dieser sprach gegen jedes allzu schroffe Auftreten, in der Absicht; die Bevölkerung Südspaniens für Habsburg zu gewinnen oder sie wenigstens nicht dagegen auf zubringen; man muß annehmen, daß seine Bedenken dann den englischen Führern ganz erwünscht kamen. Von Rooke sagen Zeitgenossen, er habe von dem Unternehmen so gleichgültig gesprochen, daß man daraus hätte folgern können, er würde dem Feinde nicht viel Schaden tun; er lag auch während der Ausreise und während des Angriffs fast stets krank (?) im Bett. Der Angriff bietet wenig von Bedeutung.

Am 23. August ankerte die Flotte in der Bucht westlich von Cadiz. Hier lagen 3 Kriegsschiffe und einige (4–6) Galeren der Franzosen, die in den Hafen einliefen; Fairborne wollte sofort folgen, aber Rooke verbot es. Auf der Reise war öfters Kriegsrat abgehalten, meist Land- und Seeoffiziere getrennt, es bestand jedoch noch kein Plan über das, was man unternehmen und wie weit man gehen wollte. Eine Aufforderung zur Übergabe, gestellt in der Hoffnung auf habsburgische Gesinnung in der Stadt, wurde abgelehnt; man erfuhr, daß die Befestigungen gut im Stande seien, und daß 4000–5000 Mann in der Stadt lägen, und hielt deshalb einen Handstreich für ausgeschlossen. Nach seiner Instruktion hätte Rooke sich jetzt gegen einen anderen Hafen wenden können; die Order scheint nur mit einem Handstreich gerechnet zu haben, sei es, um nicht zu viel aufs Spiel zu setzen oder um nicht zu lange Zeit auf eine Belagerung zu verwenden, sei es, um die Bevölkerung zu schonen, aus demselben Grunde, den der Prinz von Hessen vertrat. Ein gemeinsamer Kriegsrat beschloß aber den Angriff.[265] Der Generalstabschef Ormonds schlug nach einer Erkundung vor, auf der Insel Leon, also möglichst nahe östlich von der Stadt, zu landen; der Kriegsrat lehnte es ab, vielleicht aus seemännischen Gründen (zu offene Küste). Die Truppen wurden zwischen S. Catalina und Rota ausgeschifft und Rota besetzt; beides geschah ohne nennenswerten Widerstand. Erst nach fünf Tagen marschierte Ormond nach S. Maria, das verlassen vorgefunden wurde; auch hier blieb man vier Tage untätig stehen, plünderte aber die Stadt, ja selbst die Kirchen, und diese Plünderung, an der sich sogar Offiziere, auch der höheren Dienstgrade, beteiligten, wirkte höchst nachteilig für die habsburgische Sache. Große Weinlager waren gefunden worden und die schlecht in Disziplin gehaltenen, meist betrunkenen Leute „behaved in a most disgraceful and abominable manner“ (nach Clowes). Inzwischen war S. Catalina von den Mörserbooten beschossen und ergab sich sofort einem heranrückenden kleinen Truppenteil.

Bis dahin waren also Erfolge erzielt, wenn auch langsam; Almonde soll stets versucht haben, durch General Sparre bei Ormond auf lebhafteres Vorgehen hinzuwirken. Jetzt mußte man den Hafen und Cadiz selbst angreifen; hierzu war die Mitwirkung der Flotte nötig. Man wollte das Fort Matagorda nehmen, das dem Fort Puntales gegenüber gelegen die Einfahrt von Osten her deckte, sowohl um der Flotte das Einlaufen in den Hafen zu erleichtern, als auch um von dort die Truppen auf die Insel Leon überzuführen. General Sparre marschierte mit 3000 Mann über Puerto Real vor das Fort, konnte aber wegen der schlechten Wege nicht genügend Artillerie hinschaffen. Die Flotte machte Schwierigkeiten, Truppen usw. von S. Maria oder Rota dorthin zu bringen: die Schiffe müßten erst Wasser nehmen und könnten auch die Boote nicht entbehren. Geradezu ablehnend verhielt sich Rooke nicht, aber er tat auch nichts. Schon waren Schiffe zum Forcieren bestimmt gewesen, falls Matagorda gefallen sei, später jedoch äußerte sich der Kriegsrat der Seeoffiziere wieder, auch dann könnten die Schiffe nicht einlaufen; er schlug vor, zunächst die Stadt in einer „günstigen“ Nacht zu beschießen. Hiergegen[515] sprach aber der Prinz von Hessen und auch Rooke fand nie günstiges Wetter. Matagorda hielt sich, unterstützt durch das Feuer der Galeren, und die Spanier versenkten Schiffe in der Einfahrt. Der Kriegsrat der Landoffiziere erklärte, ohne Hilfe der Flotte könne das Landungskorps das Fort nicht nehmen und nicht vor die Stadt gelangen, da es der schlechten Wege und der vielen Wasserläufe halber von P. Reale nicht ganz über Land bis zur Insel Leon marschieren könne; zu einer förmlichen Belagerung fehle ihm überhaupt das nötige Material. So wurde am 16. September allgemein beschlossen, das Unternehmen aufzugeben; nachdem alle Magazine mit Schiffs- und Kriegsvorräten in den besetzten Plätzen verbrannt waren, schiffte man am 25. September die Truppen ein.

Man hatte nichts erreicht als die Vernichtung einiger Magazine, und weit mehr hatte die Plünderung der Ortschaften der allgemeinen Sache geschadet.

Rooke und sein Kriegsrat beschlossen, nach England zurückzukehren, sie hatten nur die Sicherheit der Schiffe im Auge. Es ist möglich, daß auch die Lauheit bei dem Unternehmen teilweise dem Gedanken zuzuschreiben ist, die Flotte unversehrt zu erhalten, falls eine französische sich zeigen sollte. Vergeblich versuchte der Prinz von Hessen, unterstützt durch die Generale und durch Almonde, Rooke zu bewegen, einen anderen Hafen zu nehmen. Der Prinz wies auf die in der Instruktion genannten Städte hin, Rooke fand bei allen seemännische Bedenken; der Prinz schlug einen Hafen an der Ostküste vor — z. B. Valencia, Aragonien und Katalonien würden sich gegen Philipp V. erheben — Rooke sagte, seine letzte Order verböte ihm, weiter als Cadiz zu gehen. Eine Rückkehr nach England lag keineswegs in der Absicht der englischen Regierung, wie aus späteren Befehlen zu ersehen ist. Der Admiral hat diese wohl nicht rechtzeitig erhalten; aber auch eine Aufforderung des englischen Gesandten (Methuen) in Portugal, nach Lissabon zu kommen und dort zu überwintern, konnte seinen Entschluß nicht ändern.

Am 1. Oktober verließ die Flotte die Bucht von Cadiz, nahm vor Lagos Wasser, zweigte hier 6 Linienschiffe mit 2000 oder 3000 Mann auf Transportern unter Kapitän Walker nach Westindien zur Verstärkung Benbows ab und trat dann die Reise nach England an.

Einige Andeutungen über die ebenerwähnten späteren Befehle (genauer in Corbett, Teil II, Seite 266): Mitte August wurde Rooke die Einnahme von Cadiz dringender als bisher ans Herz gelegt; man wußte, daß Frankreich wieder im Adriatischen Meere sich zeige, und glaubte, daß von Toulon eine größere Macht dorthin abgehen solle. Mit dem Zurückbringen seiner Schiffe im Winter brauche Rooke nicht zu rechnen; er könne in Cadiz bleiben, weil im Frühjahr eine große Flotte im Mittelmeer auftreten solle. (Marlboroughs Plan gegen Südfrankreich und Eroberung Neapels für den Kaiser.)

Ein zweiter Befehl, Mitte September, als die ungünstigen Nachrichten von Cadiz eingetroffen, weist wiederum auf Einnahme eines anderen Platzes hin. Man wollte Rooke an der spanischen Küste festhalten, weil man wußte, daß die Silberflotte bald ankommen müsse und in einen spanischen Hafen einlaufen wolle.