Die dritte Verfügung, vom 24. September, als man annahm, die Silberflotte müsse schon unbemerkt eingelaufen sein, fordert wieder die Eroberung von Cadiz; jedenfalls müsse Ormond kräftig unterstützt werden, die großen Schiffe solle Rooke, wenn durchaus nötig, nach Lissabon schicken. Methuen teilte ihm mit, er könne dorthin kommen. Der König schwanke schon, seitdem die Flotte an der Küste sei; käme eine Streitmacht in den Tajo, so würde er den Verbündeten beitreten. Diese Nachricht erhielt Rooke in Lagos.
Stürmische Gegenwinde ließen die Reise längs der Küste nur langsam fortschreiten und hierdurch sollte Rooke die Gelegenheit finden, einen großen Schlag zu tun:
Die Vernichtung der Silberflotte in Vigo. Château-Renault hatte mit dieser unbelästigt Westindien verlassen können; auf den Azoren hörte er, daß Rooke mit der Hauptflotte an der spanischen Südküste sei. Seinem Vorschlage, die Galeonen nach einem französischen Hafen zu bringen, trat der spanische Admiral entgegen — „spanischer Stolz“ sagen die französischen Quellen; „Mißtrauen gegen ihren Verbündeten“ meinen die englischen —, so entschloß er sich, nach Vigo zu gehen. Am 27. (21.?) September traf er dort ein, gerade noch rechtzeitig, denn auch Shovel hatte Mitte September den Befehl erhalten, von der französischen Küste nach Finisterre zu segeln. Methuen in Lissabon scheint Renaults Ankunft sehr spät erfahren zu haben, denn erst zehn Tage darauf kam sein Bote mit der Nachricht in Faro an. Die Flotte hatte soeben die Reise fortgesetzt, so daß der Konsul trotz aller Bemühungen Rooke nicht mehr erreichen konnte. Der Bote traf aber noch einige Transporter beim Wassernehmen und der Kommodore der begleitenden Kriegsschiffe sandte sofort eine Fregatte (Kapitän Hardy) der Flotte nach.
Nach einer anderen Erzählung erfuhr der Kommodore die Ankunft der Silberflotte durch beurlaubte Offiziere — besonders einen Prediger —, denen gegenüber der französische Konsul damit großgetan hatte, daß Renault den Verbündeten entwischt sei; es ist wohl eine Sage.
Daß der Angriff auf die Silberflotte überhaupt ganz dem Zufall zu verdanken sei, wie oft gesagt, ist nicht richtig. England hatte alle Schritte dazu getan: Methuen gab acht, Shovel hatte entsprechenden Befehl und auch Rooke versuchte sich zu unterrichten. Er fragte auf seiner Reise in Faro an und schickte auch ein Schiff nach Lissabon, doch konnte dieses wegen Sturmes nicht gleich wieder auslaufen. Von England waren acht Fahrzeuge an Shovel und Rooke mit dem Befehle abgesandt, Renault auf der Reise oder in Vigo anzugreifen; Shovels Station wußte man und Rooke hatte seine Kreuzer so vor sich verteilt, daß er voraussichtlich jede Nachricht von England erhalten mußte.
Hardy traf die Flotte bei Finisterre (17. Oktober), Rooke rief seine Kreuzer zurück und sandte sie gegen Vigo, um die Richtigkeit der Nachricht zu prüfen; er selber folgte mit der Flotte. Das schlechte Wetter hatte zwölf Stunden die Kommunikation zwischen Hardy und dem Admiral gehindert und erst am nächsten Tage konnte ein Kriegsrat stattfinden, zu dem auch nur die zu Luward stehenden Flaggoffiziere erschienen. Der Angriff auf Vigo wurde beschlossen. Auf dem Wege dorthin erfuhr Rooke, daß Shovel in der Nähe sei. Er rief ihn zur Mitwirkung heran, wartete jedoch nicht auf seine Ankunft. Sobald die Verhältnisse in Vigo erkundet waren, ging man zum Angriff über.
Im Kriegsrat soll ein großer Teil der englischen Offiziere dagegen gewesen sein, in so später Jahreszeit an der gefährlichen Küste etwas zu unternehmen; Almonde soll energisch dafür eingetreten sein, Rooke nur zögernd eingewilligt haben. Rooke fühlte sich auch während der Durchführung des Angriffes zu krank, um die Kajüte zu verlassen!
Château-Renaults Flotte bestand aus 15 (13?) französischen Linienschiffen, darunter 11 über 70 Kanonen, 3 spanischen, einigen kleineren Kriegsschiffen und 3 Brandern;[517] die Silberflotte zählte 13 Galeonen, 20–30 Kanonen, mit Edelmetallen und wertvollen Gütern beladen. Von dem Silber war allerdings der größere Teil schon ausgeschifft und vieles auch schon landeinwärts gebracht. Der französische Admiral hatte sich nach Möglichkeit eine gute Stellung geschaffen. Die meisten Schiffe und die Galeonen waren in die Bucht von Redondela gelegt; das Fort im Süden der nur ¾ Seemeilen breiten Einfahrt hatte man durch eine Batterie verstärkt (zusammen 38 Kanonen) und eine zweite Batterie im Norden gebaut (20 Kanonen). In die Einfahrt war eine schwere Floßsperre gelegt, flankiert durch 2 der schwersten Linienschiffe, hinter der Sperre waren 5 Linienschiffe im Halbmond vermoort; diese lagen aber etwas zu weit von der Sperre, um die heransegelnden Feinde gerade bei ihr mit vollem Feuer zu überschütten.