Nach dem Eintreffen in der Heimat erlitten die so wenig widerstandsfähigen Schiffe ein großes Unglück. In einem schweren und anhaltenden Sturme, Ende November bis Anfang Dezember, gingen in den Downs 9 Linienschiffe und 4 andere Fahrzeuge mit 1500 Mann verloren, die übrigen Schiffe wurden fast zu Wracks. Shovels Flaggschiff rettete sich durch Kappen der Masten; Vizeadmiral Fairborne wurde, vor dem Sturme lenzend, bis in die Ostsee vertrieben, und galt bis zu seiner Rückkehr im Frühjahr für verloren; in diesem Sturme wurde auch der Leuchtturm von Eddystone völlig weggewaschen.
Wie das Jahr 1704 im Landkriege sehr bemerkenswert ist, so bringt es auch zur See wichtige Unternehmungen sowie die einzige Seeschlacht dieses Krieges. Portugal war den Gegnern Frankreichs nur unter der Bedingung beigetreten, daß der von diesen aufgestellte König Karl III. in Lissabon lande und von hier aus sein Reich erobere; die Seemächte sollten dazu 10000 Mann Infanterie und 2000 Kavallerie stellen sowie ständig eine Flotte in den portugiesischen Gewässern halten. Die Verhandlungen hatten schon im Sommer 1703 begonnen, zogen sich aber so lange hin, daß die Rüstungen erst im November fertig wurden, und nun hinderte die ebenerwähnte Sturmperiode, die am 21. November einsetzte und fast den ganzen Dezember andauerte, das Zusammentreten der Expedition in Portsmouth.
Der größere Teil des für die Expedition bestimmten holländischen Kontingents wurde auf der Fahrt von Texel nach der Maas in die Nordsee vertrieben und traf erst am 3. Januar in Portsmouth ein. In der Maas lag der Rest der Holländer sowie eine Anzahl englischer Schiffe, mit dem König Karl, seiner Begleitung und Truppen an Bord; auch dieser Teil der Flotte konnte erst am 3.–4. Januar nach England hinübergehen. Sowohl in der Nordsee wie in der Maas waren die meisten Fahrzeuge — Kriegsschiffe, Transporter und Kauffahrer —, denn auch ein Convoi sollte angeschlossen werden — schwer beschädigt, so daß längere Ausbesserungen nötig waren; die sechs Wochen in der Nordsee gewesenen Schiffe mußten ihre Ausrüstung ergänzen.
Erst am 16. Januar 1704 konnte die Flotte Spithead verlassen und kanalabwärts segeln, wurde aber durch Sturm wieder nach Torbay zurückgetrieben und dort drei Wochen festgehalten, bis sie endlich am 24. Februar die Reise antrat. Den Oberbefehl führte Sir George Rooke; die Flotte zählte 17 (18?) englische und 12 holländische (Leutnantadmiral Callenburgh) Linienschiffe, einige Fregatten, 3 holländische Mörserboote und Transporter mit Truppen; ein großer Convoi schloß sich an, so daß gegen 300 Segel beisammen waren. Um König Karl möglichst bald überzuführen, segelten 23 Linienschiffe voraus; der Rest der Kriegsschiffe folgte mit dem Convoi später, traf aber nur wenige Tage nach dem Könige in Lissabon ein.
Holland hatte sich verpflichtet, 24 Linienschiffe zu stellen. 6 waren im Vorjahre in Lissabon geblieben, 12 stießen zu Rooke, es fehlten also 6. Zwar stellte die Republik 1704 wieder 35 in Dienst, behielt aber 17 in den nördlichen Gewässern, geteilt in 3 Geschwader: Schutz der Nordsee; gegen Dünkirchen und die Galeren in Ostende; zum Erwarten der Ostindienfahrer. Zum Handelsschutz traten noch 35 Konvoijers hinzu. Man erreichte, daß in diesem Jahre Handel und Fischerei geringere Verluste erlitten, als je zuvor in diesem oder dem früheren Kriege; die Franzosen wagten nur wenige Vorstöße und diese schlugen fehl. Aber England erhob doch später die Klage, Holland habe die „gemeinsame“ Sache vernachlässigt.
England stellte im Frühjahr unter Shovel noch eine zweite Flotte auf — das West-France-Squadron, 25 Linienschiffe, das auch bald ins Mittelmeer ging.
Nach der Landung des Königs und der Truppen, Mitte März, ging Rooke mit dem größeren Teile der Flotte in See, um an der spanischen Küste gegen den Handel zu kreuzen und um eine Vereinigung der französischen Mittelmeerstreitkräfte mit denen des Atlantik zu hindern.
Ludwig XIV. hatte für dieses Jahr noch einmal eine Gesamtverwendung seiner Kräfte ins Auge gefaßt. Im Vorjahre waren die Divisionen in den nördlichen Häfen blockiert, der Handel hatte sehr gelitten und auch die Toulonflotte war am Auslaufen gehindert. Jetzt sollte alles zusammengezogen werden, um, gestützt auf Toulon und die spanischen Häfen, schon von der Straße von Gibraltar an die Seeherrschaft im Mittelmeer zu behaupten. In allen Häfen wurde eifrig gerüstet. Es wurden auch insgesamt etwa 55 Linienschiffe in Dienst gestellt und schließlich vereinigt — im Norden scheint nur in Dünkirchen eine Division von 3–5 Schiffen zurückbehalten zu sein —, aber wegen Geldmangels blieben die Rüstungen sehr zurück, besonders in Toulon. Die Atlantikflotte, 25 Schiffe unter dem Admiral von Frankreich, dem jetzt 26 Jahre alten Graf von Toulouse, lief am 6. Mai von Brest aus und erreichte, wie wir sehen werden, Anfang Juni wohlbehalten Toulon; die Toulonflotte, 30 Schiffe, war aber erst Ende Juli seeklar. Als man in England erfuhr, daß die Divisionen in den atlantischen Häfen bereit seien, erhielt Shovel (Mitte April) den Befehl, seine eben erwähnten Kräfte zusammenzuziehen und auszulaufen; er sollte ausgehende Convois sowie die Zufuhren nach Lissabon schützen, die Vereinigung der französischen Divisionen hindern oder, wenn diese schon geschehen, den Gegner in Brest festhalten und, falls dieser schon nach dem Süden ausgelaufen sei, zu Rookes Verstärkung ihm folgen.
Corbett sagt: „Man findet hierin den von Oranien (und Marlborough) zuerst gefaßten und seitdem fast stets durchgeführten Gedanken, daß das Kanal- und das Mittelmeergeschwader als „eine“ Flotte zu betrachten ist, die je nach der Verteilung der feindlichen Kräfte innerhalb oder außerhalb der Straße von Gibraltar zusammen oder geteilt verwendet wird.“