Am Tage der Einnahme Gibraltars traf von England und Lissabon die Nachricht ein, daß die französische Flotte nicht wagen würde, Toulon zu verlassen, da sie wesentlich schwächer als die der Verbündeten sei, und Rooke wurde wieder auf Unternehmungen gegen Cadiz und Barcelona hingewiesen. Sein Kriegsrat verwarf Barcelona unbedingt, da es zu spät in der Jahreszeit und die Schiffe ausrüstungsbedürftig seien; er erklärte sich aber bereit, bis Mitte September bei einer Belagerung von Cadiz mitzuwirken, falls eine genügende Armee mit Belagerungstrain erschiene und eine Besatzung nach Gibraltar gelegt würde. Beides war ausgeschlossen und somit der in diesem Sinne nach Lissabon gesandte Bericht eine Weigerung, irgend etwas zu unternehmen; man wollte nur Gibraltar sichern. Wahrscheinlich waren die Admirale anderer Ansicht über die Franzosen und, obgleich sie keine Nachrichten hatten, mit Recht.

Graf Toulouse war am 22. Juli von Toulon nach Barcelona gegangen, wohin man die Flotte der Verbündeten beordert glaubte; hier erhielt er die Nachricht vom Fall Gibraltars und den Befehl König Philipps, zur Rückeroberung der Stadt mitzuwirken — es koste, was es wolle —, ein Heer sei zu diesem Zwecke schon unterwegs. Toulouse war dem Gegner auch nicht unterlegen. Er führte 51 Linienschiffe, zu denen noch französische und spanische Galeren treten konnten, und ging sofort weiter. Rooke besaß auch nur 51 Linienschiffe; er hatte van der Dussen mit 5 Holländern nach Plymouth gesandt, um einen Convoi Kauffahrer sowie einen Transport mit Kriegsmaterial für Portugal zu holen, eine andere Division war nach den Azoren abgezweigt, um den brasilianischen Convoi heimzuführen.

Die Antwort auf seinen Bericht nach Lissabon erwartend, ergriff Rooke zunächst Maßregeln, Gibraltar zu sichern. Dem Prinzen von Hessen wurden 1800 englische Seesoldaten als Besatzung überwiesen und die 3 Mörserboote zur Verfügung gestellt; das technische Personal dieser sollte bei der Instandsetzung der Festung helfen. Die Flotte ging (12. August) nach Tetuan und nahm hier geschwaderweise Wasser, um stets bereit zu sein, dem Gegner entgegenzutreten. Am 19. August verließ Rooke den Wasserplatz und hielt östlich von der Straße nach Europa hinüber, 12 Schiffe waren noch beim Wassernehmen. An diesem Tage meldeten die bis Malaga vorgeschobenen Vorposten, daß der Feind gesichtet sei, er käme heran und stehe, bei östlichem Winde, etwa 30 Seemeilen zu Luward. Der sofort zusammengerufene Kriegsrat konnte nicht schlüssig werden: man befürchtete das Abschneiden der Schiffe in Tetuan; man fühlte sich nicht stark genug, ohne diese zu fechten; einige Stimmen waren gar dafür, den Gegner in der Bucht von Gibraltar zu erwarten, um die Festung zu decken. Noch während der Beratung traf die Meldung ein, daß die Franzosen nach Malaga abzuhalten schienen. Toulouse beabsichtigte, nachdem er den Feind gefunden hatte, die dort liegenden Galeren heranzuziehen und Wasser zu nehmen, dessen er dringend bedurfte; hätte er die augenblickliche Schwäche Rookes gekannt, würde er sich wohl kaum die günstige Gelegenheit zum Angriff haben entgehen lassen. Die Verbündeten beschlossen jetzt, die Hälfte der Seesoldaten von Gibraltar holen zu lassen, die Schiffe von Tetuan heranzuziehen und während dieser Zeit, sowie später, solange östliche Winde wehten, gefechtsbereit in der Straße zu kreuzen, um Gibraltar zu schützen; wenn der Wind westlich ginge, wollte man dem Feinde folgen, aber der vorgerückten Jahreszeit wegen nicht weiter als bis Malaga. Dementsprechend wurde verfahren. Die Flotte lag in Gefechtslinie bis zum Morgen des 20. August nach Norden, an diesem Tage brachten die Mörserboote und Brander die Seesoldaten; dann steuerte Rooke nach Süden und vereinigte sich mit den schon am 19. benachrichtigten Schiffen von Tetuan. Während der verflossenen Nacht hatte man Signalschüsse der Franzosen gehört, die jedoch immer schwächer wurden; da am Tage nichts zu sehen war, nahm Rooke an, daß der Gegner ihm ausweichen wolle. Er kreuzte nun mit Segelpressen zwei Tage lang nach Osten auf. Am 23. morgens fürchtete man, daß es Toulouse gelungen sei oder noch gelingen könne, ungesehen nach Gibraltar zu kommen. Der Kriegsrat beschloß deshalb, nach der Straße zurückzukehren, aber kaum war nach Rückkehr der Admirale auf ihre Schiffe der neue Kurs aufgenommen, als die Franzosen, nordwestlich in Lee und vor dem Winde westwärts steuernd, gesichtet wurden.

Graf Toulouse hatte am 22. August vor Malaga geankert, erhielt hier die Nachricht vom Herankommen der Verbündeten. Er ging am 23. mit Tagesgrauen wieder unter Segel, begleitet von den Galeren; unter Land laufend, während die Gegner auf einem Schlage nach Süden lagen, hatte er diese passiert, ohne sie zu sichten, und so seine Luvstellung verloren. Auf beiden Seiten mangelte es an Aufklärungsschiffen. Wie leicht hätte Toulouse Gibraltar und die dort liegenden Vorratsschiffe der englisch-holländischen Flotte überraschen können, er konnte aber auch dabei, da Rooke ja rechtzeitig den Entschluß zum Umkehren gefaßt hatte, in sehr gefährliche Lage kommen. Der Zufall hat hier beide Teile gleich gut bedacht.

Die Franzosen standen beim Sichten etwa 25 Seemeilen Süd von Malaga und bildeten sofort die Schlachtlinie über Steuerbord-Bug, auch Rooke formierte sich zum Gefecht und hielt auf den Feind ab. Der leichte und unbeständige östliche Wind hinderte an diesem Tage das Zusammentreffen, aber der Morgen des 24. August fand die Flotten auf etwa 12 Seemeilen Entfernung gefechtsbereit einander gegenüber; Rooke, zu Luward, hielt zum Angriff ab, Toulouse erwartete ihn unter kleinen Segeln (die Marssegel auf die Kappe geführt).

Die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges und die letzte von Bedeutung in unserem Zeitabschnitt, entbrannte.

Die Zusammensetzung der Flotten.

VerbündeteSchiffe:über90 K.80–9070–8060–7050–60
Vorhut: 3 3 6 2 1
Mitte: 2 6 11 3 2
Nachhut: 1 3 6 2
Summe: 6[1)] 9[3)] 20[5)] 11[7)] 5[9)]
51 Schlachtschiffe mit 3626 Kanonen.
Franzosen Vorhut: 1 4 2 6 4
Mitte: 3 3 2 3 6
Nachhut: 3 2 2 3 7
Summe: 7[2)] 9[4)] 20[6)] 11[8)] 5[10)]
51 Schlachtschiffe mit 3596 Kanonen

[1)]

3 Schiffe zu 96 K.; 3 zu 90 K.; Franzosen sehr überlegen.

[2)]

1 zu 104 K.; 1 zu 102 K.; 1 zu 96 K.; 4 zu 92 K.;

[3)]

sämtlich zu 80 K.; Franzosen überlegen.

[4)]

sämtlich zu 84–88 K.
Die Verbündeten hatten 7–9 Dreidecker, die Franzosen 16.

[5)]

Die englischen zu 70 K.; 1 zu 76 K.; die Holländer zu 72 K.; Verbündeten an Zahl sehr überlegen.

[6)]

zu 70 oder 74 K.;

[7)]

Die englischen zu 60 K.; 1 zu 66 K.; Holländer zu 64 K.; Franzosen an Anzahl und Stärke überlegen.

[8)]

6 zu 60 K.; 6 zu 62–68 K.;

[9)]

Die englischen zu 50 K.; Holländer zu 52–54 K.;

[10)]

9 zu 58 K.; 5 zu 56 K.; 3 zu 54 K.

Bemerkenswert zu unseren früheren Betrachtungen über die Schiffsklassen ist die geringe Zahl der Schiffe unter 60 Kanonen bei den Verbündeten, die große Zahl der 70 Kanonenschiffe und die Stärke der Franzosen an Dreideckern; doch schätzte Admiral Leake die englischen Zweidecker zu 80 den französischen Dreideckern zu 84–88 Kanonen an Gefechtskraft gleich.