Die Tabelle ist zusammengestellt nach einer sehr ausführlichen Liste in Clowes, Teil II, Seite 399, nahezu übereinstimmend mit holländischen und französischen Quellen. Die meisten Autoren geben für die Verbündeten 53 Linienschiffe an. Der Unterschied kommt daher, daß Rooke 2 Schiffe zu 50 Kanonen nicht in die Schlachtlinie einstellte, sondern zur Beobachtung der Galeren bestimmte. Clowes, Bonfils, Troude geben die Namen der Schiffe und der Kommandanten.
Hierzu traten bei den Verbündeten 12 leichtere Schiffe (24–50 Kanonen), 7 Brander, 2 Mörserboote; bei den Franzosen 8 kleinere Fahrzeuge (6–30 Kanonen) und 9 Brander, auch verfügte Toulouse über 22 (24?) französische und spanische Galeren, die mit ihren 500–700 Mann und 4–6 schweren Kanonen im Bug, dabei unabhängig vom Winde und geeignet zum Rammen, wohl eine Rolle spielen konnten; sie waren auf die Geschwader verteilt und standen in zweiter Linie.
Die Flaggoffiziere waren auf seiten der Verbündeten: Vorhut — Admiral Shovel, Vizeadmiral Leake; Mitte — Rooke, Kontreadmirale Dilkes und Byng; Nachhut (Holländer) — Leutnantadmiral Callenburgh, Vizeadmiral von Wassenaer. Bei den Franzosen: Vorhut — Generalleutnant de Villette, Generalleutnant d'Amfreville, Chef d'Escadre de Belle-Isle; Mitte — Graf Toulouse (als Vorder- und als Hintermann je ein Chef d'Escadre), Generalleutnant de Coêtlogon, Chef d'Escadre de Pointis; Nachhut — Generalleutnant de Langeron, die Chefs d'Escadre de Septville und de la Harteloire.
Die Schlacht bei Malaga ist bemerkenswert für die Geschichte der Seetaktik. Sie gilt als die erste eines Zeitabschnittes, in dem die Engländer immer mehr ausgesprochen eine Taktik nur schematisch durchführen, nämlich: Gewinnen der Luvstellung; Heranführen der Flotte genau Spitze auf Spitze und dann Kampf genau Schiff gegen Schiff, beides unter starrer Aufrechterhaltung der Formation; Absehen von jedem Versuch, schon durch Ansetzen des Angriffes die feindliche Linie an einer Stelle mit Übermacht zu bedrohen. Auf die Nachteile dieser Art des Heranführens der Flotte ist schon mehrfach hingewiesen und auch gesagt worden, daß die Franzosen im nächsten Zeitabschnitte gegen diese Angriffsart eine Defensivtaktik in der Leestellung aufbauten, die die Nachteile mit Erfolg ausnutzte. Diese unwissenschaftliche Angriffsmethode einerseits, die reine Defensivtaktik anderseits schlossen entscheidende Schlachten aus, und man kann mit Recht sagen, daß die Seetaktik gegen die Zeiten der geschickten Manöver Moncks, Ruyters und Tourvilles einen Rückschritt gemacht hatte und bis zu dem Auftreten Rodneys und Suffrens auf einer niedrigeren Stufe stand. Es ist aber wohl gerecht, zu fragen, ob dies wirklich allein, wie lange angenommen ist, dem Mangel an Verständnis oder Interesse für Taktik seitens der Seeoffiziere, vornehmlich der englischen, zuzuschreiben ist oder nicht teilweise eine natürliche Folge der bisherigen Entwicklung der Seetaktik war.
Corbett sagt bei der Betrachtung der Schlacht von Malaga: „Es muß daran erinnert werden, daß es erst 40 Jahre her war, seitdem man die alte Gruppentaktik verlassen und die Linie aus Einzelschiffen, ausgesprochen zuerst wohl bei Texel 1665, eingeführt hatte. 1697 veröffentlichte Hoste[267] sein Werk über Seetaktik; seitdem war keine Schlacht geschlagen, seine Ansichten können also wohl als die zu jener Zeit allgemein anerkannten betrachtet werden. Hiernach war es allerdings das Hauptziel, einen Teil des Feindes abzuschneiden und zu dublieren. Man hatte es in der ersten Zeit der neuen Taktik durch Durchbrechen der feindlichen Linie mittels plötzlichen Wendens im Kontremarsch (d. i. ein Schiff der Kiellinie nach dem andern, so daß die Kiellinie erhalten bleibt, im Gegensatz zum „Wenden zugleich“ vgl. Seite [260], Fußnote) versucht, dieses Verfahren war aber wegen der damit verbundenen Gefahren in Mißachtung gekommen. Hoste lehrte nämlich, beim Angriff dürfe ein Durchbrechen der Linie nur unter besonderen Umständen angewendet werden, z. B., um sich selber einer Gefahr zu entziehen, oder wenn der Feind durch ungeschickte Manöver eine Lücke darböte; wenn der Feind gute Formation hielte, sei es nicht zu wagen. Ein sonstiges Dublieren solle man nur versuchen, wenn die eigene Linie infolge größerer Schiffszahl die feindliche überrage; dieses Dublieren solle hinten geschehen, also bleibt der Angriff Spitze auf Spitze bestehen. Ein Durchbrechen während der Schlacht solle nur ausgeführt werden, wenn man sich durch Niederkämpfen von 2 oder 3 Schiffen an derselben Stelle eine Lücke geschaffen habe. — Auf eine Zeit wagemutiger Offensive, die mehr oder weniger besonders hervorragenden Persönlichkeiten zuzuschreiben ist, folgte nun fast naturgemäß als Rückschlag ein defensiveres Verfahren: Abwarten, ob der Feind sich eine Blöße gäbe oder an einer Stelle niedergekämpft werden würde. Daraus mußte die Ansicht entstehen, daß diejenige Flotte die größte Aussicht habe, an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, die am längsten Formation hielte. Das Bestreben, dies zu tun, mußte also für wichtiger gehalten werden als der Versuch, schon durch Ansetzen des Angriffes einen taktischen Erfolg zu erringen.“ Diese Auslassungen Corbetts sind gewiß beachtungswert, aber doch wohl etwas zugunsten der Beurteilung der englischen Seeoffiziere geschrieben; die größere militärische Einsicht der französischen Offiziere wird jedenfalls durch den Umstand gekennzeichnet, daß sie zu ihrem Vorteil mit der Taktik der Engländer rechnen lernten, während diese zu ihrem Nachteil bis 1782 daran festhielten.
Die Schilderung der Schlacht bei Malaga[268] (24. August 1704) wird zeigen, daß die Engländer dort in vollem Maße diese unvollkommene Taktik verwenden, daß aber auch die Franzosen nur einen schwachen Versuch machen, durch Manöver einen Vorteil zu erringen.
Beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug, die Franzosen in Lee. Um jeder Bewegung des Feindes leichter folgen zu können, steuerte Toulouse mit halbem Winde; nach Hostes Ansicht die gefährlichste aller Lagen, da sie selbst einem schwächeren Gegner die Gelegenheit gäbe, die Nachhut ungestraft zu dublieren. Die französische Mitte war etwas nach Lee eingebogen. Vielleicht war dies ein Zufall, da es aber auch unter Tourville bei Beachy Head der Fall gewesen war, muß man fast eine Absicht annehmen; die englischen Offiziere sollen darin ein vorläufiges Zurückhalten dieses Geschwaders und damit die Vorbereitung eines verstärkten Angriffes auf ihre Vor- oder Nachhut, je nach Umständen, gesehen haben. Rooke machte keinen Versuch zum Dublieren der Nachhut, er führte seine Flotte zum Angriff auf der ganzen Linie heran. Wie gewöhnlich entstanden durch das lange Steuern in Dwarslinie und das schräge Herangehen Lücken zwischen den Geschwadern und Divisionen. Der Führer der Vorhut, Shovel, drehte deshalb auf halbe Kanonenschußweite querab vom Admiral der französischen Vorhut (Villette) bei, um Rooke herankommen zu lassen; die beiden gegnerischen Geschwader lagen sich schweigend und abwartend gegenüber. Nun stand Shovels Flaggschiff um eine Nummer weiter von der Spitze ab als das Villettes, die englische Linie überragte also die französische um ein Schiff. Das französische Spitzenschiff meldete dies durch Zuruf von Schiff zu Schiff seinem Admiral und Villette gab Befehl, aufzusegeln. Shovel folgte diesem Beispiel, um der Gefahr, vorn dubliert zu werden, entgegenzutreten; die Gefahr lag um so näher, als die französische Vorhut zwei Schiffe mehr als die englische zählte. Hierdurch wurde der Abstand zwischen Shovel und Rooke noch größer. Toulouse beabsichtigte jetzt, in diese Lücke einzubrechen, mit seiner Mitte Shovel von Luward aus zu dublieren und seine Nachhut Rooke entgegenzustellen; er hoffte so, die englische Vorhut zu vernichten, ehe noch die feindliche Nachhut ins Gefecht eintreten könnte, und ließ Mitte und Nachhut Segel mehren.
Rooke, der unter Segelpreß herankam, erkannte zwar nicht die wahre Absicht Toulouses, glaubte aber, es handle sich um ein Aufsegeln der ganzen feindlichen Flotte, um die englische vorn zu dublieren. Obgleich er noch nicht so nahe am Feinde war, wie er beabsichtigt hatte, gab er doch seinem Geschwader den Befehl zum Beidrehen und Eröffnen des Feuers, um die feindliche Mitte festzuhalten; es gelang, Toulouse sah von seinem Manöver ab. Die beiden vordersten Schiffe Rookes, unter Dilkes, wandten sich gegen die letzten Schiffe Villettes und glichen so die Minderzahl der englischen Vorhut aus; Rooke befand sich querab von Toulouse, es lagen Vorhut und Mitte beider Flotten genau Schiff gegen Schiff (etwa 10 Uhr vormittags). Die Nachhut der Verbündeten scheint erst nach längerer Zeit zum Gefecht gekommen zu sein. Ihr Führer,[534] Callenburgh, griff Langeron an; da beide Admirale in der Mitte ihres Geschwaders lagen, etwa das 7. bezw. das 9. Schiff von vorn, und nur 12 Holländer 17 (16?) Franzosen gegenüberstanden, müssen die Franzosen vorn um 2 oder 3 Schiffe überragt haben, doch griffen hier wohl die hinten überschießenden Nummern Rookes ein.
Im Gefecht der Vorhuten errangen die Engländer Erfolg, sie waren ja auch etwas überlegen. Nach etwa drei Stunden geriet das Flaggschiff Villettes am Heck infolge einer Explosion in Brand und war genötigt, die Linie zu verlassen; ein Teil der andern Schiffe folgte, da sie das Abhalten für ein taktisches Manöver hielten. Admiral Leake war dafür, den Weichenden scharf zu folgen, so die feindliche Formation ganz über den Haufen zu werfen und dadurch auch Toulouse zum Abhalten zu zwingen, um nicht von Lee aus dubliert zu werden. Es wäre wohl richtig gewesen, denn im Gefecht der Mitten standen die Engländer nicht gut. Rooke und seine nächsten Nachbarn lagen gerade sehr starken Franzosen gegenüber und im Zentrum der Verbündeten befanden sich außerdem mehrere Schiffe, die bei der Beschießung Gibraltars viel Munition verbraucht hatten; etwa 5 wurden durch Munitionsmangel gezwungen, die Linie zu verlassen. Die übrigen Schiffe der Mitte waren hart bedrängt und litten schwer, so insbesondere Rookes Flaggschiff. Da nun Toulouse Anstalten machte, in die durch Ausfall der Schiffe entstandene Lücke einzudringen, sah Shovel vom Ausnutzen seines Sieges ab und führte die Linie seines Geschwaders über den Hintersteven in diese Lücke. (Durch „backing astern“; das Manöver wurde seinerzeit aufs höchste bewundert.) Er rettete zwar so die Lage der Mitte, aber seine vordersten Schiffe fanden jetzt keine Verwendung mehr; die Linie des Geschwaders blieb erhalten, die überschießenden Schiffe wurden weder zur Verfolgung der weichenden Franzosen noch zum Dublieren der feindlichen Linie vorn benutzt.
Das Gefecht der Nachhuten scheint erst kurz vor diesem Ereignis begonnen zu haben. Auch hier wichen die Franzosen nach einigen Stunden nach Lee aus, und dann brach auch Toulouse gegen Sonnenuntergang den Kampf ab; die Verbündeten drängten nirgends nach.