Vom Eingreifen der zahlreichen Galeren hört man fast nichts. Nach de Jonge versuchten einige, das Schlußschiff der Holländer von achtern anzugreifen; sie wurden aber bald abgewiesen, der holländische Kommandant hatte Geschütze achteraus bringen lassen. Auch Branderangriffe werden nicht erwähnt, dagegen sprechen de Jonge und französische Quellen von verschiedenen Enterversuchen, die jedoch sämtlich schon vor dem Zusammenstoß durch Geschützfeuer abgewiesen seien. Nach französischen Angaben sollen die schweren Verluste und Beschädigungen einiger ihrer Schiffe eine Folge von Bombenfeuer der Mörserboote und auch aus Geschützen anderer Schiffe gewesen sein. Englische Quellen bestreiten die Verwendung von Bombengeschützen auf ihren Schiffen, und de Jonge sagt in Hinsicht auf die holländischen Mörserboote, daß sie, auch wenn sie noch bei der Flotte gewesen wären, kein wirksames Feuer hätten abgeben können: die See sei so bewegt gewesen, daß die Franzosen damit das Nichteingreifen der Galeren entschuldigt hätten. Engländer und Holländer schreiben den großen Verlust der französischen Schiffe deren stärkeren Besatzungen und der besseren Artillerie der Verbündeten zu; wir wissen, daß die Engländer von jeher besonders ihr Feuer gegen die feindlichen Besatzungen, weniger gegen die Takelage richteten.

Der Kampf war sehr hartnäckig gewesen, namentlich der der Mitten. Rooke berichtete, alle Schiffe der Verbündeten hätten ihre Pflicht getan, auf seiten der Franzosen habe die Mitte mit großer Tapferkeit gefochten, Vorhut und Nachhut weniger gut. Die Verbündeten verloren nach Clowes, der die Verluste für jedes englische Schiff angibt, in der Vorhut: 215 Tote und 497 Verwundete, in der Mitte: 492 und 1126, in der Nachhut: 95 und 268. Der Verlust der Franzosen betrug nach demselben Autor 1500 Tote und weit mehr Verwundete, französische Quellen führen nur 1500 Tote und Verwundete an. Nach den neuesten Angaben beider Nationen scheinen Schiffe im Gefecht nicht vernichtet zu sein. Clowes sagt, die Franzosen „sollen“ im Gefecht eins und später noch vier verloren haben. Das holländische Flaggschiff flog zwei Tage später auf; der Grund ist unbekannt; der Admiral hatte das schwer beschädigte Fahrzeug vorher verlassen. Im übrigen waren die Schiffe auf beiden Seiten schwer beschädigt, besonders die der englischen Mitte.

Man muß wohl die Schlacht als unentschieden bezeichnen; bei einer anderen Art des Angriffs wäre der Ausgang vielleicht anders gewesen. Corbett sagt hierzu: „Rooke machte keinen Versuch, den Angriff anders anzusetzen, da gerade seinem vorsichtigen Charakter die neue defensivere Taktik sehr entsprach; auch teilte er wohl Shovels Ansicht, daß bei gleicher Stärke nie ein entscheidender Sieg zu erringen sei (vgl. Seite [511]). Er suchte aber auch einen solchen nicht, da er seine Hauptaufgabe im Schutze Gibraltars erblickte. Wurde er infolge eines mit Gefahr verknüpften Manövers — als solches sah man jede Abweichung von der gewählten Angriffsart an — geschlagen, so war Gibraltar sowie die Herrschaft im Mittelmeer verloren und auch die Flotte arg gefährdet, denn von ihrem einzigen Zufluchtshafen, Lissabon, war sie durch den Feind getrennt. Fechten mußte er, aber politisch wie seemännisch war es wichtiger, eine Niederlage zu vermeiden, als einen großen Sieg zu gewinnen; so ist es zweifelhaft, ob er besser verfahren konnte, als er getan hat.“ Es ist bemerkenswert, daß Corbett so urteilt, da er sonst kaum je zu Rookes Gunsten spricht.

Die Schlacht wurde in England, Holland und Frankreich als Sieg gefeiert. Aber wenn sie auch vom taktischen Standpunkt aus eine unentschiedene genannt werden kann — keiner der Gegner hat zunächst das Feld geräumt, die Flotten blieben in Sicht voneinander liegen —, so war sie doch strategisch ein Erfolg der Verbündeten.

Rookes Lage nach der Schlacht war zwar nicht unbedenklich. Auf seiner Flotte herrschte Munitionsmangel, gegen 25 Schiffe sollen in dem Kampfe ihre ganze Munition verschossen haben; eine Folge der Verschwendung bei der Beschießung von Gibraltar. Ferner stand der Feind noch immer zwischen ihm und dem gefährdeten Gibraltar sowie seinem einzigen Stützpunkte Lissabon. Die Franzosen nutzten dies aber nicht aus; Toulouse und einige seiner Offiziere, die den Kampf erneuern wollten, wurden im Kriegsrate überstimmt. Während der Nacht besserten beide Flotten aus, der Wind wurde westlich, so daß die Franzosen am 25. zu Luward standen. Die Verbündeten bereiteten sich auf einen neuen Angriff vor, indem sie ihre beschädigten Schiffe in Lee der Linie nahmen, als sie aber sahen, daß der Gegner weiter ausbesserte, taten sie desgleichen und gaben Munition an die deren bedürftigen Schiffe ab. Abends trat der Kriegsrat zusammen und beschloß, unter allen Umständen nach Gibraltar zu gehen, falls der Feind sich dem entgegenstelle, sich durchzuschlagen; beschädigte oder munitionslose Schiffe sollten ihre Rettung auf eigene Faust versuchen oder sich im äußersten Falle verbrennen.

Am 26. August morgens war es anfangs still und nebelig, später kam leichter östlicher Wind auf. Rooke steuerte auf den Gegner zu, der in Schlachtlinie mit nördlichem Kurse auf dem Wege der Verbündeten etwa 12 Seemeilen entfernt lag. Da der Wind so flau blieb, daß ein Zusammentreffen vor der Nacht unmöglich war, drehte Rooke gegen Abend bei, um seine beschädigten Nachzügler zu erwarten und den Durchbruch am nächsten Tage zu versuchen, aber am 27. morgens war der Feind aus Sicht. Der Admiral nahm nun Kurs nach Gibraltar auf. Er glaubte, Toulouse sei ebendorthin oder zur Ausbesserung nach Cadiz gegangen, er hörte aber schon am 28. in der Straße, daß der Feind diese nicht passiert habe; noch zwei Tage wartete Rooke unter Segel und ankerte dann am 31. vor Gibraltar.

Toulouse war mit dem größten Teile seiner Flotte über Malaga und Alicante nach Toulon gegangen, er hatte also die Wiedernahme Gibraltars, ja sogar alle Unternehmungen mit den Gesamtstreitkräften aufgegeben. So konnte man in England und Holland die Schlacht bei Malaga wohl als einen Sieg ansehen. In Frankreich rühmte man sich allerdings, durch die Schlacht dem Gegner den Eintritt ins Mittelmeer verlegt zu haben, trotzdem aber war das Auftreten der Flotte bei dieser Gelegenheit der letzte ernstliche Versuch in diesem Kriege, den Verbündeten die Seeherrschaft streitig zu machen. Ähnlich wie im vorigen Kriege hatte man nach dem Mißerfolge Toulouses alles Zutrauen zu der Flotte verloren und ließ ihr immer weniger Pflege zuteil werden.

Bonfils sagt: „Im Volke machte sich eine bedauernswerte Abneigung gegen die Marine geltend. Ihre Verdienste waren vergessen, man glaubte nicht mehr an ihren Wert; die Armee, die mehr in unmittelbarer Berührung mit der Nation stand, hatte deren ganze Gunst.“ Bonfils führt aber auch an, der Marineminister Pontchartrin habe aus Eifersucht die Tätigkeit Toulouses gelähmt.

Das Jahr 1704 bringt zwar noch weitere Operationen um den Besitz von Gibraltar, aber die Hauptflotten beteiligen sich nicht mehr daran. Rooke war zu rechter Zeit vor der Stadt eingetroffen, die von Philipp V. entsandten Belagerungstruppen waren schon in größter Nähe. Da der Zustand der Flotte ein Bleiben nicht erlaubte, wurden auf Ersuchen des Prinzen von Hessen sämtliche englische Seesoldaten, 2000 Mann, eine Abteilung von Zimmerleuten und Artilleristen zur Instandsetzung der Befestigungen, Munition und endlich Proviant für 6 Monate gelandet, sowie zwei Mörserboote zurückgelassen. Es wurde ferner beschlossen, die noch diensttauglichsten englischen Schiffe unter Vizeadmiral Sir John Leake als Wintergeschwader in den südlichen Gewässern sowie einige sehr schwer beschädigte in Lissabon zur Ausbesserung zu belassen. Darauf ging die Hauptflotte am 5. September heim, traf am 4. Oktober im Kanal ein und wurde dann abgerüstet. Leakes Geschwader, 10 Linienschiffe (11?) und 2 Fregatten, hatte sich bei Kap St. Vincent abgezweigt und war nach Lissabon zum Überholen gegangen; hier wurde es am 30. Oktober durch die holländische Division v. d. Dussen, die mit den von Plymouth abgeholten Transportern eintraf, verstärkt; zu dieser trat bald noch ein Schiff der ebenfalls vorhin erwähnten Azorendivision. Da die portugiesischen Werften in sehr schlechtem Zustande waren, wurde Leakes Geschwader auch erst Ende Oktober wieder seeklar, und es war die höchste Zeit, dem bedrängten Gibraltar Hilfe zu bringen. Toulouse hatte vor Alicante den erneuten Befehl König Philipps erhalten, die Belagerung der Stadt zu unterstützen; er ließ zu diesem Zweck 13 Linienschiffe (10?) und 9 Fregatten unter dem Chef d'Escadre de Pointis zurück. Dieser traf im Oktober mit 3000 Mann und großem Belagerungspark vor der schon zu Lande eingeschlossenen Festung ein. Der förmliche Angriff wurde eröffnet, und man rechnete auf den Fall der Stadt zu Mitte November; hartnäckig verteidigte sich Hessen, aber eines seiner Mörserboote war in Brand geschossen und die Belagerungsarbeiten schritten vorwärts.

In dieser höchsten Not kam, vom Zufall begünstigt, die Hilfe. De Pointis war nicht vor Gibraltar geblieben, sondern nach Ausschiffen der Truppen usw. nach Cadiz gegangen, um Proviant einzunehmen, nur fünf Fregatten (20 bis 40 Kanonen) zurücklassend. Anderseits hatte Leake, der von Hessen beständig um Hilfe angerufen war, infolge des Eintreffens der Transporter seine Ausrüstung beenden können; er ging am 5. November von Lissabon in See und traf am 9. abends vor Gibraltar ein. Gerade für den 10. hatten die Belagerer einen Hauptschlag geplant. 500 Freiwillige waren in der Nacht heimlich im Süden der Stadt gelandet, sie hatten mit Hilfe von Tauen und Leitern den Felsen erklommen und sich dort verborgen; sie sollten vorbrechen, wenn eine Landung bei der neuen Mole vom Festlande aus, zu der Hunderte von Booten gesammelt waren, erfolgte. Aber gerade als die zur Landung bestimmten Mannschaften eingeschifft wurden, lief Leake in die Bucht ein. Eine der französischen Fregatten, die auf Vorposten war, hatte man schon auf See genommen, die andern sowie ein Brander und ein Mörserboot mit Belagerungsmunition setzten sich jetzt auf Strand und in Brand. Die Landung mußte natürlich aufgegeben werden, die 500 Freiwilligen wurden aufgerieben. Gibraltar war zum zweiten Male gerettet.